Letzte Änderung:
17.07.2009
Thema Schule
Integration
5p- Info-Brief 2009
Einführung des Editors
Was uns alle betrifft; Schlagworte: Integration und Inklusion
Zuerst eine kurze Begriffsklärung:
- "Integration" strebt die Eingliederung an, indem Menschen in ein soziales Gemeinwesen "hineingeleitet werden"
"Inklusion" kommt aus dem Lateinischen (inclusio – Einschluss) und bedeutet Einbeziehung und unbedingte Zugehörigkeit. Inklusion bedeutet damit Nicht-Ausgrenzung. Wenn Menschen nicht ausgegrenzt werden, müssen sie nicht integriert zu werden.
Auszug aus dem Visionspapier 2008 der Lebenshilfe:
- Menschen mit Behinderung sind selbstbewusst und nehmen nach ihren eigenen Vorstellungen die gesellschaftlichen Angebote in ihrer Gemeinde wahr. Sofern sie dabei Unterstützung, Schutz und Rücksichtnahme benötigen, entspricht dies dem, was sie selbst möchten und was sie brauchen.
- Im Wohnquartier, in der Gemeinde und in der Gesellschaft sind die Hindernisse, die Teilhabe verhindern, abgebaut und die zur Teilhabe und zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit erforderlichen Hilfen und Angebote werden selbstverständlich bereitgestellt. Insbesondere die Menschen mit hohem Hilfebedarf haben die Sicherheit, dass ihnen die zur Teilhabe notwendigen Hilfestellungen von der Gesellschaft selbstverständlich zur Verfügung gestellt werden.
- Die Bürger sind stolz darauf, dass kein Mitbürger ausgegrenzt wird, dies wird in Gemeinden, Bund und Ländern höher bewertet als ökonomische Ziele.
- Die Bürger erleben ihre Mitbürger mit Behinderung als Bereicherung, sie bewerten das Zusammenleben in Vielfalt positiv, gehen selbstverständlich auf sie zu und beziehen sie ein. Unternehmen bieten ihnen gerne Arbeitsplätze an, Bildungs- und Freizeiteinrichtungen begrüßen ihre Beteiligung.
- Alle Gesetze, das Gesundheitswesen und alle öffentlichen und privaten Angebote werden stetig nach diskriminierenden Bestimmungen überprüft und im Sinne von Teilhabemöglichkeit und erleichtertem Zugang verbessert. Die Gesellschaft stellt die zur Teilhabe notwendigen finanziellen Ressourcen zur Verfügung – möglichst aus einer Hand. Die Politik trifft entsprechende Entscheidungen und die Verwaltungen setzen den Anspruch der behinderten Menschen auf gleichberechtigte Teilhabe selbstverständlich um.
- Eltern erfahren, dass die von ihnen geleistete Betreuung und Erziehung ihrer behinderten Kinder als gesellschaftliche Leistung anerkannt wird. Sie haben die Sicherheit, dass ihre Töchter und Söhne, auch wenn sie hohen Hilfebedarf haben und wenn sie älter werden, ihren Platz in der Gesellschaft als akzeptierte, gleichberechtigte Bürger haben, ohne Sorgen hinsichtlich ihrer Begleitung, Versorgung und auch der notwendigen Pflege.
- Freiwillige und professionelle Unterstützer von Menschen mit Behinderungen sehen es als ihre selbstverständliche Aufgabe an, in der Kommune Hindernisse abzubauen, den Menschen mit Behinderungen zu assistieren und sie bei ihren Rechten und Wünschen nach Selbstbestimmung und Teilhabe im Sinne der ‚Enthinderung’ zu unterstützen.
- In der Lebenshilfe wirken Eltern, Freunde, Fachleute und Menschen mit Behinderung gleichberechtigt zusammen. Die Lebenshilfe vor Ort, in Land und Bund erweist sich als Bürgerbewegung, die gemeinsam die genannten Ziele verfolgt und sie konsequent überall vertritt. In den Vereinen haben die Menschen mit Behinderung ihr eigenes Sprachrohr und Vereinsleben.
