Letzte Änderung: 13.09.2008

Montessori Schule

5p- Info-Brief 1998/2

Leserbrief: Montessori

Die Vorteile der integrativen Schulform, verbunden mit der Montessori-Pädagogik, haben eine unserer Mitgliedsfamilien (ihr Sohn heißt Luca) bewogen, zusammen mit anderen Familien, den dornigen Weg einer Schulneugründung zu gehen. Ihr Motto: "Wir kämpfen für die Integration, um so der Gefahr einer Isolierung und Gefangenschaft in einer Sonderwelt entgegenzuwirken!".

Wir haben sie gebeten, uns etwas über dieses Projekt mitzuteilen.


Hallo,

Noch am selben Abend hab ich mich an die "Arbeit" gemacht, um ihnen diese Informationen zu geben für den Info-Brief. In dem beiliegenden Faltblatt (s.u.) steht einiges über unsere Motivation für die Montessori-Schule. Entscheidend waren die positiven Erfahrungen mit Luca im Montessori-Kinderhaus, das er seit 3 Jahren besucht. Aber auch die faszinierende Entwicklung der Nichtbehinderten in dieser Einrichtung, in der 35 Kinder von 0 bis 14 Jahren (davon 5 Behinderte) gemeinsam leben. Natürlich streben wir auch für unsere nichtbehinderte Tochter Lilly den Besuch im Kinderhaus, sowie in der Montessori-Schule an.

Nun ist es sehr schwierig, etwas über die Montessori-Pädagogik in zwei Sätzen zu berichten. Ich gebe im folgenden einen kurzen Steckbrief über Maria Montessori, die sozusagen die "Urmutter" dieser Pädagogik darstellt. Fürs erste hoffe ich, Ihnen damit einen Einblick in unsere Bestrebungen gegeben zu haben. Interessenten kann ich nur empfehlen, sich Literatur zu besorgen und etwas von der Begeisterung mitzunehmen.

Maria Montessori

Im Jahr 1870 geboren und als erste Frau Italiens 1896 zum Medizinstudium zugelassen, kam Maria Montessori als Ärztin über die Beschäftigung mit geistig behinderten Kindern zur Pädagogik. Die sensationellen Lernerfolge, die sie durch den Einsatz ihres selbst entwickelten didaktischen Materials bei behinderten Kindern erzielte, ermutigten sie, diese Materialien auch bei gesunden Kindern einzusetzen. Die überzeugenden Ergebnisse veranlassten sie, 1907 das erste sogenannte Kinderhaus - eine Art Kindergarten - in einem Elendsviertel in Rom zu gründen. In ihrer Liebe zu den Kindern hat sie ihnen Lebensräume geschaffen, in denen sie gleichzeitig zu integrierten Persönlichkeiten und zu mündigen Bürgern der demokratischen Gesellschaft heranwachsen können.

Die Vielzahl heute existierender Einrichtungen der Montessori-Pädagogik sind längst keine vagen Experimente mehr, sondern bewährte Erziehungsstätten, in denen Kinder und Lehrer voller Freude miteinander und voneinander lernen.

Aus dem Faltblatt der "Integrativen Montessori-Schule Sasbach e.V.":

Wie lernen die Kinder?

Die Kinder finden für das Lernen eine vorbereitete Umgebung vor. Die speziellen Materialien helfen den Kindern, den Lernstoff zu "Begreifen".

Förderung der Einheit von Kopf und Hand, freie Wahl der Tätigkeit, des Arbeitstempos, der Anzahl der Wiederholungen einer Übung. Dies hilft den Kindern, den Gebrauch von Freiheit zu üben.

Die Notwendigkeit gegenseitigen Helfens wirkt übertriebenem Konkurrenzdenken entgegen.

Die Integration von Behinderten in die Schulklasse ist ein wesentliches Element des sozialen Lernens.

Der vermittelte Lehrstoff der Schule entspricht den Rahmenrichtlinien Baden-Württembergs. Den Kindern stehen alle Möglichkeiten des dreigliedrigen Schulsystems offen.

 

Warum ist die Integration Behinderter so wichtig?

Soziales Lernen: Durch die Integration behinderter Kinder in eine Klasse ergeben sich ganz neue Möglichkeiten, durch tägliche gegenseitige Hilfe den selbstverständlichen Umgang mit behinderten Mitschülerinnen zu erleben. .. Menschen mit solchen Erfahrungen können den Gefahren unserer Zivilisation wie Ausgrenzung, Selbstisolation und Vereinsamung besser gegensteuern.

Auch die behinderten Kinder orientieren sich an dem Verhalten der anderen und lernen auf diese Weise. .. eine ganz natürliche Förderung, die sich ungemein positiv auf ihre Entwicklung auswirkt.

Lucas Mutter Conny (1998)