Letzte Änderung: 13.09.2008

Elternbefragung

1996

 
Umfrage in Deutschland
Vergleichsdaten aus den Vereinigten Staaten

(Dr. M.E.Carlin)

Allgemeine Angaben
Anzahl versandter Fragebogen
ca. 55
383
zurückgesandt / ausgewertet
38
105
Anzahl Jungen / Mädchen
Jungen: 14; Mädchen: 24
31/74
Altersspanne
1 Jahr bis 31 Jahren
2 Monate bis 30 Jahre
Altersverteilung (grob) 39%kleiner 6 Jahre, 13% größer 15 Jahre 50% kleiner 6 Jahre, 28% größer 15 Jahre
Geschwister 82% haben mindestens ein Geschwister. Über 90% haben mindestens ein Geschwister. Darunter 2 Zwillingspaare mit jeweils nur einem betroffenen Zwilling. Keine der Familien hatte mehr als ein betroffenes Kind.
Genetik 33 (87%) haben terminale Deletionen. Über 19 (50%) gibt es keine genaueren Angaben. Von den 14 spezifizierten terminalen Deletionen haben 7 Bruchstellen von 5p14 bis 5p15.1. 2 Fälle von Mosaikismus; 2 Fälle von unbalanzierten Translokationen (Chromosom 8 bzw. 22 betroffen). Einmal war die terminale Deletion kombiniert mit Duplikation des oberen Teiles von 5p14. In je einem Fall führten balanzierte Translokationen bei Vater bzw. Mutter zur Chromosomenanomalie. 90% waren terminale Deletionen . Im wesentlichen zwischen 5p15 und 5p14. 14% hatten als Bruchstelle 5p13, zwei Fälle mit 5p12. 5 Translokationen wurden berichtet, 3 abgeleitet von der Mutter, 2 vom Vater. Wie in früheren Studien bereits vermerkt existiert keine direkte Korrelation zwischen der Größe der Deletion und dem Schweregrad des klinischen Erscheinungsbildes.
Schwangerschaftsverlauf und Geburt
 
unsere Umfrage
Umfrage Dr. Carlin (USA)
Allgemein Die Schwangerschaft verlief überwiegend normal. (42% ganz ohne Probleme); 87% wurden zum Termin geboren (36-41. Woche).

29 % der Geburten wurden mit Kaiserschnitt durchgeführt.

Die Schwangerschaft verlief überwiegend normal. 77% wurden zum Termin geboren (36-41. Woche).

18% der Geburten wurden mit Kaiserschnitt durchgeführt (entspricht dem "normalen" Prozentsatz)

Geburtsgewicht Mittel: 2727 Gramm (Standardabweichung zum "normalen Geburtsgewicht": 686 Gramm) 6 lbs, 1 oz (2750g), 20% waren für das Schwangerschaftsalter zu klein.
Länge bei Geburt Mittel: 48 cm (Standardabweichung: 4 cm) 19 inches (48 cm), das ist proportional zum durchschnittlichen Gewicht.
Kopfumfang bei Geburt Mittel: 32 cm (Standardabweichung: 2 cm). Die Frage wurde in 95% der Fälle beantwortet so um 30 cm (wurde nur in weniger als 50% beantwortet.)
Häufige medizinische Befunde
 
unsere Umfrage
Umfrage Dr. Carlin (USA)
charakteristischer, monochromatischer Schrei
92 %
>95%
Mikrozephalie
82 %
>95%
Ausladende Lidfalten, Kleines Kinn, tief sitzende Ohren, Vierfingerfurche 76 % (1 oder mehrere Nennungen) >60% (1 oder mehrere Nennungen)
verzögertes Größenwachstum / kleine Statur
nicht erfaßt
>80%
Strabismus (Schielen)
29 %
30%
Herzfehler
16 %
20%
Gaumenspalte
13 %
15%
Gehörlos
3 %
10%
Scoliosis (Wirbelsäulenverkrümmung)
26 %
10%
verschiedene orthopädische Deformitäten
29 %
10%
Leistenbrüche
26 %
10%
Damit zusammenhängende oder sekundäre Funktionsstörungen
 
