Letzte Änderung: 13.09.2008

Therapeutisches Reiten

5p- Info-Brief 1999/1

 

Die folgenden Ausführungen stammen aus verschiedenen Veröffentlichungen, im wesentlich entnommen aus dem Internet und aus Informationen des Reitvereins Markdorf (Baden).

Es ist keine Erfindung unserer Zeit, das Pferd als "Therapeut" in der Behandlung körperlich und seelisch kranker Menschen einzusetzen. Schon Hippokrates weist auf die heilende Wirkung des Pferderückens hin. Über die Jahrhunderte hinweg gibt es Belege dafür, dass diese Erkenntnis genutzt wurde. Dann aber geriet sie in Vergessenheit. Auf der Suche nach neuen Behandlungsmethoden besann man sich Anfang der 60er Jahre in Deutschland auf das Pferd und erkannte rasch die Vielfalt seiner Einsatzmöglichkeiten.

Das Kuratorium für Therapeutisches Reiten, das bald darauf gegründet wurde, nahm sich vor, die Begeisterung in geordnete Bahnen zu lenken. Sein Fachgremium gliedert die therapeutischen Bereiche nach Schwerpunkten, die sich in ihren Ansätzen überschneiden. Das Gemeinsame aller verschiedenen Therapieformen besteht darin, die heilende Wirkung des Umgangs mit dem Pferd zu nutzen und mit seiner Hilfe Veränderungs- und Heilungsprozesse in Gang zu setzen. 

Auf eine sehr komplexe Art wird beim Therapeutischen Reiten durch wechselnde Bewegungs- und Haltungsbeziehungen zwischen Pferd und Reiter die Körperhaltung des Patienten, die Muskelspannungszustände und reflektorische Bewegungsmuster in mit anderen therapeutischen Maßnahmen in nicht zu erreichender Intensität trainiert, das Körpergefühl wird verbessert. Zudem ergeben sich zwangsläufig psychologische und psychosoziale Auswirkungen, bedingt durch das Erleben einer Gemeinschaft mit einem Tier als Freund und Helfer des Menschen und durch die Notwendigkeit Verantwortung für das Tier zu übernehmen, da die Kinder auch einen Teil der Pflege des Pferdes mit übernehmen müssen.

Der Terminus "Therapeutisches Reiten" gilt als Oberbegriff und beinhaltet die folgenden Bereiche:


Leserbriefe zum Thema "Therapeutisches Reiten"


Hippotherapie

Die HIPPOTHERAPIE entspricht der medizinischen Anwendung des Pferdes im Sinne einer besonderen krankengymnastischen Behandlungsmaßnahme, die ärztlich verordnet und überwacht wird.

Sie ist Bestandteil und Ergänzung eines speziellen krankengymnastischen Behandlungskonzeptes. Dabei werden unter Einsatz besonders ausgebildeter Pferde, bei bestimmten Erkrankungen und Schädigungen des Zentralnervensystems sowie des Stütz- und Bewegungsapparates, Effekte und Wirkungen erzielt, die mit herkömmlichen krankengymnastischen Behandlungsmethoden nicht erreicht werden können.

Der Physiotherapeut führt die Hippotherapie durch. Seine Ausbildung erfolgt in einem aus zwei Abschnitten bestehenden Lehrgang, der vom Deutschen Kuratorium für Therapeutisches Reiten in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Verband für Physiotherapie - Zentralverband der Krankengymnasten e.V. (ZVK), und der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) regelmäßig veranstaltet wird.

Voraussetzungen für die Lehrgangsteilnahme:

Die erfolgreiche Teilnahme an dem Lehrgang wird durch ein Weiterbildungsnachweis / Zeugnis bestätigt.

Zur Seite stehen dem Hippotherapeuten zusätzlich Reitlehrer und Helfer.

Die Hippotherapie erfolgt in der langsamsten und ruhigsten Gangart des Pferdes: im Schritt. Die Wirkprinzipien basieren auf:

Wirkungen der Therapie sind:

Für den optimalen Erfolg werden ca. 2 Therapieanwendungen pro Woche empfohlen, mindestens jedoch 1 mal. Die Behandlungsdauer beträgt dabei ca. 20 Minuten.

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Heilpädagogisches Reiten und Voltigieren

HEILPÄDAGOGISCHES VOLTIGIEREN UND REITEN stellen Maßnahmen dar, die zunehmend in der Pädagogik, in der Psychologie und in bestimmten Bereichen der Psychiatrie Eingang gefunden haben. Sie sind geeignet, bei verhaltensauffälligen, lernbehinderten und geistig behinderten Kindern und Jugendlichen, in der Psychotherapie und bei manchen psychiatrischen Erkrankungen positive Verhaltensänderungen einzuleiten oder zu unterstützen. Wegen seiner besonderen Eigenschaften als natürliches Wesen vermag man mit Hilfe des Pferdes bei sachgemäßem Einsatz häufig bessere Erfolge zu erzielen als mit den herkömmlichen Methoden.

