Ich möchte hier einen Überblick zur Frühförderung in Baden-Württemberg geben, anhand der Rahmenkonzeption zur Früherkennung und Frühförderung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder in Baden-Württemberg (Stand 1993).
Dort heißt es Die Frühförderung ist ein Hilfeangebot für behinderte oder von Behinderung bedrohte Kinder vom Zeitpunkt der Geburt an bis zum Schuleintritt. Da frühe Hilfen die wirksamsten Hilfen sind, will die Frühförderung bei diesem Personenkreis drohenden Behinderungen begegnen und Auswirkungen vorhandener Behinderungen mildern. In vielen Fällen geht es auch darum, die betroffenen Kinder und ihre Angehörigen dabei zu begleiten, mit einer Behinderung umgehen und leben zu lernen. Insgesamt kann Frühförderung als ein Sammelbegriff für alle Maßnahmen und Angebote in den Bereichen Diagnostik, Therapie, Beratung und pädagogische Förderung (Früherziehung) verstanden werden. Diese unterschiedlichen Aufgabenstellungen greifen ineinander und stehen in einer Wechselbeziehung.
Das Gesamtsystem von Früherkennung und Frühförderung basiert auf 5 Grundsätzen:
Zur Kooperation: Frühförderstellen erbringen ihre Leistungen in Kooperation mit Ärzten und Therapeuten, lokalen und regionalen Einrichtungen und Diensten des kinder- und jugendpsychiatrischen, psychologischen, sozialen und pädagogischen Bereichs, zentralen spezialisierten Einrichtungen (z.B. Kinderzentren) sowie Behörden.
Diese vielfältige Zusammenwirkung soll durch einen Förderplan gesichert werden.
In Baden-Württemberg fußt das Frühfördersystem auf die Zusammenarbeit von
Zu a) und b) braucht wohl nichts mehr gesagt zu werden; die Konzeption von c) soll ausführlich zitiert werden:
Sonderpädagogische Frühförderung will eine an der Gesamtpersönlichkeit des Kindes orientierte Entwicklungsförderung leisten, die die unterschiedlichen behinderugsspezifischen Aspekte angemessen berücksichtigt und Beratung und Anleitung der Bezugspersonen des Kindes einschließt. Der ganzheitliche Ansatz trägt der Erkenntnis Rechnung, dass psychomotorische, kognitive, emotionale, soziale und kommunikative Bereiche der kindlichen Entwicklung in enger und gegenseitig abhängiger Beziehung stehen. ... Es geht ... darum, dass Kinder in sinnvollen Handlungszusammenhängen selbst aktiv werden. Aufgabe der Erzieher ist es daher, diese Eigenaktivität der Kinder wahrzunehmen und die Handlungsfelder so zu gestalten, dass diese für das jeweilige Kind Aufforderungscharakter haben. In einer so verstandenen ganzheitlichen Entwicklungsförderung spielen insbesondere die Bewegungsförderung, die Orientierung in der Umwelt, der Aufbau fundamentaler Denkstrukturen, die Erweiterung der Wahrnehmungsfähigkeit, die Förderung der sprachlichen und nichtsprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten, die Beziehung des Kindes zu anderen Menschen sowie sein emotionales Wohlbefinden eine wichtige Rolle. ...
Ein Hauptaufgabenfeld der sonderpädagogischen Frühförderung besteht im Angebot von Spielsituationen, in ihrer Veränderung und Anpassung an die individuellen Möglichkeiten des Kindes. Das bedeutet, dass, wenn möglich, auch gemeinsam mit den Erziehungsberechtigten, Spielsituationen erkundet und entwickelt werden, die für das Kinde interessant sind und die für angestrebte Fortschritte, z.B. in der Bewegung, der akustischen Wahrnehmung, der räumlichen Orientierung, im sprachlichen Ausdruck und in der sozialen Eingliederung einen Beitrag leisten.
Bei alledem wird, wie erwähnt, im besonderen die Zusammenarbeit mit den Erziehungsberechtigten angestrebt.
Formen sonderpädagogischer Frühförderung:
Die individuelle Förderung des Kindes und die Beratung und Anleitung seiner Erziehungsberechtigten ... erfolgt auf der Grundlage der Ergebnisse pädagogisch-psychologischer Untersuchungen, systematischer Beobachtung sowie ärztlicher Untersuchungen - soviel noch zu den diagnostischen Grundlagen.
