Letzte Änderung: 13.09.2008

Tomatis-Musiktherapie

 

Musiktherapie:

Die Behandlung erfolgt in drei Phasen. In der ersten, der sogenannten regressiven (rückschreitenden) Phase, wird das Kind Klangformen ausgesetzt, die seinem rückentwickelten Zustand voll und ganz entsprechen. Sobald wie möglich versucht der/die Therapeut/in, die zweite - kommunikative - Phase einzuleiten, indem er/sie die in der ersten Phase geöffneten Kommunikationskanäle zu einer direkten Kontaktaufnahme nutzt. In der dritten, der integrativen Phase, wird versucht, die zuvor entwickelte Kommunikationsbasis zu erweitern und den Kontakt des Kindes zu seiner Umwelt, vor allem zu seiner Familie, zu fördern (Benenzon, 1983).

Audiovokales Training nach Tomatis:

In vorbereitenden passiven Sitzungen werden dem Kind gefilterte Klangreize vom Tonband über einen Hörsimulator, ein aus Kopfhörer und Vibrator bestehendes "Elektronisches Ohr" vorgespielt. Vorzugsweise verwendet werden dazu Mozartmusik oder die hohen Frequenzen der Mutterstimme, so wie sie bei einem Fötus durch das Fruchtwasser hindurch ankommen. Schrittweise erfolgt dann die Übertragung von gefilterten zu ungefilterten Tönen, entsprechend der (angenommenen) Veränderung des Hörens durch Fruchtwasser gegenüber dem Hören durch Luft. In der darauffolgenden vorsprachlichen Phase werden dem Kind die hohen Frequenzanteile von Musik, Gesang und seine eigene Stimme über Kopfhörer und den Vibrator zugeführt. Falls eine sprachliche Phase erreicht wird, sind Stimm- und Sprechübungen (mit Hilfe von Mikrophon, Kopfhörer und Vibrator) vorgesehen. Auf jeden Fall ist es möglich, mit dem Horchtraining das Interesse an akustischen Reizen zu fördern (Tomatis, 1987).

(Auszug aus S. Berger: Das Cri-du-Chat-Syndrom, Kap. 5.2.3.)


Leserbrief: Die Tomatis Methode

Liebe Eltern,

Bei der Tomatis Therapie handelt es sich um eine Klang oder Musiktherapie, welche ausschließlich auf Musik von Mozart basiert und teilweise von gregorianischer Musik (Kirchenchoräle) untermalt wird. Die Musik ist zwischendurch verzerrt und schrill. Es genügt also nicht, Mozart zu Hause zu hören, dies mag dem Gesunden genügen, nicht aber dem Behinderten.

Tomatis hat in den Kriegsjahren für die französische Regierung geforscht und das elektronische Ohr entwickelt. Er macht sich hier den kybernetischen Kreislauf zwischen Ohr, Gehirn und Kehlkopf zunutze. Besser wird er es wohl in seinen Büchern, "Der Klang des Lebens", oder "Pourquoi (warum) Mozart", beschreiben. Tomatis geht davon aus, dass zahlreiche kindliche Schädigungen bereits im Mutterleib oder während der Geburt entstehen und so wird das Kind zuerst einmal mit der filtrierten Stimme der Mutter in die Fetalperiode zurückversetzt und daran anschließend langsam wieder aufgebaut. Für die Filtration der Mutterstimme liest man eine halbe Stunde aus dem Buch "Der kleine Prinz".

Dass die Tomatis Methode auch bei Chromosomenstörungen wirkt, zeigen die Erfolge bei Kindern mit Down-Syndrom und bei meiner Franziska. Außer den Büchern von Prof. Alfred A. Tomatis und seiner Frau gibt es eine fünfseitige Kurzbeschreibung der Methode.

Wir fahren seit Mai 1992 nach Paris, Franziska war damals 5 Jahre alt. Ich persönlich bin von der Tomatis Therapie überzeugt. Dazu gekommen sind wir durch eine andere Familie mit einem behinderten Kind. Als kurze Zwischenbemerkung: "Es ist ganz wichtig, dass man den Kontakt zu anderen Betroffenen sucht, nur so kann man Neues erfahren. Also, auf die Leute zugehen!"

Nun will ich zu den Erfolgen kommen, die wir durch die Therapie hatten und haben. Schon nach dem ersten Hören hat sich die Körperhaltung von Franziska verbessert, sie hat sich aufgerichtet. Vorher ging sie mit gesenktem Kopf und nach vorn gebeugt. Der schlurfende Trippelschritt, wie er bei alten Leuten manchmal zu sehen ist, verlor sich sehr früh und sie fing an, die Füße zu heben. Heute bereitet es ihr keine Schwierigkeiten, mehr als eine Stunde und länger am Stück zu gehen, sie geht immer noch, wenn ich schon lange müde bin.

Die zu Anfang sehr starken Gleichgewichtsstörungen sind heute fast gänzlich behoben. Allerdings besteht zeitweise noch eine Ataxie. Ein Phänomen ist für mich, dass Franziska in Paris schlagartig nach dem zweiten Tag (bis jetzt immer) zwei oder drei neue Wörter sagt, die sich jedoch teilweise wieder verlieren. Außerdem schläft das Kind durch und wird nur noch selten nachts wach.

Auch bei anderen Behandelten habe ich fantastische Erfolge gesehen. So war zum Beispiel ein zehnjähriger Junge, als ich ihm das zweite Mal begegnete, lammfromm, wogegen er, als ich ihn das erste Mal sah, furchtbar aggressiv war und die Mutter ihn kaum bändigen konnte.

Was ich als äußerst wichtig empfinde ist, dass man die Therapie in Paris beginnt, hier sitzen die eigentlichen Experten, geschulte Psychologen und Tontechniker. Erst wenn hier ein individuelles Programm für das Kind erstellt wurde, sollte man an ein deutsches Institut denken. Es wird immer wieder von Eltern bestätigt, dass die eigentlichen Erfolge in Paris kommen.

Sollten Sie sich nach meiner Schilderung für die Therapie entscheiden, müssen Sie sich im Klaren sein, dass finanziell und zeitlich etwas Gewaltiges auf Sie zukommt. Mit dreimal hinfahren ist es nicht getan. Wie heißt es doch so schön?: "Steter Tropfen höhlt den Stein!"

Man beginnt mit einem Vorgespräch, anschließend 16 Tage Erstbehandlung ca. DM 2000 + Übernachtung (Zimmer für 300 FF = 100 DM) sind selten, + Fahrtkosten und Verpflegung. Anschließend achttägige Behandlungen im Turnus von am Anfang vier bis sechs Wochen, später alle acht Wochen. Nach mehrmaligen Konsultationen reduziert Tomatis auf ca. DM 500 für acht Tage Behandlung. Das Kind hört zwei Stunden am Tag. Trotzdem kommen wir aber noch auf minimal DM 2500 pro Therapie. Paris ist sündhaft teuer, so bezahlt man zum Beispiel für ein kleines Cola im Cafe 22 FF = über 7 DM oder eine Kugel Eis 15 FF= 5 DM.

In den seltensten Fällen bezahlt die Kasse.

Zu Auskünften bin ich gerne bereit, sprich, Hoteladresse, wo isst man gut und preiswert, wo kauft man ein, wie fährt man mit der Metro, wie überwindet man die Sprachschwierigkeiten etc.

Für Franziska und die ganze Familie kann ich nur sagen:

" Paris ist mehr als e i n e Reise wert !"

Herzliche Grüße, Christl

Wer sich für die Therapie interessiert hier einige Adressen.