Michael (14 Jahre alt) besucht eine private Schule zur individuellen Lebensbewältigung, Träger der Schule ist die Caritas.
Der temperamentvolle Schüler bemüht sich mitunter sehr, sein insgesamt noch recht instabiles Verhalten besser zu steuern. Das Leben und Lernen in einer Gruppe strengt ihn sehr an, immer wieder signalisiert er z.B. durch aggressives und störendes Verhalten, dass er Rückzugsmöglichkeiten wünscht und braucht. Gegenüber den Erwachsenen zeigt er sich zwar freundlich und aufgeschlossen, neigt aber immer wieder auch dazu, sie zu provozieren und seine Grenzen auszuloten.
Im Unterricht lässt er sich durchaus zu Aufmerksamkeit und Mitarbeit motivieren. Größeren Eifer entwickelt er aber vor allem in Situationen der Einzelförderung. Er ist dann sehr interessiert an Büchern, deren Inhalt er versteht und auszudrücken versucht. Gerne beschäftigt sich Michael mit Arbeitsblättern, auf denen er ausdauernd malt und kritzelt. Mit Hilfestellung arbeitet er zeitweise konzentriert und ausdauernd. Erfolgserlebnisse und Lob helfen ihm sehr, seine Leistungsmotivation zu stärken.
Der Sachunterricht hat sich hauptsächlich mit dem Thema Mein Körper beschäftigt. Michael hat sich die Bezeichnungen wichtiger Körperteile gut gemerkt. Er kann sie an sich selbst, aber auch auf Bildern zeigen. Immer besser gelingt es ihm, vorgemachte Bewegungen zu imitieren.
Wichtige Körpererfahrungen sammelt er bei Bewegungsangeboten wie Turnen, Schaukeln und Tanzen sowie beim Pedalo-Fahren und bei lebenspraktischen Übungen, die auf mehr Selbständigkeit im Bereich der Körperpflege zielen (z.B. Duschen im Therapiebad).
Michael macht beim Sortieren von Gegenständen nach Farbe und Form sehr eifrig mit. Er kann Mengen mit bis zu drei Elementen erfassen und den entsprechenden Zahlen zuordnen. Besondere Freude bereitet Michael die Musik. Insbesondere die Gitarre löst bei ihm wahre Begeisterung aus. Sehr schön beteiligt er sich beim Singen sowie bei Spielliedern und Tanzspielen und sammelt dabei auch wertvolle Erfahrungen im konfliktfreien Umgang mit anderen Kindern.
Der freundliche Schüler konnte sein Verhalten zunehmend stabilisieren und an emotionaler Ausgeglichenheit gewinnen. Von gelegentlichen Ausrutschern abgesehen, wurden seine Aggressionen gegen sich selbst oder andere doch in erfreulichem Maße seltener. Immer wieder schaffte er es, in angemessener Weise Kontakt zu anderen aufzunehmen, wobei er sich in erster Linie an den erwachsenen Bezugspersonen orientierte.
Vor allem in Einzelsituationen beschäftigte er sich ausdauernder mit den angebotenen Materialien; doch auch im Klassenunterricht konnte er immer länger ruhig und aufmerksam teilnehmen. Sehr erfreulich war, dass er wiederkehrende Aufgaben mit zunehmender Selbstverständlichkeit bewältigte.
Im Sachunterricht widmete sich Michael eingehend den Thema Bauernhof. Er lernte viele Tiere, Erzeugnisse und Tätigkeiten der Landwirtschaft kennen und sammelte grundlegende Erfahrungen bei einer Hofbesichtigung. Großen Eifer entwickelte er dabei, Tierstimmen zu unterscheiden und nachzuahmen. Desweiteren beteiligt er sich engagiert bei der Zubereitung einfacher Milch- und Eierspeisen. Im Bereich der Lebenspraxis übte Michael verschiedene Alltagsfertigkeiten (z.B. Umkleiden an der Garderobe oder im Schwimmbad, angemessenes Verhalten beim Essen usw.) und erreichte dabei in Ansätzen eine gewisse Selbständigkeit.
Gerne machte Michael bei der Spieltherapie mit. Vor allem in phantasievoll gestalteten Rollenspielen trainierte er, Ängste (z.B. vor dem Arzt oder vor Unfällen) abzubauen und in Konfliktsituationen gelassener zu reagieren. Neuerdings spielte er mit Vorliebe die Rolle eines Popsängers, die er ausdrucksstark darstellen konnte.
Im Sportunterricht konnte Michael seine Bewegungsabläufe zunehmend ausgeglichener gestalten und im Umgang mit den Sportgeräten mehr Sicherheit entwickeln. So erzielte er vor allem beim Werfen und Fangen unterschiedlicher Bälle recht ansehnliche Fortschritte.
Michael ist ein munterer Bub, der zur Zeit erfreuliche Aufnahmebereitschaft und Aufgeschlossenheit für schulische Dinge entwickelt. Seinen Mitschülern wendet er sich in zunehmend positiver Weise zu; auch sein Umgang mit erwachsenen Bezugspersonen wird immer vertrauensvoller und kameradschaftlicher. Es gelingt ihm schon recht gut, einfache Aufgaben relativ selbständig auszuführen. Auch seine Fähigkeit, Frustrationen zu ertragen, hat Michael merklich gesteigert, wobei ihm vor allem kleine körperliche Zuwendungen helfen, sich rasch zu beruhigen. Mit seinen Arbeitsmaterialien geht er inzwischen sehr viel schonender um. Er kann im Klassenunterricht immer besser und ausdauernder mitmachen und wachsende lernmotivation beweisen....
