Für den Infobrief 2009 hatte die Redaktion um Leserbriefe gebeten in denene Erfahrungen zum Thema "Integration" geschildert werden.
Bericht aus dem integrativen Waldorfkinderhaus
Unser Schmetterling
Wo ist Leilani? Mal hier mal da, meist leise, unbemerkt begibt sie sich von einer zur anderen Attraktion. Sie mischt sich immer munter ins Treiben . Vor allem, wo Bewegung ist, da ist sie auch. Mal stört es die anderen Kinder, weil sie freilich nicht sehr umsichtig ist – geradezu rücksichtslos, mal darf sie sich mit ins Vergnügen stürzen. Dabei kann sie so manches einstecken – da muss es Geschwister geben. Da sie noch nicht so standhaft ist wie ihre Altersgenossen, muss darauf geachtet werden, dass sie nicht zu heftige Schubser abbekommt. In vielen Momenten muss der Erwachsene ihr seine Umsicht "leihen", damit es zu einem sinnvollen Mitspielen kommt.

Femme fatale und Adlerauge
Als das freie Laufen begann mussten wir eine Menge Dinge umräumen, die nicht in ihrer Erreichbarkeit sein sollten (Blumentöpfe, Geschirr, Nähkorb....), und das selbstverständliche Abstellen von Schüsseln mit irgendwie Essbarem ging nicht mehr. Andere Gegenstände hingegen müssen eben unter ihrer Art auszuräumen und abzulegen leiden, schließlich soll sie ja vieles hantierend kennen lernen dürfen. Ab und zu gibt es noch den Ruf eines Kindes "Frau. X, die Leilani!". Immerhin hält Leilani meistens inne, wenn wir sie anrufen, und schaut mit (meistens!) unschuldigem Blick: "Was ist?" Dann ist es möglich mit ihr gemeinsam den behutsamen Umgang durchzuführen.

Mitgemacht
Durch den Tageslauf wird sie mit leichter Hand, vielen Ritualen und Gewohnheiten, sowie mit einigen Schlüsselwörtern geführt und fügt sich damit gut ein. "Hände waschen", und sie biegt rechts ab, "Essen": gezieltes Gehen zum Platz, "Wo sind deine Schuhe?" und sie holt sie oder setzt sich zum Anziehen bereit. Na ja, klappt nicht immer! Sie isst sehr gerne, hat ihren festen Platz und die immer gleiche liebe Begleiterin beim Essen, die darauf achtet, dass Leilani nicht binnen Sekunden alles verschlungen hat. Ist das Essen beendet, weil ihr Teller weg geschoben wird, freut sie sich schon auf das Händereichen mit den Nachbarn beim Danken.

In den Kreis- und Gruppenspielen hat sie ihren festen Platz durch den eigenen Hocker, der ihre eine gute räumliche Orientierung gibt .Das Spielgeschehen in der Mitte verfolgt sie meist mit Spaß und Aufmerksamkeit. Auch bei Geschichten bleibt sie erstaunlich lange sitzen. Beim Reigen darf sie mittlerweile in Begleitung eines Erwachsenen mitmachen, da sie viele Bewegungsbilder freudig nachahmt. Der Begleiter muss darauf achten, sie manchmal zu bremsen und wieder auf das Zentrale hinzulenken, auch weil ihr begeistertes, nicht endendes Rennen und Rufen sonst zu ablenkend für die anderen Kinder wäre.
Ganz für sich
Zu den Bewegungsstunden und zur Logopädin geht sie fast immer alleine, da die Ruhe und fehlende Ablenkung eine Chance für sie ist, sich den Aufgaben konzentriert widmen und damit besser lernen zu können. Auch die Eurythmie macht sie in einer Einzelzuwendung.

Freunde
Es gibt immer wieder besonders mütterliche Kinder, die sich um sie kümmern wollen, ihre Helfer sind. Da sie aber diesen Hilfestellungen nicht so offensichtlich mit Dankbarkeit begegnet, gibt es keine Gefahr der Überbehütung durch die Großen. Anfangs hat sie sich für andere Kinder wenig interessiert und den ganz Kleinen näherte sie sich mit Neugier: "Mal sehen, was das Kind macht, wenn ich an den Haaren ziehe, es schubse...". Mittlerweile hat sie wohl diese Neugier gestillt, den anderen gegenüber ist sie offen, ohne besondere Vorlieben zu haben. Den persönlichen Kontakt sucht sie nach wie vor zu allen Erwachsenen, und die können ihrem Charme auch am wenigsten widerstehen.
Insgesamt ist das geliebte flinke Wiesel kaum mehr wegzudenken...
Ein, wie wir finden schöner Artikel zum Thema "Integration", geschrieben von Leilani`s Motopädin, die im integrativen Waldorfkinderhaus in Bergisch Gladbach täglich mit ihr arbeitet. Leilani geht dorthin seit sie 2 Jahre alt ist und wird jetzt leider schon ihr letztes Jahr antreten. Wir sind einfach begeistert, wie liebevoll, aber auch bestimmt die Erzieherinnen mit ihr umgehen.
Familie Slawinski, Bergisch-Gladbach, Nordrhein-Westfalen
Leilani's Eltern (2009)