Ziele im HEILPÄDAGOGISCHES REITEN UND VOLTIGIEREN (HPR/V):

HPR/V bietet intensive Schulung der Gesamtmotorik auf dem Pferd in den drei Grundgangarten.

Hier werden Fachkräfte aus dem pädagogischen/psychologischen Bereich tätig (z.B. Pädagogen, Psychologen, Lehrer, Sozialpädagogen, Erzieher, Psychotherapeuten). Die Ausbildung erfolgt in zwei Abschnitten von mindestens je einer Woche.

Voraussetzung für die Lehrgangsteilnahme:

Die erfolgreiche Teilnahme an dem Lehrgang wird durch ein Befähigungsnachweis/Zeugnis bestätigt.

Heilpädagogisches Reiten findet in Heimen, Sonderschulen, psychiatrischen Kliniken und öffentlichen Reitbetrieben immer mehr Anerkennung, da das Bedürfnis offensichtlich sehr groß ist. In England, Holland, Skandinavien, USA ist diese Therapieform längst verbreitet.

Heilpädagogisches Arbeiten mit dem Pferd heißt, einen beschützten Raum anzubieten, in dem Kontakt zwischen Mensch und Pferd stattfinden kann. Der Reittherapeut wirkt hierbei als Vermittler.

Die individuelle Therapie und Förderung steht im Vordergrund. Im spielerischen, ganzheitlichen Umgang mit geschulten Therapiepferden werden gemäß individuellem Therapieplan verschiedene Fähigkeiten und Verhaltensweisen behandelt. Solche Therapieziele sind z.B. Verbesserung des Konzentrations- und Wahrnehmungsvermögens, des Körperbewusstseins, oder die Förderung des emotionalen Gleichgewichts, der Kooperationsbereitschaft und viele Bereiche mehr.

In der Begegnung mit dem Pferd können Grunderfahrungen erlebt werden, die im zwischenmenschlichen Bereich noch nicht, bzw. nicht mehr möglich sind; so z.B.: Aufbau einer Beziehung zum Pferd, das Wesen des Pferdes verstehen und respektieren zu lernen, Versorgung und Pflege des Pferdes, Verantwortung übernehmen, selber führen und geführt werden, Getragenwerden, das Spüren von Wärme und Bewegung, Körperwahrnehmung und Entspannung, das Erleben des Reitens in der freien Natur. Dadurch werden Freude und Erfolgserlebnisse vermittelt, die der Entwicklung eines gesunden Selbstvertrauens sehr entgegenkommen. Diese positiven Beziehungserfahrungen können früher oder später auf andere Menschen und Lebenszusammenhänge übertragen werden.

Auf der körperlichen Ebene ergibt sich der therapeutische Effekt beim Reiten aus dem 3-dimensionalen Schwingungs-Rythmus des Pferderückens. Dieser wird vom der Reiter aufgenommen und sofort umgesetzt, d.h. sowohl das zentrale Nervensystem (z.B. Gleichgewichtssinn), als auch die gesamte Muskulatur (Anspannung, Entspannung) sind zur ständigen Mitarbeit aufgefordert, was sich sehr günstig auf viele Krankheitsbilder auswirkt.

Neben den reiterlichen Spielen und gymnastischen Übungen auf dem Pferderücken ist damit die Kommunikation mit dem Pferd und dem Therapeuten, d.h. das Beobachten, Führen und Pflegen des Pferdes von großer Bedeutung. Besonders therapiemüde Kinder und Jugendliche sprechen auf das gutmütige Tier oft besser an als auf die "auf sie einredenden Erwachsenen". In der Regel wird lange Zeit nicht selbständig geritten, sondern das Pferd wird geführt. So kann sich der Reitende auf sich selbst, auf die ihm gestellte Aufgaben und auf sein momentanes Empfinden konzentrieren. Wer frei und im Gleichgewicht auf dem sich bewegenden Pferd sitzen gelernt hat, kann später mit Zügel in der Hand sicher und "pferdeschonend" Reiten lernen. Selbständiges Reiten kann, muss aber nicht Ziel der Therapie sein.

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Heilpädagogischen Reiten

Einige typische Ziele des Heilpädagogischen Reitens in Stichworten:

Für wen eignet sich Heilpädagogisches Reiten?

Vom Umgang mit geeigneten Pferden und von der rhythmischen, vielseitigen Bewegung des Pferderückens können Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Störungen oder Behinderungen in sehr verschiedenen Bereichen,

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Heilpädagogische Voltigieren

Das Heilpädagogische Voltigieren macht sich das Bedürfnis und die natürliche Freude der Kinder zu Nutze. Sie wollen vom Pferd geliebt werden und es lieben, sich tragen lassen, es streicheln, füttern, pflegen und verwöhnen. Die Kinder müssen sich im Umgang mit einem so großen Tier immer wieder neuen Aufgaben stellen und sie bewältigen.