Im lebenspraktischen Bereich hat er vor allem sein Tischverhalten in lobenswerter Weise verbessert und seine Tendenz, Tassen und Teller auszukippen oder zu werfen, fast völlig abgelegt. Äußerst beachtlich ist das Interesse, mit dem Michael neuerdings den Leselehrgang im Klassenverband verfolgt. Er hat schon einige Buchstaben gelernt, die er mit Hilfe der Lautmerkbewegungen auch recht sicher unterscheidet. Schreibübungen erledigt. Schreibübungen erledigt Michael mit großer Ausdauer, wobei es ihm auch keine Probleme bereitet, notwendige Hilfestellungen bis hin zur Handführung bereitwillig zu akzeptieren. Im mathematischen Bereich gelingt es dem Schüler schon recht gut, im Bereich bis drei zu zählen, Ziffern zu lesen und sogar Mengen simultan zu erfassen.
Michael baute seine guten Beziehungen zu Mitschülern und erwachsenen Bezugspersonen mehr und mehr aus. Kleinere Konflikte und Misserfolgserlebnisse konnte er mit wachsender Gelassenheit bewältigen. Klare Grenzen und kameradschaftliche Zuwendung waren ihm eine große Hilfe, um sich positive Verhaltensweisen immer stabiler anzueignen. Zunehmende Selbständigkeit entwickelte er beim Umziehen an der Garderobe. Er beteiligte sich am Unterrichtsgespräch immer öfter mit passenden Beiträgen. Auf Nachfragen, wenn er nicht sofort verstanden wurde, reagierte er immer weniger empfindlich. ... Der Schullandheimaufenthalt beeindruckte Michael sehr. Gerne machte er alle möglichen Unternehmungen in der Gemeinschaft seiner Klasse mit. sehr lobenswerte Fortschritte erzielte Michael beim lesen und Schreiben. Unterstützt durch fleißiges Üben zu Hause schaffte er es, immer mehr Buchstaben erstaunlich sicher zu unterscheiden. ... Im Sportunterricht konnte Michel seine Körperkoordination beim Schaukeln und an den Ringen deutlich verbessern und sogar schon den schwierigen Beidbeinsprung auf dem Trampolin erlernen.
Die neue Klassenzusammensetzung ist für Michael eine große Herausforderung. Er zeigt häufig unkontrolliertes und zunehmend aggressives Verhalten. Spezielle Beschäftigungsangebote und Entspannungsübungen bringen für ihn nicht ausreichend Erleichterung. Zeitweilig erfreut Michael durch rege Mitarbeit und angemessene Ausführung von Aufgaben und Handlungsabläufen. Seine Hausaufgaben erledigt er gewissenhaft und zeigt sie mit Stolz vor. Die wöchentlich wechselnden Arbeiten für die Klasse übernimmt er bereitwillig und mit wachsendem Selbstbewusstsein. Er arbeitet gerne am PC mit Lernprogrammen und führt die Aufgaben weitgehend selbständig aus.
Im zweiten Halbjahr war Michael deutlich gelassener und entspannter und beteiligte sich meist motiviert am Unterricht. Sehr wichtig war ihm das Erzählen vom Wochenende, wobei er auch gerne flunkerte und sich freute, wenn er "ertappt" wurde. er hat große Fortschritte dabei gemacht, Gefühle wie Freude, Angst, Ärger in adäquater Form auszudrücken. Das Angebot, "Ärger" in den "Wutkorb" zu werfen und den gefüllten Korb im Garten zu entleeren, hat er sehr gerne angenommen und auch spontan angewandt. Michael bearbeitete im Leseunterricht Arbeitsblätter weitgehend selbständig, indem er Wortkarten ausschnitt, den entsprechenden Bildern zuordnete und aufklebte. Das Verbinden von Anlauten und Bildern war eine beliebte Aufgabe, die er am PC löste. Begeisterung zeigte er beim Erlernen von Gedichten, die er mit Bewegung und Gesten unterstreichen konnte. Michael ordnet die Zahlenreihe bis 5 und verband Mengenbilder und Ziffern bis 6.
Michael ist meist freundlich und motiviert. Er wird von seinen Mitschülern akzeptiert und hält sowohl Gruppen- als auch Partner- und Einzelsituationen gut aus. Manchmal benötigt er etwas Abstand zur Gruppe, den er mit Hilfe seiner Individualbetreuerin bekommt. Insgesamt sind diese Situationen aber seltener geworden. Er hat verschiedene Tätigkeiten gefunden, die ihm Spaß machen und kann diese dann ausdauernd ausführen. Er verkraftet es inzwischen besser, auf etwas warten zu müssen. Das musikalische Märchen "Peter und der Wolf" begeistert ihn sehr. Beim Spiel mit Orffinstrumenten hält er sich an den Einsatz und Schluss und versucht die Stäbe mit dem Schläger zu treffen (er spielt einhändig).