Letzte Änderung: 13.09.2008

Betreuung von Kim

Liebe LeserInnen,

Sie können unten meinen doch eher sachlichen Abschlussbericht über die Betreuung von Kim gelesen, aus der ich nach über fünf Jahren aus beruflichen Gründen ausscheide. In dieser Zeit hatten Kim und ich die Gelegenheit unsere jeweiligen `Besonderheiten´ kennen zulernen. Ich die Besonderheiten eines Menschen mit CdC, Kim die Besonderheiten einer Studentin der Behindertenpädagogik. Oftmals hatten wir wohl sehr unterschiedliche Auffassungen von Pädagogik, sodass die Fetzen flogen. Gerade am Anfang unseres gemeinsamen Weges machte sich da schon einmal Unverständnis, Wut, Verzweiflung, und oft auch Ratlosigkeit breit, Gefühle, die Sie als betroffene Eltern sicher gut kennen.

Aber wir hatten auch sehr viele schöne Momente zusammen, in denen wir viel Spaß gemeinsam hatten.

Im Rückblick möchte ich aber sagen, dass wir wohl viel voneinander lernen konnten und in vielen Punkten ein gegenseitiges Verständnis für einige unserer Macken entwickeln konnten. Kim hat mir beigebracht, die kleinen Dinge und Fortschritte zu schätzen. Dafür und für die vielen lustigen Erlebnisse und Momente will ich ihr an dieser Stelle Danke sagen: Danke Kim. Und auch Kims Mutter möchte ich an dieser Stelle Danken, dass Sie immer ein offenes Ohr und viele hilfreiche Ratschläge für den Umgang mit Kim für mich hatte und mir so viel Vertrauen entgegengebracht hat: Danke Ute.

Liebe Grüße, Claudia W., Bremen

Bericht

Kurzdarstellung der Betreuungssituation

Seit dem 01.02.1996 betreue ich Kim im Rahmen der Eingliederungshilfe mit einem wöchentlichen Umfang von 10 Stunden. In dieser Betreuungszeit ist eine monatliche Supervision der Lebenshilfe enthalten. Die Arbeitszeit ist weiterhin auf zwei Nachmittage in der Woche verteilt und findet überwiegend außerfamiliär statt. Die Betreuung findet in einer engen und vertrauten Kooperation mit der Familie statt.

Beschreibung des sozialen Umfeldes

Schule

Kim besucht die 6.Klasse der Schule an der Drebberstraße. Seit der Einschulung wird Kim kooperativ beschult. Sie geht gerne zur Schule und hat hier einen guten Kontakt zu Lehrern, Klassenkameraden und Schülern der Kooperationsklasse aufgebaut. Leider ist aufgrund der dezentralen Lage der Schule ein privater Kontakt zu den Mitschülern nur schwer möglich.

Nach den Sommerferien werden einige Veränderungen in der Zusammensetzung der Kooperationsklasse auftreten, da diese aufgelöst wird. In welcher Form der kooperative Unterricht fortgeführt wird, ist noch unklar.

Außerschulische Kontakte

Durch verschiedene Aktivitäten konnte Kim auch in ihrem Stadtteil wenige soziale Kontakte zu anderen Kindern und Jugendlichen aufbauen. Auf diesen Aspekt werde ich jedoch später noch genauer eingehen.

Diagnose und Darstellung des Entwicklungsstandes

Bei Kim wurde das Cri-du-Chat Syndrom diagnostiziert. Diese Chromosomenabberation äußert sich bei ihr vorwiegend in einer Beeinträchtigung der kognitiven Fähigkeiten und verschiedenen Verhaltensauffälligkeiten.

Kognitive Entwicklung und Lernverhalten

V.a. im kognitiven Bereich ist bei Kim eine Retardierung zu beobachten. In vielen Bereichen fällt es ihr noch schwer, Neues zu begreifen und adäquat umzusetzen. Besonders auffällig ist hier, dass Kims Lernverhalten sehr interessegeleitet und stark von ihrer Aufmerksamkeit und Motivation abhängig ist. In vielen Bereichen gelingt es ihr nicht, sich auf den Lerngegenstand zu konzentrieren. Sie ist sehr leicht ablenkbar, sodass nur selten längere Arbeitsphasen möglich sind.

