Letzte Änderung: 13.09.2008

Zeugnisse

Beispiele für Schulzeugnisse: Benjamin, Bayern, Klasse 1-5

Jörg ist am 6. 10. 89 geboren und ist im Schuljahr 98/99 eingeschult worden. Er besucht eine Lebenshilfeschule in Bayern.

Zeugnis 1. Schuljahr

Benjamin zeigte in den letzten Monaten in seinem Sozialverhalten kaum mehr Auffälligkeiten. Er ist bei seinen Klassenkameraden beliebt, nimmt vor allem zu seinen Mitschülerinnen immer wieder Kontakt auf und schließt sich immer mehr beim gemeinsamen Spiel, vor allem mit Legos, Autos, dem Fußball und an den Spielgeräten im Außenbereich den anderen Kindern an. Bei den Kooperationstreffen mit der 4. Klasse der Grundschule Wunsiedel hat er sich im Rahmen seiner Möglichkeiten an den gemeinsamen Aktivitäten beteiligt und sich unauffällig eingeordnet, verhielt sich den anderen Kindern gegenüber aber eher zurückhaltend. Benjamin kennt den morgendlichen Ablauf und ist von der Anleitung Schritt für Schritt unabhängiger geworden, lässt sich aber gerne noch Tätigkeiten von seinen hilfsbereiten Mitschülerinnen abnehmen, die er selbst ausführen könnte. Im feinmotorischen Bereich ist er allgemein noch auf intensive weitere Förderung angewiesen, er lässt sich aber bei Arbeiten willig anleiten und führt sie mit Handführung aus; kleine Fortschritte in der Handgeschicklichkeit sind erkennbar, z. B. beim Öffnen seiner Schultasche, dem Aus- und Einräumen seiner Stifte, beim Schneiden von Nahrungsmitteln und dem Öffnen von Verpackungen im Rahmen der Zubereitung einfacher Speisen und beim Ausmalen. Im Freispiel mit den anderen Kindern und wenn er sich spontan den Bezugspersonen mitteilen will, spricht er laut und deutlich und kann trotz Auffälligkeiten in seiner Artikulation auch schwierigere Wörter verständlich sagen; wird er aber aufgefordert sich am Unterrichtsgespräch zu beteiligen, werden ihm Fragen gestellt, spricht er immer noch oft nur flüsternd und kaum verständlich. Den Spielgedanken einfacher Regelspiele, z. B. Memory, Domino hat Benjamin erfasst und er zeigt Freude am gemeinsamen Spiel.

Zeugnis 2. Schuljahr

Benjamin ist ein freundlicher Schüler, den so schnell nichts aus der Ruhe bringen kann. In seinem ihm eigenen Tempo nimmt er mit wechselndem Interesse am Gruppen- und Unterrichtsgeschehen teil. Er beobachtet dabei viel lieber, als selbst aktiv zu werden. Dadurch vermeidet er größere Anstrengungen, zu denen er nur dann bereit ist, wenn er direkte individuelle Hilfestellungen, wiederholte Aufforderungen und Nachdruck erhält. Es bleibt weiterhin wesentliche Aufgabe, sein Arbeitsverhalten sowie die grundlegende Leistungsbereitschaft zu verbessern.

Benjamin erfährt in der täglichen Übung von der Zeiteinteilung in Tage, Monate und dem Jahr. Anschaulich (monatlicher Kalenderstreifen), gestalterisch (Monatsbild) und sprachlich (Satzform, Datum) wird Zeiterfahrung angebahnt. Das Erkennen, Verfolgen und Wiedererkennen von Spuren und Formen wird vielfältig geübt. Im Rechnen kann er bis 10 mit Hilfen zählen. Er erkennt die Zahl eins. Bei Mengen kann er feststellen, welche größer und welche kleiner ist. Auf dem Zahlenstrahl erkennt er die erste und letzte Zahl. In Handarbeit wickelt er, mit viel Unterstützung, Pommeln. In Hauswirtschaft kennt er Lebensmittel und Zutaten für die Zubereitung eines frischen Salates. Deren Verarbeitung gelingt nur mit Hilfestellung. Mit Freude beteiligt er sich an den Übungen des Sportunterrichtes.

