
Über Kim gib es auch im der Rubrik "Das Cri-du-Chat Syndrom" einen Bericht: (Kim-Fallstudie)
Zu diesem Brief gibt es Fortsetzungen:
Alltag in der Tagesförderstätte: (Kim 19 Jahre)
Ich habe lange nichts von Kim berichtet. Sie ist ja mittlerweile „erwachsen“ und das wirft natürlich noch einmal einige Probleme auf. Rechtliche - man ist ja nicht mehr zuständig und hat im Grunde nichts mehr zu entscheiden über sein Kind - also muss an offizieller Stelle geprüft werden, ob wir weiterhin für unser Kind Entscheidungen treffen dürfen. Das ist alles hoch offiziell und muss beim Vormundschaftsgericht beantragt werden, dann kommt ein Sozialarbeiter und muss dies befürworten, danach kommt ein Richter und wenn alle damit einverstanden sind, bekommt man einen Betreuerausweis. Außerdem kann man Grundsicherung beim Sozialhilfeträger beantragen dies wird in Berlin bei der BFA geprüft.
Es ist einkommenunabhängig (heute -- 2007 sind es 276€ + 46€ für Pflegemehrbedarf) und ebenfalls kann man anteilig Miete, Nebenkosten usw. gelten machen.
Als zweites stellt sich dieses Jahr für uns die Frage, was passiert im Sommer, wenn Kim aus der Schule kommt. Wie die meisten wissen, ist Kim immer integrativ oder kooperativ beschult worden. Somit war es für uns fast undenkbar, sie in eine Tagesstätte für Behinderte zu geben (bei Kim ist nicht absolut klar ob sie Werkstatt-fähig ist oder nicht, somit hatte ich den Vorteil/Nachteil dies selbst zu entscheiden). Wir haben in Bremen den Martinshof (Werkstatt für Behinderte), dort hat sie ein Praktikum absolviert und es hat recht gut geklappt (für Kim´s Verhältnisse). Wir waren mit der Werkstatt übereingekommen, Kim in das Berufsbildungs- Eingangsverfahren (3 Monate) anzumelden. Wir waren uns absolut nicht sicher, ob sie dort klarkommt, da Kim eine 1 : 1 Betreuung gewohnt ist (die aber nicht zwingend notwendig ist) und diese auch einfordert. Hier ist die Betreuung 1 : 8 bis 1 : 12. Aber was am allerschlimmsten war, dass mir keiner sagen konnte, wann Kim aufgenommen werden würde. Es war die Sprache von frühestens Oktober 2007 bis April 2008. Dies war für uns undenkbar. Allein der Gedanke, dass Kim auch nur 4 Monate zu Hause bleiben sollte oder noch länger, wo doch die 6 Wochen Sommerferien schon alles abverlangte. Nein niemals!
Die Entscheidung kam dann beim zweiten Praktikum, welches gleich nach dem anderen in einer Tagesstätte vom ASB folgte. Kim fühlte sich hier wohl, arbeitete in der Papierwerkstatt mit Ausdauer und Begeisterung, sie gingen Einkaufen, Reiten und Schwimmen. Was aber letztendlich ausschlaggebend war, ist, das Kim sofort nach der Schule einen Platz bekommen kann. Ich habe sie für Mitte August angemeldet und kann wieder ganz beruhigt schlafen!
Natürlich werde ich mein Ziel, Kim in die Werkstatt zu bekommen, nicht aufgeben, aber ich lasse ihr einfach noch ein bisschen Zeit und wir arbeiten mit der Tagesstätte gemeinsam darauf zu. Ob es was wird? Das werde ich euch in den nächsten Jahren berichten.
Kims Mutter Ute (April 2007)
Ich hatte ja im letzten Infobrief schon geschrieben, dass sich bei uns einiges verändern wird. Der Wechsel von der Schule in die Tagesförderstätte ist im August letzten Jahres passiert. Der Übergang ging viel leichter und unkomplizierter von statten als erwartet. Das große Chaos blieb aus.
Kim wird morgens um 8 Uhr abgeholt und gegen 9 Uhr ist sie dann dort. Das zweite Frühstück um 9.30 Uhr ist dann in der Tagesförderstätte (TFS). Danach stehen Toilettengänge an (14 Personen) das dauert natürlich sehr lang. Dann arbeiten sie entweder in der Papierwerkstatt, haben Musikstunde oder reiten das liebt Kim sehr, und sie ist auch sehr ausdauernd dabei. Es gibt auch eine Schwimmgruppe, da Kim aber regelmäßig nachmittags schwimmen geht, nimmt sie daran nicht teil. Um 12 Uhr gibt es Mittagessen, danach wieder die Toilettengänge und etwas Pause. Nachmittags wird dann eventuell noch etwas Fahrrad gefahren oder spazieren gegangen. Um 15:45 Uhr kommen die Busse. Kim wird zweimal die Woche direkt von der TFS abgeholt, einmal von einer Betreuerin, die dann mit ihr den Nachmittag verbringt (Schwimmen, Kino, Indoorhalle, Eiscafe usw.) und das andere Mal geht sie in eine Jugendgruppe. Freitags ist dann schon um 13 Uhr Schluss. Nachmittags besucht sie eine integrative Sportgruppe. Die Nachmittagsaktivitäten sind für Kim sehr wichtig und sie fordert sie auch ein. Dies merkt man, wenn Ferien sind und die Gruppen dann nicht stattfinden.
Für uns ist es ohne Frage von den Zeiten her eine erhebliche Erleichterung im Alltag und da es keine Ferien und sonstige Ausfälle mehr gibt, wesentlich einfacher als in der Schulzeit. Aber trotzdem sind wir nicht ganz glücklich, da wir glauben, dass Kim mehr kann und zuwenig gefördert wird. Hier ist aber das leidliche Problem, dass nicht genug Personal vorhanden ist um sie zu unterstützen. Kommt Zeit, kommt Rat.
Na bis dann,
Kims Mutter Ute (April 2008)