In anderen Situationen ist Kim in ihrem Rahmen hingegen gut in der Lage, Problemlösungen zu finden, um ihr Ziel zu erreichen (z.B. Bezugsperson ablenken, um an ein anderes Objekt zu gelangen). Sie ist sehr neugierig und beobachtet gerne und versucht zeitweise Handlungen zu imitieren.

Jedoch zeigt Kim in verschiedenen Fördersituationen auch häufig ein ausgeprägtes Verweigerungsverhalten. Dieses erschwert eine genaue Einschätzung von Kims Fähigkeiten auch in den verschiedenen Teilleistungsbereichen.

Kim kann bei entsprechender Motivation auf Wortkarten ihren Namen auch von ähnlichen Namen (z.B. Kai) differenzierten.

Auch ein begrenztes Mengenverständnis ist meiner Meinung nach vorhanden, wogegen Kim vermutlich jedoch noch nicht in der Lage ist Zahlensymbole zu erkennen und zuzuordnen.

Nach meiner Einschätzung kann Kim auch die vier Grundfarben erkennen und zuordnen, was sie jedoch in den meisten Fällen verweigert.

Mengenverständnis und das Erarbeiten von Formen und Farben ist laut Aussage der Mutter momentaner Lerngegenstand in der Schule.

Physiologische Entwicklung

Bei einer Größe von ca. 1,50 m und einem Gewicht von etwa 43 kg zeigt Kim zunächst eine altersgemäße körperliche Entwicklung auf. Die Pubertät hat eingesetzt und Kim hat seit einigen Monaten ihre Menstruation.

Dennoch sind auch im physiologischen Bereich verschiedene Einschränkungen und Probleme zu erkennen.

Bewegungsapparat: Kims Füße zeigen eine Varusstellung auf, was durch entsprechende Schuhe und Einlagen korrigiert werden muss. Gerade bei längeren Fußstrecken verdeutlicht Kim zeitweise Schmerzen in den Knien, sodass für entsprechende Anlässe immer noch der Reha-Buggy eingesetzt werden muss. Orthopädisch konnte hier nichts festgestellt werden. Eine Behandlung mit Bandagen, die über Nacht angelegt wurden, lehnte Kim ab. Gerade in diesem Bereich scheinen die Beschwerden jedoch seit einiger Zeit nicht mehr akut zu sein.

Motorik: Kims Mundmotorik ist immer noch sehr eingeschränkt. Sie befördert Essen mit der Zunge in den Kaubereich. Ansonsten ist die Zungenbeweglichkeit jedoch noch sehr eingeschränkt. Auch Kims Kaumotorik hat sich noch nicht erheblich verbessert. Sie schluckt Essen nur wenig zerkaut. So erhält sie relativ weiche oder zerkleinerte Nahrung, um eine Aspiration zu vermeiden.

Kims Mundschluss ist mangelhaft, was zu einem zeitweise starken Speichelfluss führt. Dieser wird noch verstärkt durch Kims immer noch starke orale Fixierung (steckt sich Gegenstände, Bänder von Jacken oder ihre Hände in den Mund).

Im Bereich der Grobmotorik konnte Kim ihre Fähigkeiten verbessern. Sie fängt und wirft einen Ball gezielt, kann auf Kästen klettern, usw.. Dennoch hat sie immer noch ein sehr breitbasiges Gangbild (vgl. Gleichgewicht) mit verminderter Kniebeugung

Ausgeprägtere Defizite sind noch eher im feinmotorischen Bereich zu beobachten, obwohl Kim auch hier einige Fortschritte machen konnte. Sie agiert hauptsächlich linkshändig. Kim baut mit Duplo-Legosteinen, wobei sie sich hier noch sehr konzentrieren muss. Sie kann einen Stift nach Aufforderung richtig halten, malt jedoch noch sehr ausladend. Sie kann mit Hilfe einen Reißverschluss öffnen und schließen. Beim An- und Ausziehen benötigt sie hingegen noch starke Unterstützung. Erst nach vielfacher Aufforderung gelingt es ihr, mit Hilfe, sich an- oder Auszukleiden.

Auch hier ist ein besonders deutlicher Zusammenhang zwischen Aufmerksamkeit / Motivation und Kims Fähigkeit zu bemerken. Oft ist es Kim noch nicht möglich ihre Aufmerksamkeit (ihren Blick) auf die jeweilige Handlung zu konzentrieren, was sie gerade im feinmotorischen Bereich behindert.

