Letzte Änderung: 13.09.2008

Castillo Morales Therapie

5p- Info-Brief 1997/4

 

Dr. Rodolfo Castillo Morales ist Rehabilitationsarzt und Leiter des Centro Modelo de Reeducación, Cordoba, Argentinien

 Sein Konzept umfasst die

 (aus: Rodolfo Castillo Morales: Die Orofaziale Regulationstherapie, Pflaum Verlag, München)


Leserbrief: Castillo Morales Seminar

Hallo liebe Mitglieder,

Um meinen Wissensdurst (u.evtl. auch Euren bzw. Ihren) zu stillen, besuchte ich am 8. u. 9. November ein Wochenendseminar zum Castillo-Morales Konzept.

Der Einladung der Lebenshilfe waren rund 220 Personen gefolgt. Anwesend waren Ärzte, Therapeuten, Betreuer und Eltern. Das Seminar wurde durchgeführt von Herrn Dr. Rodolfo Castilles Morales persönlich und Frau Evita Diel. Sie ist Kinderärztin, Physiotherapeutin und Therapeutin nach dem Castillo Morales Konzept am Kinderzentrum Neuwied.

Dr. Castillo-Morales erzählte zuerst über sich und seine Arbeit in Cordoba, Argentinien. Durch langjährige enge Zusammenarbeit mit dem Kinderzentrum München unter der Leitung von Prof. Hellbrügge entstand dort eine Art Zweigstelle des Kinderzentrums Münchens. Dr. Castillo Morales sammelte seine Erfahrungen außer in Argentinien auch in ganz Europa. Hier lernte er auch andere therapeutische Verfahren, z.B. nach Bobath, Voijtha, Petö usw. kennen und verband sie mit seinem Konzept.

In seiner Heimat ist wohl die medizinische Versorgung nicht so optimal wie hier bei uns. Ich glaube aber, daß die Menschen dort dieses Defizit ausgleichen durch Natürlichkeit und durch den Zusammenhalt untereinander. Er erzählt, daß, da den Müttern dort keinerlei Diagnosen über die Behinderung zukommen, diese einfach sagen, daß "ihre Kinder langsamer sind als andere, aber trotzdem zum Ziel kommen werden". Die Armut führt auch dazu, daß die Familien verstärkt auf Hilfsmittel zurückgreifen, die im Haushalt oder in der Natur vorhanden sind. So lernen die behinderten Kinder quasi am Körper der Eltern gehen. Die ganze Familie wird mit einbezogen. Den Eltern in Cordoba wird deutlich gemacht, daß der Schlüssel zum Erfolg nur der sein kann, immer den Menschen zu sehen. Es wird aufgebaut auf dem was er kann um Lebensqualität zu schaffen und zu erhalten.

Durch Dias verdeutlichte uns Dr.Castillo Morales sein Konzept mit der Aufteilung des Körpers in verschiedene "Dreiecke" mit Reaktionszonen, die er durch Druck, Zug und Vibration für seine Therapie vorbereitet. Lernen ist für ihn der Erwerb neuen Verhaltens und er will diese natürliche Reifung unterstützen. Seiner Meinung nach wurde bewiesen, daß Wiederholungen im Lernprozeß sehr wichtig sind. Man sollte auch nie vergessen, die Grundbedürfnisse wie z.B. Hunger und Schlaf, die sozialen Bedürfnisse, z.B. Freude, Liebe, Zuwendung, und die ich-bezogenen Bedürfnisse z.B. die Wertschätzung, zu berücksichtigen. Er ist der Ansicht, daß es von größter Wichtigkeit ist, seine und andere Therapien nur dann einzusetzen, wenn das Kind sie annimmt und akzeptiert. Er sagte, er könne sich nicht vorstellen, daß irgend jemand, egal ob behindert oder nicht, langfristig unter Druck arbeiten kann und dann auch noch erfolgreich ist! Man darf nie vergessen, daß man mit Menschen arbeitet. Und daher nicht nur den Körperteil sieht, der therapiert werden muß. Wie z.B. bei unserem Sohn Christian, der aus orthopädischer Sicht wegen seiner massiven Skolliose 24h ein Korsett tragen soll. Er riet uns, das Korsett tagsüber ein wenig zu lösen. Wörtlich (in gebrochenem Deutsch): "Rücken gesund - Kopf bzw. Kind krank". Er meinte wohl, daß Christian nicht nur aus Rücken besteht.

Bei einer Patientenvorstellung (Down-Kind) konnte er eindrucksvoll zeigen, wie er dem Kind mittels Vibration und Druckmassage am Körper zum Aufstehen verhilft. Er betont, wie wichtig es ist, das Kind in eine aufrechte Position zu bringen, da dadurch u.a. die visuelle Beobachtungsmöglichkeit des Kindes gefördert wird. In diesem Zusammenhang wies er auch darauf hin, wie wichtig die augenärztliche Untersuchung ist, die so früh wie möglich durchgeführt werden sollte, um dem Kind von Anfang an die bestmögliche Förderung zukommen zu lassen.

Fazit für mich: ich hatte keine spezielle Erwartung an dieses Seminar und war überrascht, wieviel ich mit nach Hause nehmen konnte. Dr. Rodolfo Castillo Morales hat mich sehr beeindruckt. Am besten fand ich, daß er die Kinder nicht nach Syndromen einordnet, sondern sich maßgeblich danach orientiert, was das jeweilige Kind schon an Können und Wissen mitbringt!

Leider gab es keine Möglichkeit zu einem persönlichen Gespräch, um die eigenen Probleme und Fragen anbringen zu können. Dennoch hat das Seminr großen Spaß gemacht! Ich hoffe, Euch ein wenig davon "mitgebracht" zu haben.

Wer sich für die Therapie interessiert hier die Adresse der Castillo-Morales Vereinigung e.V.

Maria