Das Heilpädagogische Voltigieren ist im Grunde nichts anderes als spielerisches Turnen auf dem Pferd. Behinderte und nicht behinderte Kinder erarbeiten gemeinsam in kleinen Gruppen Übungen in Anlehnung an das sportliche Voltigieren. Gegenseitige Hilfestellung, Erkennen der Schwächen und Stärken des Partners und der Umgang mit ihnen sind unumgänglich, denn nur gemeinsam ist man stark.

Heilpädagogisches Voltigieren gibt es in dieser Form seit fast 30 Jahren und wird für Kinder und Jugendliche mit verschiedenen Defiziten im individuellen und sozialen Bereich angeboten. Über das Medium Pferd sollen Kinder und Jugendliche in unmittelbarer Selbsterfahrung zu positiven Verhaltensänderungen angeregt werden, und ein tragfähigeres Sozialverhalten trainieren können.

Zu dem können hier auch gezielt Defizite im motorischen und kognitivem Bereich angegangen werden.

Zu den Zielgruppen beim heilpädagogischen Voltigieren gehören:

Ziel des Heilpädagogischen Voltigierens ist nicht ein sportlicher Leistungsvergleich, sondern durch vielfältige Erfahrungen beim Voltigieren zur Entwicklung der Persönlichkeit beizutragen, d.h. dem Kind und Jugendlichem zu helfen, seine Wahrnehmungs- und Bewegungsfähigkeit, sowie seine Gedächtnis und Denkleistungen zu verbessern. Durch das Gruppengeschehen soll ein kooperatives Spielverhalten erlernt werden und die Kinder sollen emotional stabiler werden. Das Heilpädagogische Voltigieren kann genauso wie das herkömmliche Voltigieren für einige Kinder eine gute Vorbereitung für ein späteres Reiten lernen bieten. Über das Voltigieren kann einiges an Selbstsicherheit, Leistungsbereitschaft und Durchhaltevermögen erlernt werden, wie das später angebotene Reiten es dann als notwendig voraussetzt.

Der gruppendynamische Prozeß ist beim Voltigieren durch das genaue Beobachten des Anderen, durch das gegenseitige Helfen und durch die vielen Partnerübungen viel intensiver als beim Reiten. Die Kreativität bei der Übungsgestaltung in den Einzeln- bzw. Partnerleistungen nimmt beim Voltigieren einen größeren Raum ein als beim Reiten. Speziell bei Partnerübungen wird ein gewisses Maß an Anpassungs- und Einfühlungsvermögen vorausgesetzt.

Erwähnt sei schließlich noch die intensivere Schulung der Gesamtmotorik auf dem trabenden und galoppierenden Pferd. Sie bewirkt häufig schon recht bald einen Aufbau des Selbstwertgefühls, einen Gewinn an Selbstsicherheit und innerer Ausgeglichenheit.

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Reiten als Sport

BEHINDERTENREITEN und BEHINDERTENVOLTIGIEREN erweitern das Angebot sportlicher Aktivitäten in einer Richtung, die bisher nur Nichtbehinderten zugänglich war. Es hat sich jedoch erwiesen, dass viele behinderte Menschen in der Lage sind, das Reiten zu erlernen und sich reitsportlich zu betätigen. Auch der an den Rollstuhl gefesselte Gehbehinderte gewinnt so "vier gesunde Beine", auf denen er sich frei bewegen kann. Dem blinden Reiter hilft das Pferd mit seinen Augen.

In diesem Bereich unterrichten anerkannte Reitausbilder mit Zusatzqualifikation. Ihre Ausbildung erfolgt in einem aus zwei Abschnitten von mindestens je 8 Tagen Dauer bestehenden Lehrgang, der vom Deutschen Kuratorium für Therapeutisches Reiten in Zusammenarbeit mit der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) durchgeführt wird.

Voraussetzung für die Lehrgangsteilnahme:

Nach erfolgreicher Teilnahme erhält der Teilnehmer eine Lizenz.

Welche Pferde werden zur Therapie eingesetzt?

Die Pferde, die zum Einsatz kommen, werden aufgrund ihres Charakters, ihres Temperamentes und ihrer äußeren Voraussetzungen gezielt für die Therapie ausgewählt und sorgsam auf die Aufgabe vorbereitet. Ausbildung und Erziehung garantieren, dass sowohl Gehorsam und somit größtmögliche Sicherheit gegeben sind als auch ein fein differenziertes Bewegungsangebot gewährleistet ist, das von den Therapeuten gezielt eingesetzt werden kann.

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