Wahrnehmung: Im Bereich der Körperwahrnehmung sind bei Kim einige Besonderheiten zu beobachten. Zeitweise reagiert sie nur sehr verzögert und vermindert auf taktile Reize (auch Schmerzreize). Großflächige taktile Reize mit stärkerem Druck scheinen Kim am angenehmsten zu sein (z.B. Fußmassage), während sie auf feine Berührungen (z.B. Kitzeln) stark reagiert. Die Probleme im Bereich der Körperwahrnehmung sind neben der Motivationsproblematik vermutlich auch Ursache für Kims Probleme im Bereich des Toilettentrainings. Während sie Stuhlgang rechtzeitig wahrnimmt und eine Toilette aufsucht, bereitet ihr die Wahrnehmung des Harndrangs scheinbar immer noch Probleme, sodass sie erst verspätet oder gar nicht ihr Bedürfnis äußern kann. Auch für Kims oft noch sehr grobes Verhalten könnte die verminderte Körperwahrnehmung eine Erklärung sein (vgl. 3.3). Oft scheint Kim in spontanen Situationen ihren Krafteinsatz nicht einschätzen zu können.

Im vestibulären Wahrnehmungsbereich ist eine Verbesserung zu beobachten (vgl. 4.1). Kim kann mit Hilfestellung über eine umgedrehte Bank balancieren. Sie kann kurzzeitig auf einem Bein stehen um einen Ball zu schießen. Dennoch ist ihr Gangbild immer noch sehr breitbasig, wobei sie die Arme zum Ausgleich ausstreckt. Kim fällt es schwer langsam zu gehen. Am liebsten läuft sie sehr schnell, was ihr vermutlich hilft, das Gleichgewicht zu halten. Gelegentlich stürzt sie noch. Beim Treppensteigen sichert sie sich mit einer Hand am Geländer, Bordsteinkanten bewältigt sie noch unsicher, aber selbständig. Auffällig werden Kims Probleme im vestibulären Bereich auch, wenn sie sich an einer Steigung oder einem Gefälle befindet oder der Weg uneben ist. Dieses fällt ihr schwer auszugleichen.

Auch Kims Raumwahrnehmung ist noch leicht auffällig. So steigt sie nur unsicher und tastend von einem Kasten. Sie scheint hierbei Probleme zu haben Abstände und Entfernungen gut einzuschätzen. Dieses wird z.B. auch deutlich, wenn Kinder auf sie zu oder dicht an ihr vorbei laufen. Auch bei ausreichend Abstand schreckt Kim hier häufig zurück.

Emotionale Entwicklung, Soziales Verhalten und Verhalten

Emotional

Kim hat ein enges emotionales Verhältnis zu ihren Bezugspersonen. Sie ist hierbei immer noch sehr körpernah und schmust gerne. Bei längerer Abwesenheit vermisst sie diese Personen und fragt nach ihnen.

Zeitweise zeigt sie noch immer ein Eifersuchtverhalten, wenn ihre Bezugsperson sich anderen Tätigkeiten oder Personen zuwendet. Auf Verzögerungen ihrer Bedürfnisbefriedigung reagiert Kim noch sehr ungeduldig.

Bei unseren Aktivitäten beginnt Kim seit einiger Zeit auch außerhalb der engsten Bezugspersonen emotionale Beziehungen aufzubauen. Sie wählt sich auch über längere Zeiträume bestimmte Personen als Spielpartner aus und zeigt Freude diese zu treffen.

In Ansätzen ist eine Abgrenzung von der Familie zu beobachten. So verweigert Kim manchmal bewusst über ihre Erlebnisse außerhalb der Familie zu berichten. Sie genießt es hier sichtlich, Geheimnisse für sich zu behalten.

Gelegentlich zeigte Kim in der Vergangenheit ohne ersichtlichen Grund starke Gefühlsausdrücke wie Wut, Trauer oder Aggression. Diese resultierten sicherlich aus vorangegangenen Erlebnissen. Kim war häufig nicht in der Lage in einer Situation direkt emotional zu reagieren. Gerade in diesem Bereich ist eine leichte Veränderung zu beobachten. So gelingt es ihr zeitweise Gefühle spontan zu zeigen und somit auch auf die richtige Person oder Situation zu richten.

Dennoch ist Kims emotionales Verhalten - sicherlich auch pubertär bedingt - immer noch sehr situationsabhängig und stark schwankend, wobei es zeitweise zu regelrechten Wutausbrüchen auch ohne direkten Auslöser kommt.