Zeugnis 3. Schuljahr

Benjamin ist ein ruhiger und zurückhaltender Schüler, der seine Mitschüler/innen und das Geschehen um sich herum intensiv beobachtet. Ihm bleibt zum einen dadurch und zum anderen durch eine gewisse Haltung des Abwartens kaum Zeit, selbst aktiv zu werden. So treten seine eigentlichen Fähigkeiten selten spontan zu Tage, selbst dann nicht, wenn es sich um täglich wiederkehrende Aufgaben handelt, die ihm vertraut sind und die er problemlos bewältigen könnte.

Am Unterrichtsgeschehen beteiligt sich Benjamin mit wechselnder Einsatzbereitschaft. Sein Interesse lässt sich durch Bilder wecken, vor allem dann, wenn es um Geschichten mit und von Tieren geht. Schattenbilder kann er erkennen, unterscheiden und benennen.

Die geometrischen Grundformen Kreis, Dreieck und Viereck hat er kennen gelernt, kann sie benennen, wieder finden und zuordnen.

Im Lernbereich Spielen hat er die Spiele Memory, Domino, Lotto und Kästchenhüpfen kennen gelernt. Mit entsprechenden Hilfsmitteln kann er sie in der Gruppe spielen.

Im Rechnen wird versucht, mittels Würfelzahlen ein Mengenverständnis anzubahnen sowie durch Würfelspiele das Einhalten von Reihenfolgen und das Üben von Zuordnungen zu erreichen.

Im Sport hat er Freude an der Bewegung und beteiligt sich an allen Aufgabenstellungen. Im Umgang mit dem Ball ist er sicherer beim Rollen, Prellen und Werfen geworden. Das Fangen gelingt selten, da er dem Ball noch ausweicht.

Benjamin rückt zum Beginn des Schuljahres 2001/2002 in die Mittelstufe vor.

Zeugnis 4. Schuljahr

Benjamin ist ein ruhiger und sehr zurückhaltender Schüler, der sich gut im Klassenverband zurechtfindet. Durch seine langen und genauen Beobachtungsphasen von Geschehnissen wird er nur gelegentlich und nach Aufforderungen selbst aktiv. Seine Aufgaben für die Klasse erledigt er immer zuverlässiger. Am Unterrichtsgeschehen beteiligt er sich häufiger und ausdauernder. Benjamin kennt die Ziffern 1 - 3 und kann die entsprechende Menge zuordnen. Seine Vorliebe wird hier bei dem Geldzählspiel des Dagobert Duck deutlich. Im Sportunterricht bemüht er sich aktiv zu werden und zeigt auch eine gewisse Ausdauer. An Übungen zur Koordinierung von Bewegungsabläufen ist er interessiert und macht mit individueller Unterstützung mit. Im Umgang mit dem Ball ist er insgesamt sicherer geworden (Rollen, zielgerichtetes Werfen, Prellen und Fangen). Motiviert hat er die musikalische Erzählung "Peter und der Wolf" kennen gelernt. Er kann die Geschichte mit Hilfe eines Bilderbuches nacherzählen und hat bei der szenischen Umsetzung aktiv mitgewirkt, wobei er eine Vorliebe für die Rolle des Großvaters entwickelt hat. Im Bereich der Selbstversorgung hat er Fortschritte gemacht, so dass es ihm zusehends besser gelingt sich selbständig an- bzw. auszuziehen, wenn er genügend Zeit und Ruhe dazu hat. In Hauswirtschaft hat Benjamin das Schneiden von Obst und Gemüse gelernt und kann dies mit Hilfestellung durchführen.

Zeugnis 5. Schuljahr

Benjamin ist ein stets gutgelaunter Schüler, der sich gerne mit dem ihm zur Verfügung stehenden Wortschatz mitteilt. Er geht kontaktfreudig auf andere zu und ist besonders an kleinen Rollenspielen interessiert (z.B. Arzt und Patient). Im Laufe des Schuljahres konnte Benjamin seine Aufmerksamkeit auf den Unterrichtsgegenstand und die Ausdauer bei der Bearbeitung von Aufgaben steigern. Die Förderung der Selbständigkeit beim Ankleiden und in der Selbstversorgung (Tisch decken, Essen nehmen, Essen zerkleinern, Körperpflege) sollten weiterhin verfolgt werden.

