Letzte Änderung: 13.09.2008

Was noch vor der Therapie kommt

Die Therapien unserer Kinder bestimmen unser Leben. Deshalb lohnt es sich schon gründlich nachzudenken -warum, mit welcher Zielsetzung, wir was mit dem Kind machen. In der Regel werden bestimmte Therapieformen an uns herangetragen. Über Ärzte, Frühförderstellen, über andere betroffene Eltern, über Veröffentlichungen, gelegentlich auch über Sendungen im Fernsehen. Und immer sind die erzielten Erfolge außergewöhnlich, Fehlschläge scheint es nicht zu geben. Und sofort fragen wir uns, ob das nicht auch etwas für unser Kind wäre. Und weiter: sollen wir auch, - sollen wir nicht, was bringt es dem Kind, was kostet es, usw. Wenn wir uns für eine neue Therapie entscheiden, steigt unser Aufwand (und Kosten), entscheiden wir uns dagegen, verpasst das Kind möglicherweise eine Chance. Mit gutem Gewissen und Selbstbewusstsein den eigenen Weg durch diesen Therapie-Dschungel zu finden ist gar nicht einfach.

Im Auge haben wir immer die optimale Entwicklung unseres Kindes - was auch immer das bedeuten mag. Wir kennen in der Zwischenzeit glücklicherweise den groben Rahmen, innerhalb dessen sich die Cri-du-Chat-Kinder entwickeln, ihre Chancen und ihre Schwächen. Doch diese Rahmenbreite ist sehr groß, die individuelle Entwicklung der Kinder - trotz Gemeinsamkeiten - eben doch sehr verschieden. Und diese Verschiedenartigkeit läßt sich derzeit auch nicht genetisch erklären. Und so hoffen wir auf Therapien. Wir hoffen und wollen, dass sich unser Kind an der oberen Skala befindet und wollen alles dafür tun.

Schön wäre es, wenn es einen Leitfaden geben würde - so etwa: wie, unter welchen Voraussetzungen, mit welchen Methoden fördere ich mein Kind optimal mit den besten Ergebnissen. Den gibt's aber nicht. Und so stehen wir allein da mit unserer Suche nach den besten Fördermöglichkeiten.

Bei allen Entscheidungen soll das "Kind als Individuum" betrachtet werden. Mit all seinen gegenwärtigen Fähigkeiten und möglichen Potentialen. "Ganzheitlich" soll die Förderung sein - nicht über-, aber auch nicht unterfordernd. Nur ein Aspekt taucht selten auf bei der Erörterung der Problematik: Wie passt den die angepeilte Therapie in die jeweilige Familie hinein. Wer muss zurückstecken - Geschwister, Ehepartner, Freunde? Und wie steht es mit mir (der Mutter)? Hab nicht auch ich gelegentlich das Recht, meine ureigenen Interessen den Förderungsprogrammen meines Kindes vorzuziehen? - Und das auch noch ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen?

Bemerkung:
Stephan Berger (siehe 5p- Info-Brief 1997/1) hat in seiner Arbeit viele Gedanken zu Fördermaßnahmen für Cri-du-Chat Kinder zusammengefaßt. Insbesondere die psychomotorische und sprachliche Förderung als Zielsetzung nimmt bei ihm breiten Raum ein, ergänzt durch Methoden zur Verhaltensmodifikation. Die drei Bereiche, wo unsere Kinder unbestritten ihre Hauptdefizite haben. Desgleichen werden dort verschiedene weitere Therapieformen (z.B. auch die Tomatis-Therapie) kurz erklärt.