Sozialverhalten und Verhalten

Auch Kims Verhalten ist sehr stark situationsabhängig und gerade in dieser Pubertätsphase äußerst schwankend. In diesem Bereich konnte Kim gute Fortschritte machen, weist jedoch immer noch eine Vielzahl an Auffälligkeiten auf.

Besonders interessiert ist Kim an kleineren Kindern, welche sie gerne beobachtet. Sie geht gerne auf diese Kinder zu und fordert diese zum Spiel auf. Hierbei kommt es nur noch selten zu „aggressiven" Handlungen von Kims Seite. Dennoch ist hier eine sehr hohe Aufmerksamkeit der Begleitperson gefordert, da ein Zugreifen Kims noch nicht ausgeschlossen werden kann und sehr spontan auftritt.

Ein zunehmendes Problem hierbei ist, dass gerade fremde Kinder immer häufiger ängstlich auf Kim reagieren. Dieses Verhalten der anderen Kinder erhöht die Gefahr, dass Kim sich „aggressiv" verhält, was sicherlich aus Kims Unverständnis und Wut über diese Ablehnung resultiert. Hier ist es häufig schwer, allen Beteiligten die Situation zu erklären und eine Annäherung zu ermöglichen.

Wird Kim von fremden oder wenig bekannten Erwachsenen angesprochen, reagiert sie zunächst meistens schüchtern und sucht Zuflucht bei ihrer Bezugsperson. Dieses würde ich jedoch in den meisten Fällen als ein Spiel deuten, da sie sofort im Anschluss den Blickkontakt zu diesen Personen sucht und diese angrinst. Hierbei kann Kim dann sehr dauerhaft sein, wodurch es zu einem regelrechten Flirten zwischen ihr und der Person kommt.

Durch unsere verschiedenen Aktivitäten hatte Kim die Möglichkeit, einige Kontakte zu Kindern in ihrem Stadtteil aufzubauen. Diese Kontakte sind jedoch noch auf die Aktivitäten (Bürgerzentrum, Spielplatz) beschränkt und sehr von einer Vermittlung ihrer Bezugsperson abhängig. Neben der Vermittlung und der Integration Kims in die Gruppe ist auch hier leider immer noch eine hohe Aufmerksamkeit notwendig, da Kim in Konfliktsituationen zeitweise noch „aggressiv" reagiert.

Während Kim in der Vergangenheit häufig einen hyperaktiven Eindruck erweckte, wirkt sie seit einiger Zeit in vielen Situationen antriebslos. Es bedarf hier häufig einer großen Motivationsarbeit Kim zu einer Handlung zu bewegen.

Wie erwähnt, ist Kims Verhalten sehr schwankend und häufig nicht vorhersehbar. Während es ihr an einigen Tagen gut gelingt, sich in allen Situationen ihren Möglichkeiten entspechend angebracht zu verhalten, zeigt sie an anderen Tagen ein ausgeprägt unangemessenes Verhalten. Hierzu gehört z.B. Lecken an Scheiben in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Anfassen anderer Fahrgäste, das Hinsetzen auf dem Gehweg, das in den Mund stecken von Erde, Sand oder Müll, das Ausschütten von Getränken, das Herumschmeißen von Gegenständen. Diese Verhaltensweisen treten in der Regel unabhängig von äußeren Bedingungen und sehr spontan auf. Da Kim ihre Bezugsperson nach einem solchen Verhalten erwartungsvoll anschaut und seit einiger Zeit sogar durch den Gebrauch der Gebärde „schimpfen" die Handlung ankündigt, kann man davon ausgehen, dass sie um ihr Fehlverhalten weiß und dieses gezielt als Provokation einsetzt.

Kommunikation

Um Kim eine Verbesserung ihrer sozialen Verhaltensweisen (v.a. alternative Lösungen von Konfliktsituationen) und eine bessere Möglichkeit zur Eingliederung in ihr soziales Umfeld zu ermöglichen, war die Erweiterung der kommunikativen Kompetenzen Kims auch immer ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit.

Kim verfügt über einen sehr großen passiven Wortschatz und setzt ihre kommunikativen Möglichkeiten sehr gezielt ein.

Sie verfügt über eine kleine Zahl an lautsprachlichen Äußerungen:

Ferner setzt Kim noch häufig einen langgezogenen Kehllaut ein, was situationsbezogen für Dinge steht, die Krach verursachen (z.B. Motoren, Babys, Kinder). Dieser Laut wird auch begleitend zu den Gebärden eingesetzt (z.B. schimpfen).