- Die Lebenshilfe sichert die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen, indem sie ihre Fachkompetenz bedarfsgerecht in die regulären Dienstleistungen vor Ort in den Gemeinden einbringt. Soweit erforderlich eröffnet und unterhält die Lebenshilfe auch eigene, gemeindeintegrierte Angebote in allen Lebensbereichen, insbesondere in den Bereichen des Wohnens, des Arbeitens, der Bildung und der Freizeitgestaltung.
Das Wissen, das sich in der Behindertenhilfe quasi getrennt von den gesellschaftlichen Regelstrukturen über das Zusammenleben mit behinderten Menschen entwickelt hat, soll wieder dorthin kommen, wo es "eigentlich hingehört": Bürger sollen wissen, dass Menschen mit Behinderung häufig gar nicht so besonders sind, dass der Umgang mit Ihnen weniger Spezialwissen erfordert, sonder Vorurteilslosigkeit.
Natürlich braucht es auch "Spezialwissen" der Behindertenpädagogik und Fachlichkeit- dies Politikern und Verwaltungsexperten ins Stammbuch geschrieben, die mit "progressiven Vokabeln" argumentieren, um Geld zu sparen.
Aber dieses Wissen soll den Menschen in der Gemeinde zur Verfügung gestellt werden, in dem Spezialisten auch im Gemeinwesen präsent sind, und nicht mehr fast ausschließlich in den Institutionen. Dies ist mit Kompetenztransfer gemeint: die Kompetenz der Behindertenhilfe wird transferiert in Regelstrukturen wie Sportvereine, Kirchengemeinden, Volkshochschulen, Kindergärten und Schulen, Arbeits- und Wohnungsmärkte, damit das Zusammenleben dort funktioniert und Ausgrenzung/Besonderung vermieden wird.
Zitiert aus bzw.: siehe auch: Inklusion eine Herausforderung (http://www.lebenshilfe.de)
AH (2009)
Hier ein paar Leserbriefe von unseren Elternbrief Lesern mit Meinungen zum Thema Integration
Miteinander. Rücksicht. Nachsicht.
Ich finde, Integration ist nicht nur Thema bei den Behinderten, sondern generell dass allen Menschen mit Respekt und Achtung begegnet wird. Ich für meinen Teil bin glücklich, wenn Chris akzeptiert wird, wie ER ist. Wenn man ausspricht, dass ER willkommen ist. Leben und leben lassen.
So das war's, ich muss aufhören sonst schreibe ich gleich Romane.
Christian's Mutter Maria (2009)
"Bisher war es wichtig, dass jeder, der anders ist, die gleichen Rechte hat. In Zukunft wird es wichtig sein, dass jeder das gleiche Recht hat, anders zu sein."
(Willem De Klerk,Friedensnobelpreiträger und ehemaliger Vizepräsident von Südafrika)
Integration, der tägliche Kampf. Kampf bei Behörden, im Kindergarten, in den Schulen und im privatem Umfeld. Die Ausgrenzung unserer behinderten Kindern und Erwachsenen ist immer noch die Norm. Wünschenswert wäre es, in einer Umwelt zu leben, in der Menschen mit Beeinträchtigung akzeptiert werden. Dass "anders sein" selbstverständlich und alltäglich ist.
Zwischen behinderten und nicht behinderten Menschen wäre eine von Kindheit an alltägliche Begegnung, ein selbstverständlicher Umgang mit dem "anders sein" ganz normal. Das Zusammen(er)leben und -lernen von Kindern und Erwachsenen trägt sehr viel zur Akzeptanz bei. Ich glaube, dann werden Stärken und Schwächen akzeptiert und als selbstverständlich angesehen.
Leider hört die Integration meist am Tag der Einschulung auf, und die Kluft zwischen behindert und nicht behindert wird wieder fast unüberbrückbar. Integration wünsche ich mir durchgehend bis ins hohe Alter. Kinder und Schülergruppen, die alte Menschen im Altenheim besuchen, gibt es ja auch.
Leonie's Mutter Karin (2009)