Im Lese- und Schreibunterricht zeigte Benjamin großes Interesse am Erlernen neuer Buchstaben. Er erkennt die Großbuchstaben A, M, L und 1 meist sicher und wendet dies mit großer Freude in seiner Umgebung an (z.B. das Wiedererkennen der Buchstaben auf Plakaten oder Straßenschildern). Zur Benennung der Buchstaben verwendet er nur teilweise die Einzellaute. Überwiegend bezeichnet er sie mit den Hilfswörtern (M -~ Mama; A -~ Ameise Ama; L -* Löwe Lila; I -~ Igelin Ili). Beim Schreiben sollte weiterhin auf eine korrekte Stifthaltung und richtigen Druck geachtet werden. Spuren schreiben und die Einhaltung von Begrenzungen bei großformatigen Vorlagen gelingt Benjamin mit Einschränkungen.

Im Werkunterricht hat Benjamin eine Blockhütte aus Holzleisten und Sperrholz hergestellt und dabei das Schleifen von Holz, das Spannen und das genaue Zusammenleimen von Einzelteilen kennen gelernt. Mit Hilfestellung führte er alle Arbeiten gut durch.

Im Hauswirtschaftsunterricht benennt Benjamin die Zutaten für Wurstsalate und deckt mit Hilfestellung den Tisch für seine Mitschüler.

Bei der Vorbereitung auf das Schullandheim in Nürnberg wurde das Thema Zoo behandelt mit den Zielsetzungen: Benennen verschiedener Zootiere mit Namen, verschiedene Geschichten von Zootieren hören und die Gestaltung eines kleinen Zoos mit Natur-Materialien und Knete. Benjamin konnte dabei sein für ihn großes Wissen über Tiere unter Beweis stellen, Im Schullandheim selbst wurde Benjamins übergroße Lebensfreude deutlich. Besonders der Besuch im Zoo faszinierte ihn und seine große Zuneigung zu Tieren wurde deutlich.

Zeugnis 6. Schuljahr

Benjamin kommt gern zur Schule und in die ihm vertraute Klassengemeinschaft. Er mag seine Mitschülerlnnen und pflegt humorvolle und in der Regel anteilnehmende Beziehungen zu ihnen. Mitunter neigt er dabei allerdings zum Übermut und ist sich der Grenzen im gegenseitigen Umgang nicht ausreichend bewusst. Der Schüler ist grundsätzlich in der Lage, den an ihn gestellten Anforderungen im Unterricht nachzukommen. Bei den ihn besonders interessierenden Inhalten gelingt ihm das auch angemessen. Häufig bedarf er aber noch der Hilfestellung, um eine Aufgabe vollständig, kontinuierlich und ordentlich zu erledigen.

Mathematik: Benjamin hat sich im Teilbereich Geometrie mit den geometrischen Flächenformen Kreis, Dreieck und Viereck auseinandergesetzt. Er benennt diese eindeutig, kann variierende Formen richtig zuordnen und diese Grundformen unter anderen gut herausfinden. Der Schüler ordnete verschiedenste Alltagsgegenstände nach diesen Formen recht sicher und bemühte sich sehr darum, diese deutlich zu benennen.

Sachunterricht: Im projektorientierten Unterricht „Wir forschen- Experimente mit Pflanzen" hat Benjamin durch Experimente und deren Auswertung mit großer Freude und Motivation Kenntnisse und Fähigkeiten über die Keimung und die Pflege von Pflanzen erworben. Er bemühte sich, die Experimente exakt und konzentriert durchzuführen. Die festgelegten Ordnungsformen und Vorgehensweisen beim Experimentieren hielt er gut ein. Auch die länger andauernden Aufgaben wie die Beet- und Experimentpflege führte er zunehmend engagiert durch.

Religion: Benjamin lernte verschiedene Erzählungen aus dem Leben Jesu kennen. Anhand von ausgewählten Anschauungsmaterialien ist er in der Lage, diese Geschichten wiederzuerkennen.

Hauswirtschaft: Benjamin zeigte seine Freude am Erkunden, Ausprobieren und Scheiden von Obst, Gemüse und Gewürzen. Gern übernahm er kleinere Aufträge zur Zubereitung des wöchentlichen Klassenfrühstücks. Hier bedurfte er allerdings noch der vermehrten Unterstützung und Hilfestellung.