V.a. nutzt Kim für ihre Kommunikation Mittel der Unterstützten Kommunikation. Sie arbeitet mit Bildern und Symbolen, durch die sie ihre Aktivitätswünsche mitteilen kann. Ferner besitzt Kim einen Talker, mit dem sie aufgesprochene Aussagen wiedergeben kann. So hat sie die Möglichkeit, Erlebtes zu berichten oder auch z.B. Einkaufen zu gehen.

Hauptsächlich kommuniziert Kim jedoch mit Hilfe von Gebärden. Die Förderung in diesem Bereich fand ausschließlich in den Alltagssituationen statt, in die ich nach und nach immer neue Gebärden einbrachte. Kim zeigte hieran meistens ein sehr großes Interesse, übernahm schnell eingeführte Gebärden und entwickelte eine große Fähigkeit, eigenständige Gesten für verschiedene Begriffe zu erfinden.

Ein Problem bei der Vokabelauswahl ist immer noch Kims eingeschränkte Feinmotorik. So vermag Kim v.a. differenzierte und körperferne Gebärden oft noch nicht erkennbar auszuführen.

Dennoch ist Kim in den meisten Situationen sehr deutlich in der Lage, ihrer Bezugsperson ihre Wünsche zu vermitteln. Ferner hat Kim gelernt, die Kommunikation nicht nur als ein Mittel zur Bedürfnisübermittlung zu nutzen. Häufig und gerne kommentiert sie auch die Geschehnisse in ihrer Umwelt.

Sie hat ferner gelernt, einzelne Gebärden zu kombinieren (z.B. „eiskalt", „Ich trinken").

Um Ihnen einen Einblick in Kims Kommunikation zu bieten, füge ich im Anhang eine detaillierte Aufstellung von Kims Gebärden- und Gestenwortschatz bei.

Darstellung der Aktivitäten

Sportgruppe

Weiterhin nimmt Kim einmal wöchentlich an der integrativen Sportgruppe teil, was sich v.a positiv auf die Bereiche Gleichgewicht, Grobmotorik und Koordination auswirkte, da diese hier gezielt gefördert werden.

Auch hier konnte Kim einige soziale Kontakte knüpfen. Dennoch ist Kims Aktivität immer noch sehr auf ihre Bezugsperson ausgerichtet, von der sie sich nur selten löst. Eine Aufgabe meinerseits ist es hier, Kims Eigenständigkeit in der Gruppe und soweit möglich bei der Bewältigung der Übungen zu fördern. Dieses ist jedoch noch immer sehr schwer, da Kim hier noch einen großen Hilfebedarf hat.

Ein weiterer Aufgabenpunkt ist in diesem Bereich auch die Motivation Kims zu den verschiedenen Übungen und Aufgaben in der Sportstunde, da sie hier häufig noch nicht aus eigenem Impuls agiert.

Der Weg zur Sportgruppe bietet Kim eine gute Übung in verschiedenen Bereichen, da wir die Fahrt nach Findorff noch immer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen. So ist hier eine Übung im Bereich des Verhaltens und Sozialverhaltens, der Mobilität und des Verkehrstrainings möglich.

Einmal jährlich findet eine Wochenendfreizeit der Sportgruppe statt, an der Kim gerne teilnimmt.

Bürgerzentrum

Das Bürgerzentrum Neue Vahr ist für Kim noch immer eine feste Einrichtung, in der sie gerne ihre Freizeit verbringt.

Regelmäßig besuchen wir die offene Spielgruppe, wo Kim eine Vielzahl an Spielmöglichkeiten zur Verfügung stehen. Hier haben wir auch die Möglichkeit uns mit anderen Kindern in einer Turnhalle zu bewegen. Auch an anderen Angeboten des Bürgerzentrums nimmt Kim gerne teil (z.B. Theateraufführungen, Kinderdisco, Kochgruppe, Faschingsfeier).

Wie bereits erwähnt hat sie auch hier einige soziale Kontakte zu anderen Kindern aufgebaut. Diese wählt Kim sich bevorzugt zum Spiel aus. Meine Aufgabe in diesen Situationen ist einerseits immer noch die Vermittlung zwischen Kim und den Kindern, die häufig noch nicht ihre Äußerungen deuten können. Andererseits muss ich auch immer noch bei Konflikten einschreiten um diese zu entschärfen. Nur noch selten kommt es in diesem Bereich zu „aggressiven" Übergriffen von Kims Seite.