unsere Umfrage
Umfrage Dr. Carlin (USA)
schwacher Saugreflex / Fütterungsprobleme
87 %
>95%
häufige Infektionen
79 %
>95%
Verstopfung
58 %
84%
Rückfluß / Aufstoßen
45 %
50%
Lungenentzündung
21 %
28%
Sinusitis Mastoiditis (Nebenhöhlenentzündung)
8 %
28%
(epileptische) Anfälle
3 %
20%
Pharyngitis / Tonsillitis (Rachen- und Mandelentzündungen)
18 %
20%
Behandlunden / Chirurgische Eingriffe
 
unsere Umfrage
Umfrage Dr. Carlin (USA)
Insgesamt 58% mind. 1 Operation, einige Kinder sind mehrfach operiert worden.
70%
davon:
Belüftungsröhrchen in den Ohren
5 %
35%
Künstliche Ernährung Nur für ein Kind ist angegeben worden, daß es als Säugling künstliche ernährt werden mußte. Es gibt aber keine explizite Frage nach künstlicher Ernährung, deshalb ist die Liste sicher nicht vollständig.
20%
Mandelentfernung / Polypenentfernung/
5 %
20%
Bruchoperationen und/oder Hodenoperationen
26 %
10%
andere
24 %
lediglich 2 chirurgische Behandlungen von Strabismus (Schielen), 3 mal Luftröhrenschnitt.
Trends in der Entwicklung
 
unsere Umfrage
Umfrage Dr. Carlin (USA)
Bemerkung (viele Familien gaben keine Altersangaben bei Erreichen eines Entwicklungsmeilensteines an, viele (vor allem jetzt noch junge) Kinder werden auch noch neue Fähigkeiten erreichen)  
Gehen 58 % aller Kinder können gehen. Berücksichtigt man die Altersverteilung, werden wohl fast alle laufen lernen. Allerdings erst mit etwa 4 Jahren kann etwa die Hälfte aller Kinder laufen. Die meisten Kinder lernen gehen, teilweise aber stark verspätet, besonders bei Hypotonie oder mit orthopädischen Deformationen unterhalb des Knies. Über 60% der über 18 Monate alten Kinder gehen.
Toilettentraining Urin Tags: 39% (68%); Stuhl Tags: 32% (55%); Tag & Nacht: 13%(38%); die meisten erlernen das Toilettentraining tagsüber zwischen dem 5. und 10. Lebensjahr. Die Zahlen vor den Klammern sind bezogen auf alle Fragebögen, die Zahlen in den Klammern sind eine Hochrechnung, die die Altersverteilung der abgegebenen Fragebögen berücksichtigt (diese statistische Größe ist auch in den folgenden Fragen berechnet und in Klammern angegeben). Weniger als 1/3 haben vollständige Toilettfähigkeiten erreicht, und das erst nach dem Laufen lernen.
Alleine anziehen 13% können sich alleine anziehen. Unter Berücksichtigung der Altersverteilung könnten letztlich etwa 20% bis 25% lernen sich anzuziehen. Weniger als 20% können sich ohne Überwachung anziehen.
Verwendung von Zeichen 53% (62%) berichten die Benutzung von Zeichen. Etwa 45% (50%) aller Kinder lernen / benutzen ihr erstes Zeichen vor dem vollendeten 3. Lebensjahr. 80% berichten die Benutzung von Zeichen; 75% davon lernten mindestens 1 Zeichen vor dem 3. Lebensjahr. Eine Frau nutzt regelmäßig 45 Zeichen und kennt mehr als 120!
Verwendung von Worten 61%(75%) aller Kinder benutzen mindestens ein Wort. 32%(48%) sprechen mehrere Worte. 11% (30% unsicher) benutzen einfache Sätze. Die meisten, die überhaupt Worte benutzen beginnen damit vor dem vollendeten 5. Lebensjahr. 15% nutzen 1-2 Worte, ein 26 Jahre alter Mann "spricht viel und kennt viele Worte".
Singen Nur 4 Kinder (11%) singen Lieder (kann man kaum hochrechnen) mehr als 1/3 singen Lieder
Fördermaßnahmen
 
