Letzte Änderung: 16.07.2009

Thema Schule
Integration

5p- Info-Brief 2009

Leserbrief zum Thema Integration (Schleswig-Holstein)

Für den Infobrief 2009 hatte die Redaktion um Leserbriefe gebeten in denene Erfahrungen zum Thema "Integration" geschildert werden.

Integration findet nicht in einer Einrichtung, sondern im wirklichen Leben statt

Bevor Arved im vorigen Jahr in den Kindergarten kam, habe ich mir verschiedene Einrichtungen angesehen. Von Anfang an sagte mir mein Gefühl, dass die Heilpädagogische Kindertagesstätte mit ihren kleinen Gruppen, dem tollen Personalschlüssel und ihrem auf Kinder mit speziellem Förderbedarf zugeschnittenen Programm das Richtige für unser quirliges Männchen wäre.

Aber auch andere Gedanken spukten uns durch den Kopf – würde er nicht besser gefördert, wenn fittere Kinder um ihn herum wären? Reizte da nicht nur die für mich als Mutter sehr bequeme Lösung mit dem roten Bus, der ihn morgens abholen und nachmittags wieder anliefern würde? Sollte er nicht lieber mit Kindern aus der Nähe zusammen sein?

Nach dem Besuch der Integrationsgruppe eines Kindergartens im Nachbarort stand fest: DAS war keine Alternative für Arved. Nicht nur, weil man mir nach einer Stunde mehr oder weniger unverblümt sagte, dass mein Junge als I-Kind nicht in Frage käme. Vor allem, weil ich mir jetzt vorstellen könnte, wie kostbare Extrazeiten für ihn genutzt werden würden: Zum Beispiel um ihn "in Schach" zu halten, während die anderen 16 Kinder ihren Morgenkreis abhalten. Wie viel Energie das bindet, weiß ich selbst, weil ich oft genug versuchen muss, ihn davon abzuhalten, das Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel seiner Brüder allzu wörtlich mitzuspielen...

Zum Glück hat es dann auch geklappt mit einem Platz bei der Lebenshilfe in unserer Kreisstadt. Dort gehört Arved seit einem Jahr stolz zur "Fisch-gruppe", liebt alle, die im Kindergarten arbeiten, abgöttisch und ärgert sich höchstens einmal, dass er die Lieder beim morgendlichen Stuhlkreis nicht richtig mitsingen kann

Integration? Die findet bei uns nicht in einer Einrichtung statt, sondern im wirklichen Leben: beim Kinderturnen, auf dem Sportplatz, durch die Spielkameraden seiner Brüder, unsere Freunde, unsere Familien. Und vor allem: in unseren Köpfen!

Arved's Mutter Antje (2009)