Elternbericht: Kim und Sina in einer Kooperativen Schule in Bremen
Kim geht in die 3. Klasse und Sina in die 6. Klasse, beide werden kooperativ in Bremen beschult. Dies bedeutet hier, dass jeweils 5 geistig behinderte Kinder mit 2 Klassenlehrern/innen eine Klasse bilden. Es gibt in Bremen mehrere Schulstandorte, an denen unsere Kinder an Grundschulen und Sekundarstufe 1 beschult werden. Sie haben einen großen eigenen Klassenraum, der mit einer Küchenzeile ausgestattet ist, einen Differenzierungsraum und eigene sanitäre Anlagen.
Die Kooperation findet statt mit der Parallelklasse der jeweiligen Grundschule/Sekundarstufe 1. Es ist von Standort und Lehrern abhängig, wie oft und wie Kooperation aussieht, d.h., wie oft und in welcher Form ein gemeinsamer Unterricht stattfindet. In der Regel ist dies 2 3 mal die Woche, es kann aber durchaus auch täglich sein. Hauptsächlich wird in praktischen Fächern, wie Sport, Musik, Kunst und Werken/Handarbeit kooperiert.
Gemeinsame Ausflüge und Schullandheimfahrten gehören dazu.
Für unsere Kinder ist der gemeinsame Unterricht sehr wichtig, da sie durch Nachahmen und Abgucken sehr viel lernen. Auch die Regelschüler lernen: vor allem Rücksicht zu nehmen und Hilfsbereitschaft. Es ist erstaunlich, wie unkompliziert die Regelschüler mit unseren Kindern umgehen. Da Kim sehr fröhlich ist und über jeden Quatsch lachen kann folgt ihr meist eine ganze Kinderschar.
In den Stunden, in denen unsere Kinder alleine Unterricht haben, werden lebenspraktische Dinge wie z.B. Toilettentraining, An- und Ausziehen, Tischdecken usw. geübt. Natürlich wird auch Lesen, Schreiben und Zählen vermittelt.
Als nachteilig bei unserer Kooperationsform empfinden wir, dass in der Schule keinerlei Therapien durchgeführt werden. Außerdem haben unsere Kinder, wie die Regelschüler, nur Unterricht von ca. 8.00 12.00 Uhr in den Grundschulen, bzw. von ca. 8.00 - 13.00 Uhr in der Sekundarstufe.
Aber für uns überwiegen die Vorteile, da nichts besser ist, als das "normale Leben" für unsere Kinder. Nur so haben sie die Möglichkeit in die Gemeinschaft eingegliedert zu werden.
Kims Mutter Ute (1998)
Unsere 5 behinderten Kinder werden sehr gut von den "gesunden Kindern" angenommen, mit denen sie zeitweise zusammen arbeiten. Dieses findet aber nur 2 mal in der Woche statt. Dienstag ist Musik für alle, Mittwoch gehen unsere 5 zum Schwimmen zum Wandrahm. Donnerstag ist wider zusammen Technisches Werken für 3 Kinder von uns und Textiles Gestalten für 2 Kinder mit der Partnerklasse zusammen.
Es entstehen kleine Vasen, Tiere, Schalen u.s.w. aus Tonware, welche dann noch bemalt werden. Je nach Art der Behinderung macht es das Kind alleine, oder mit Handanleitung vom Lehrer.
Die Kinder der Partnerklasse sind sehr um unsere Kinder bemüht, helfen wo es eben geht, damit unsere Kinder besser zurecht kommen.
Sinas Mutter (1998)