Kim wurde am 15.08.88 als zweites Kind einer 24 jährigen Mutter und eines 28 jährigen Vaters geboren. Die Schwangerschaft verlief normal. Kim kam in der 36. Schwangerschaftswoche zur Welt. Das Neugeborene wog bei der Geburt 2560 g. und war 48 cm lang, sie wurde als unausgereift mit einem hohen, celebralen Schrei beschrieben. Die sofort eingeleiteten Chromosomenuntersuchungen bestätigten, daß das Neugeborene am Cri-du-Chat-Syndrom litt.
Sie war häufig betroffen von Infektionen der oberen Atemwege und von Mundschleimhautentzündungen. Der Zahndurchbruch begann mit 4 Monaten und verlief ganz normal. Verdauungsstörungen sind vom 3. Lebensmonat bis ca. 2 Jahre aufgetreten. Das Kopfschlagen, welches mit 1 Jahr begann, hat sich auf Phasen im Bett ( teilweise mehrere Stunden Nachts ) beschränkt.
Kim ist sehr empfindlich gegen laute Maschinengeräusche, Mixer, Bohrmaschinen usw., außerdem mag sie sehr hohe Pfeiftöne nicht.
Bei der Geburt wurde ein Sichelfuß festgestellt, der im Alter von 8 Wochen eingegipst wurde, danach mußte sie eine Schiene tragen und bis zur heutigen Zeit trägt sie Antivarusschuhe.
Im Alter von ca. 6 Jahren wurde eine beginnende Skoliose (seitliche Verbiegung der Wirbelsäule) festgestellt. Es wurde gezielt Krankengymnastik angewandt. Mit 8 Jahren haben wir damit aufgehört, da Kim sich sehr dagegen wehrte und es nicht mehr viel Nutzen brachte. Von mehreren Ärzten wurde mir aber bestätigt, das Kim ihre Skoliose sehr gut ausbalanciere und bis zum heutigen Tag ist keine wesentliche Verschlechterung eingetreten.
Sehr weiter Augenabstand mit der breiten, tiefsitzenden Nasenansatzstelle, einer auffälligen Augenfalte (Epicanthus) und eine auffällige Muskelschlaffheit. Kleine tiefsitzende Ohren, kleiner Kopf, der Umfang betrug bei der Geburt 31 cm, mit 6 Monaten 39 cm und mit 12 Monaten 40 cm. Ihre Körperlänge, in den selben Altersabschnitten, betrug 48 cm, 67 cm und 77 cm. Das runde Gesicht wird im Alter von 3 Jahren sehr schmal, dabei wird der Gaumen hochgewölbt und sehr eng. Dadurch stehen die Schneidezähne vor.
Eine Zusammenfassung von Kims Entwicklung zu bestimmten Lebensaltern finden sie in der Tabelle.
Die Entwicklung in allen Bereichen ist generell langsam und etwas unregelmäßig gewesen, es kam auch vor das sie Rückschritte machte. Besonders in der Sprachentwicklung ist ein sehr langer Stillstand eingetreten.
Kims frühe physische und sensorische Entwicklung wurde ständig gefördert durch variantenreiches Spiel und physische Aktivitäten. Sie bekam reichlich Gelegenheit neue Geschmäcker, Geräusche und Materialien zu erforschen und mit stimulierenden Spielzeugen zu spielen. Eine Frühföderung durch die Lebenshilfe wurde im Alter von 6 Monaten begonnen. Während dies alles relativ früh begann, konnte ich bei der Sprachentwicklung nur sehr mühsam Unterstützung finden. Es wollte keiner mit Kim arbeiten und sie vertrösteten mich immer wieder auf einen späteren Zeitpunkt. Mittlerweile war sie aber schon fast 7 Jahre alt .
Ausschlaggebend war dann, das Kim immer häufiger Gesten und Gebärden benutzte. Dies griff ich auf und mir wurde dann nach einem Beratungsgespräch empfohlen mit Gebärdensprache zu beginnen. Eine große Hürde war es, jemanden zu finden, der mit Kim auf diesem Gebiet mit Kim arbeiten konnte und wollte. Ich hatte das große Glück eine überaus kompetente und auf diesem Gebiet erfahrene liebe Frau zu finden, die es als Herausforderung sah mit Kim zu arbeiten.
Kim lernte die einfachen Gebärden sehr schnell und benutzte sie auch sofort. Leider waren wir aber relativ schnell am Ende, da Kim motorisch nicht in der Lage ist die Gebärden aus zu führen. Wir suchten nach alternativen und fanden Fotos und Bildsymbole um mit ihr zu arbeiten. Heute benutzen wir und Kim Bildsymbole.
Seit ihrem 7 Lebensjahr besucht Kim eine Schule für geistig Behinderte die kooperativ arbeitet. Kim lebte sich sehr schnell ein und ist bei den Kindern sehr beliebt, da sie immer lustig und auch recht robust ist.
Da Kim Musik über alles liebt, habe ich seit dem 5 Lebensjahr versucht eine Musiktherapie mit ihr zu machen, fand aber keinen Ansprechpartner. Jetzt mit 8 Jahren ist es mit gelungen im Kinderzentrum damit zu beginnen. Da die Therapie aber erst relativ kurz läuft, kann ich über Erfolge oder Mißerfolge noch nicht berichten.
Kim liebt es unter Kindern zu sein . Sie geht neugierig auf sie zu. Es ist dabei nur das Problem , das sie zur Kontaktaufnahme an den Haaren zieht, beißt oder kneift. Dies führt immer wieder zu Konflikten, wobei die Kinder damit gut umgehen können, den Erwachsenen fällt dies aber mitunter schwer. Da sie mit zunehmendem Alter auch mehr Kraft hat, muß ständig eine Person bei ihr sein und aufpassen, das sie anderen Kindern, vornehmlich kleineren, nicht zu sehr in die Mangel nimmt.
Andererseits ist sie aber auch sehr schmusig. Wenn man mit ihr schimpft, versucht sie zu schlichten, indem sie Küßchen gibt, uns in den Arm nimmt oder Ei macht. Auch weiß sie, wenn sie etwas Verbotenes getan hat, dann wird sie knallrot und zieht eine Schnute.
Es ist zwar eine schwierige Aufgabe, aber auch eine schöne und befriedigende. Das Kind gibt einen sehr viel zurück. Man muß lernen, nicht zu große Erwartungen zu stellen, dann freut man sich über jeden kleinen Fortschritt der kommt.