Letzte Änderung: 13.09.2008

Kindergarten

Beispiele für Schulzeugnisse: Robin, Klasse 4

Entwicklungsbericht über Robin (9 Jahre)

Robin ist im vierten Schulbesuchsjahr und wird in einer Mittelstufenklasse mit fünf weiteren Schülerinnen und Schülern unterrichtet. Die Klassenzusammensetzung ist seit vier Jahren relativ konstant; zum Schuljahresbeginn hat sich jedoch das Team der unterrichtenden und betreuenden Erwachsenen komplett verändert.

Mit dieser Veränderung hinsichtlich der erwachsenen Bezugspersonen ist Robin von Anfang an gut zu Recht gekommen. Er geht recht offen und interessiert auf neue Menschen zu. Nach wie vor nicht unproblematisch ist die Beziehung zu seinen Mitschülerinnen und Mitschülern. Oftmals werden Robins Formen der Kontaktaufnahme (z. B. die Haare berühren, jemanden „knuffen“ etc.) von seinen Klassenkameraden als Angriffe missgedeutet und es ergeben sich hieraus Rangeleien, denen Robin dann meist nicht mehr gewachsen ist. Ebenso fällt es ihm aber auch schwer, den Moment zu erkennen und anzunehmen, wenn es seinen Mitschülern zu viel wird und er gebeten wird aufzuhören. Meist ist bei solchen Konflikten noch ein Eingreifen eines Erwachsenen notwendig. In letzter Zeit nimmt er diesbezügliche Lenkungen aber bereitwilliger an und immer öfter finden Situationen, die noch zuvor in Streit oder Tränen endeten, einen harmonischen Abschluss.

Gruppenregeln wie Abwarten, Zuhören, Sich Melden, Sich Abwechseln etc. kennt Robin; es fällt ihm aber oft noch schwer, diese auch über einen längeren Zeitraum einzuhalten. Besonders problematisch ist es für ihn, abzuwarten und dann den Moment entsprechend zu nutzen, wenn er dran ist. Oftmals schein er hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch an der Reihe zu sein einerseits und Hemmungen andererseits. Frustrationsverhalten wie Spucken, Treten, Weglaufen sind nach wie vor vorhanden, wechseln sich immer öfter aber auch schon ab mit Momenten, in denen er es entweder schafft, spontan auf Aufforderung zu reagieren, oder aber noch eine „Runde“ abwarten kann.

Robin ist an allem interessiert, was im weitesten Sinne mit Technik und Verkehr zu tun hat. Mit Inhalten, die seine Begeisterung geweckt haben, kann er sich recht lange und ausdauernd beschäftigen. Hierzu zählen das Betrachten von Bilderbüchern, das Ausmalen, die Arbeit mit Lerntrainern entsprechenden Inhalts und der Umgang mit dem PC. Auch auf Bastelangebote lässt er sich meist gerne ein. Auf Arbeitsaufträge, die nicht so spontan sein Interesse wecken, reagiert er jedoch mit zum Teil recht lang anhaltendem und lautstarkem Protest. Mit entsprechendem Feingefühl ist es in letzter Zeit aber immer häufiger möglich, ihn letztlich doch zur Mitarbeit zu „überreden“.

Robin hat einen recht umfangreichen passiven Wortschatz, er versteht auch komplexere sprachliche Anforderungen und besitzt ein grundsätzliches Verständnis für Anspielungen und Humor. Ganz deutliche Fortschritte machen sich hinsichtlich seiner aktiven Sprache und seines Mitteilungsbedürfnisses bemerkbar. Robin zeigt sich sehr interessiert am Erlernen neuer Wörter und erweitert damit seinen Wortschatz kontinuierlich. So fragt er beispielsweise gezielt nach, wie manche Dinge heißen und bemüht sich um ein genaues Nachsprechen. Über die geläufigen Zwei- bis Dreiwortsätze gelingen ihm stellenweise auch schon komplexere Satzbauten. Lieder oder Singspiele, die ihm gefallen, kann er zum Teil komplett wiedergeben oder aber er vervollständigt angefangene Zeilen. Vor allem aber hat er begonnen, von sich aus zu berichten, Wünsche zu artikulieren und in einen Dialog zu treten. So ist er meist einer der ersten, der montags von seinem Wochenende erzählen möchte. Wie Rücksprachen mit der Familie bestätigen, stimmen zahlreiche seiner Äußerungen mit tatsächlich Erlebtem überein.

Natali G. (Klassenlehrerin)