Sonstige Unternehmungen

Die verbleibende Zeit verbringen wir je nach Angebot und Wetter mit verschiedenen Unternehmungen. Hierbei versuche ich v.a. Angebote mit einem integrativen Charakter auszuwählen. Als Beispiele seien hier genannt: Schwimmen, Theater, Besuch von öffentlichen Veranstaltungen des Ferienprogramms, Marktbesuche, usw.. Bei schönem Wetter entscheidet sich Kim noch gerne auf den Spielplatz in ihrer Nachbarschaft zu gehen. Hier treffen wir häufig Kinder aus dem Bürgerzentrum, mit denen Kim dann spielt.

Anlage I: Auflistung der verwendeten Gebärden

Die aufgeführten Literaturverweise beziehen sich ausschließlich auf das Gebärdenlexikon (Bd.1) von G.Maisch und F.H.Wisch (Verlag hörgeschädigte Kinder, Hamburg 1996).

aufräumen (S.36; 1.0085)

Baby (S.39; 1.0108) v.a. durch lautieren

Beifall, klatschen (S.44; 1.0140) v.a. für Lob, auch Theater

Bauen (S. 42; 1.0127) bei Straßenbau mit lautieren

Bitte (S.53; 1.0190) auch Danke

Buch (S.60; 1.0235)

Dienstag (S.66; 1.0284)

Donnerstag (S.67; 1.0290)

Du (S.71; 1.0315)

Duschen (S.72; 1.0327)

Ende, fertig (S.79; S.1.0360)

Essen (S.83; 1.0389) auch Hunger

Fahrrad (S.84; 1.0400)

Fotografieren, Kamera (S.96; 1.0471)

Freitag (S.97; 1.048)

Geld (S.110; 1.0558) auch kaufen

groß (S.119; 1.0612)

Haus (nach Hause) (S.123; 1.0642)

Helfen (S.124; 1.0652)

Hören (S.129; 1.0685)

Holen (S.130; 1.0691) auch Kommen

Hund (S.131; 1.0699)

Husten (S.132; 1.0707) mit Husten

Ich (S.132; 1.0710)

Idee (S.133; 1.0711)

Kaputt (S.140; 1.0769)

Kaufen (vgl. Geld)

Kind (S.144; 1.0795) v.a. durch lautieren

Langweilig (S.157; 1.0881)

Mein (vgl. Ich)

Mittwoch (S. 173)

Montag (S.175)

Musik (S.178; 1.1026), auch Tanzen

Rucksack (S.207; 1.1219)

Schaukeln (S.213; 1.1264)

Schieben (S.215; 1.1275)

Schimpfen (S.216; 1.1282) mit lautieren

Schlafen (S.217; 1.1284) mit Schnarchen

Schule = Lernen (S.160; 1.0898)

später, nachher (S.239; 1.1426) nur einfach

Spielen (S.240; 1.1434)

Stark (S.243; 1.1455)

Stinken (S.247; 1.1478) auch Toilette

Telefonieren (S.256; 1.1545)

Traurig (vgl. Weinen)

Tschüß (S.263; 1.1598)

Waschen (S.287; 1.1755)

Weinen (S.290; 1.1774) nur einseitig

Was? (S.286; 1.1749)

Kommunikation mit eigenen Gebärden und Gesten

Alle, Leer

Auf / zu (An / aus)

Aufstehen / Hinsetzen

Brille

Claudia

Eincremen

Eis (auch für Ei)

Frech

Geh weg, Hau ab

Gib mir...

Gut, Super

Igel

Ja / Nein

Kalt, Frieren

Karussell, Freimarkt

Kette

Klingeln

Kommen (vgl. Gib mir...)

Kuss, Küssen

Langsam (vgl. Warten)

Laut (mit lautieren)

Lecker

Leise

Luftballon (mit laut. Ball)

Müde

Pippi Langstrumpf

Regen

Rufen (nur lautieren)

Schlecht

Schluss, Stop

Schnuller, Strohhalm

Schwimmen

Schwer, Tragen

Sonne, Blenden

Sport

Sprechen, Erzählen

Trinken

Überlegen, Nachdenken, Vergessen

Verstecken

Warm, Schwitzen (2 Gesten)

Warten

Wecker (vgl. Klingeln)

Zähne putzen (auch Zahnbürste, -Creme, -Arzt)