Zur Organisation:
Die Frühfördereinrichtungen freier und kommunaler Träger sind entsprechen inhaltlich weitgehend den bereits beschriebenen der Sonderpädagogischen Beratungsstellen; hervorzuheben wäre lediglich, dass sie a) oft in neutralen Räumen stattfinden und, was die Kinder betrifft, einen äußerst heterogenen Personenkreis umfassen (von Kindern aus schwierigen Familienverhältnissen bis mehrfachbehinderte Kinder), und b) abgesehen von urlaubsbedingten Schließungen das ganze Jahr geöffnet sind (und sich nicht grundsätzlich an Schulferien orientieren); es besteht auch die Möglichkeit, je nach Bedarf einen erhöhten Zeitaufwand für die Betreuung und Förderung einzelner Kinder sowie für förderungsbegleitende Maßnahmen vorzusehen und mit den Kassen abzurechnen. Auch die Elternarbeit hat hier einen hohen Stellenwert.
Mein Fazit zum Schluss: Auf dem Papier klingt das alles sehr gut - aber Papier ist geduldig. Die Praxis, sprich die Umsetzung vor Ort, bezeugt die Qualität des Ganzen - oder auch nicht!
- nein, wir stammen nicht aus Österreich; der begeisterte Ausruf galt und gilt der Frühfördertherapeutin unserer Tochter, Frau Heidler.
Nachdem bei Hannah die Diagnose Cri-du-Chat-Syndrom fest stand, war zunächst Krankengymnastik der erste Schritt auf ihrem Therapieweg, da sie deutlich hypoton war und auch einen Ansatz zur Skoliose zeigte. Als wir die Turnerei nach Vojta so weit im Griff hatten (und nebenbei auch noch umgezogen waren), knüpften wir beim Tag der offenen Tür des Sonderschulkindergartens Ettlingen erste Kontakte zur dortigen Frühberatung. (Nebenbei bekam Hannah weiter wöchentlich Krankengymnastik, nach ihrem zweiten Geburtstag dann nur noch monatlich; dafür kam wöchentliche Ergotherapie dazu). Nach einem Besuch bei uns zu Hause wurde vereinbart, dass Hannah ab dem neuen Schuljahr jede Woche eine halbe Stunde Frühförderung zu Hause bekommen würde (außer in den Schulferien).
Hannah mochte die Frühförderung und die Therapeutin von Anfang an. Sie war schon immer sehr gespannt, was diese in ihrem großen Korb an neuem Spielzeug u.ä. mitbringen würde.
Die unterschiedlichsten Spielsachen und Materialien wurden verwendet, um Hannah möglichst umfassend anzuregen; von verschiedenen Bällen über Puppenservice bis zu einer Wanne voller Laub, in welcher Hannah unten ohne sitzen durfte. Nicht zu vergessen waren die vielen Lieder und Verse, die Hannah bald recht gut kannte und teilweise mit den entsprechenden Gesten, später sogar mit passenden Worten (Himpelchen und Pimpelchen gingen auf einen Berg. Himpelchen war ein Heinzelmann und Pimpelchen war ein ......... - Zwerg u.s.w.) begleitet wurden. Nebenbei haben wir uns natürlich auch immer über Hannah und ihre Entwicklung unterhalten.
So ging das Ganze zwei Jahre lang, dann kam Hannah in den Sonderschulkindergarten. Dort kommt ihre Frühfördertherapeutin noch jeden Freitag hin, und wird von Hannah schon begeistert willkommen geheißen.
Und was sage ich im Rückblick dazu?
Was es Hannah definitiv gebracht hat, ist schwer zu beurteilen; Erfolge sieht man ja selten sofort. Außerdem wissen wir ja nicht, wie es wäre, wenn sie keine Frühförderung bekommen hätte... In jedem Fall habe ich viele Anregungen bekommen; zum einen, was Spielzeug und Materialien betrifft (manches davon habe ich dann auch für Hannah angeschafft); zum anderen an entsprechenden Liedern, Versen u.ä.. Nicht zuletzt habe ich viel für den Umgang mit Hannah im Bezug auf Spielen und Fördern gelernt.
Ich bin dankbar, dass Hannah diese Möglichkeit wahrnehmen konnte!
Leserbrief von Beate