unsere Umfrage
Umfrage Dr. Carlin (USA)
Allgemein 84%(aktuell= derzeit noch: 10%) haben Frühförderung erhalten, 100%(aktuell: 35%) irgendeine Form von Physikalischer Therapie, 75% (aktuell: 32%) Ergotherapie, 60% (aktuell: 27%) Sprachtherapie, 18%(aktuell: 3%) Musiktherapie, 14%(aktuell: 0%) adaptive Spieltherapie, 42% (aktuell: 8%) andere Therapien darunter: Therapeutisches Reiten (8x), Schwimmen (5x), Kautherapie nach Castillo Morales (3x) Nur 68% berichten über Frühförderung. Bis auf "eine Handvoll" erhalten / erhielten aber alle eine Kombination von Gymnastik, Beschäftigungs- und Sprachtherapie; die meisten bleiben auch als Erwachsene in Therapie. Spieltherapie, Musiktherapie und Reittherapie werden immer stärker genutzt mit günstigen Ergebnissen.
Berufsausbildung / Berufsausübung Nur 4 Kinder unserer Fragebogenaktion sind über 18 Jahre alt. 3 davon arbeiten in einer Beschützenden Werkstatt oder Fördergruppe (alle für Entgelt). Alle haben aber beschränkte Fähigkeiten und benötigen Betreuung für Schwerstbehinderte. (evtl. eine Ausnahme) Obwohl 2/3 der über 18 Jährigen irgendeiner Art von Berufsbildendem Training bekommen haben , bleiben ihre Fähigkeiten meist beschränkt. Ihre Verhaltensauffälligkeiten stören die

Weniger als 5% erhalten eine Vergütung für ihre Arbeit. Leistungsfähigkeit.

Benötigte Hilfsmittel 37% benötigen irgendwelche Hilfsmittel zur Fortbewegung (Schuheinlagen mitgerechnet aber keine Buggies etc. für kleinere Kinder); wenigstens manchmal benötigen 16% einen Rollstuhl; 11% Brillen; keine Hörgeräte 60% benötigen irgendwelche angepaßten Hilfsmittel um sich fortzubewegen; abgesehen davon berichten 90% über ungeschickten / breitbeinigen Gang. 20% tragen Brillen und / oder Hörgeräte.
Neurologische Probleme und Verhaltensauffälligkeiten
 
unsere Umfrage
Umfrage Dr. Carlin (USA)
Probleme mit Kauen, Schlucken Erstickungsanfälle
82 % (davon 60% aktuell)
80%
Selbststimulation und Autismus-ähnliche Verhaltensweisen wie Kopfschlagen, Beißen, ...
89%
>90%
Aggressives Verhalten, verminderte Frustrationsstoleranz, Aufmerksamkeitsprobleme, Hyperaktivität
79 %
vermehren sich mit dem Alter
Anderes
 
unsere Umfrage
Umfrage Dr. Carlin (USA)
Medikamentösen Nur 4 nehmen Psychopharmaka, davon einer gegen epileptische Anfälle; 2x Mittel gegen Verstopfung. Dazu "normale" Medikation wie Antibiotika bei Infektionen, 3 mal werden homöopathische Mittel eingesetzt davon 2 mal gegen syndromtypische Beschwerden / Verhaltensstörungen. 55% brauchen keine Medikamente, 1 Versuch mit Ritalin wird berichtet (nicht hilfreich). Wenige haben Erfolg mit Clonidine, Buspar und Mellaril. 10% nutzen Beruhigungsmittel, überwiegend zur Verhaltenskontrolle
Techniken zur Verhaltensbeeinflussung Unsere Aussagen sind im wesentlichen mit den amerikanischen identisch. Von fast allen wird aber auch gesagt das Verhaltensbeeinflussung eher schwierig / langwierig ist. Die meisten Eltern berichten, daß Ablenkung, Unterbrechung, sofortige Belohnung und strenges Bestehen auf Regeln die erfolgreichsten Methoden zur Verhaltensbeeinflussung sind.
Unterbringung Die Frage ist auch bei uns häufig nicht beantwortet. Allerdings läßt sich aus dem Kontext des Fragebogens häufig erschließen, daß die Kinder zu Hause leben. Nur 4 Kinder leben nicht ständig zu Hause. Die Frage wurde nur von 2/3 der Antwortenden beantwortet. Bei denen die geantwortet haben leben 85% der Kinder auch als Erwachsene zuhause.