Unterstützte Kommunikation (UK)
Unterstützte Kommunikation ist eine Methode zur Verbesserung der kommunikativen Fähigkeiten von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Dabei wird immer folgendes Ziel angestrebt:
Es ist egal, mit welcher Kommunikationsform wir kommunizieren - Menschen, die sich lautsprachlich nicht oder nicht genügend ausdrücken können, bekommen eine Alternative angeboten, damit die Verständigung befriedigender wird.
Für manche ist Unterstützte Kommunikation im Alltag so integriert, dass sie nicht mehr wegzudenken ist. Für andere ist es noch Neuland. Und genau die Menschen möchte ich gewinnen, an der Unterstützten Kommunikation Gefallen zu finden, diese auszuprobieren, Zeit zu investieren, kreativ und phantasievoll zu sein, auch mal Misserfolge hinzunehmen und sich vor allem an den Erfolgen einer gelungenen Kommunikation zu freuen.
Manche Eltern berichten, dass ihr Kind keine Kommunikationshilfe brauchen würde, da sie ihr Kind sehr gut verstehen. Das trifft sicher für diese persönliche Beziehung zu, aber was passiert im Kindergarten, in der Schule und in allen anderen Lebensbereichen? Früher oder später möchte das Kind, der Jugendliche oder Erwachsene überall kommunikativ teilhaben können.
Nichtsprechende Menschen erhalten mit Unterstützter Kommunikation die Möglichkeit,
Dadurch wird Selbstbestimmung möglich und die Menschen fühlen sich endlich im Selbstbewusstsein gestärkt, da sie merken "Ich kann mich ausdrücken und werde auch verstanden!"
In der letzten Ausgabe schrieb ich Allgemeines über Unterstützte Kommunikation (UK) und über die Gebärdenkommunikation. In dieser Ausgabe möchte ich Ihnen verschiedene Möglichkeiten der Kommunikation mit Symbolen vorstellen.
Schaut sich das nichtsprechende Kind oder die zu betreuende Person gerne Fotos an? Interessiert sie sich für Bilder, blättert in Katalogen oder Zeitschriften, nimmt sie ab und zu sogar ein Bild zu Hilfe, wenn sie etwas zeigen mag?
Dann könnte es sinnvoll sein, eine Kommunikationshilfe mit Symbolen zu erstellen.
Dabei sollte beachtet werden, dass die Gegenstände, Fotos und Bilder in ihrer Art, bzw. Abbildung wirklich eindeutig zu verstehen sind.
Lange Zeit gab es die Meinung, dass ein gewisses Symbolverständnis Voraussetzung ist, um in die Kommunikation mit Symbolen einsteigen zu können.
Die praktische Arbeit mit unterstützt Kommunizierenden zeigte jedoch, dass gerade durch den regelmäßigen Einsatz der Kommunikationshilfe Fähigkeiten im Umgang mit Symbolen erlernt werden. Dafür müssen die Personen aber die Gelegenheit zum Üben bekommen. Wichtig ist, dass die Symbole im Alltag oft vorkommen, dass sie kommentiert werden, dass sie eine Veränderung herbei führen (z.B. dass das Gewünschte auf das gezeigt wurde auch tatsächlich erhältlich ist oder dass die Tätigkeit, die das Symbol verdeutlich tatsächlich durchgeführt wird). Gerade am Anfang sollte es beim Üben zu einem positiven Erlebnis kommen, so dass die Person spürt, dass es sich lohnt, wenn sie aktiv wird und auf eine Abbildung zeigt.
Manchmal sind Kinder nicht sehr an gekauften Bilderbüchern interessiert. Sehr häufig jedoch freuen sie sich über ein selbst angefertigtes Buch, in dem sie bekannte Personen, Orte und (Lieblings) Dinge wieder erkennen können.
Dieses sogenannte "Ich-Buch" ist genauso für größere Kinder, Jugendliche und auch für Erwachsene geeignet. Hier findet jeder einen Anknüpfungspunkt für ein nettes Gespräch.
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| Zwei Seiten aus einem "Ich Buch" | |
Ein solches robustes Bilderbuch lässt sich z.B. aus laminierten Fotos, die durch Löcher mit Schlüsselringen verbunden sind, ganz einfach herstellen und jederzeit ergänzen. Praktisch und billig sind auch die kleinen Fotoeinsteckalben. Wichtige "Bilderbuch-Themen" sind Alltägliches, wie Lieblingsdinge, Lieblingstätigkeiten der Person, Essen und Trinken, wichtige Kleidungsstücke, die Familienmitglieder oder Betreuer, der Wohnort und die nähere Umgebung.
Es gibt zahlreiche Situationen in denen das Kind, der Jugendliche oder Erwachsene mit entscheiden möchte, was er z.B. Trinken oder Essen möchte, welches Lied jetzt gesungen werden soll, welches Spiel er sich wünscht... Hier ist es anfangs sinnvoll Bildkarten einzusetzen, mit denen die Person zuerst lernt, sich zwischen zwei Dingen zu entscheiden.
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| Einzelne Auswahlsymbole und ein Beispiel für ein Tischset | |
Später kann die Anzahl der Symbolkarten erweitert werden oder es können auch Zeigetafeln mit mehreren Symbolbildern erstellt werden, mittels der die nichtsprechende Person eine Auswahl treffen kann. Diese Zeigetafeln können nach Themen, bzw. Interessengebieten angefertigt werden und in einem Ringbuch zur Verfügung gestellt werden.
Für die Auswahl von bestimmtem Spielzeug oder Beschäftigungen kann sowohl Zuhause oder in der Wohngruppe im Heim, wie auch im Kindergarten oder der Schule eine Thementafel zur Auswahl angeboten werden. Auch bekannte und beliebte Lieder können über eine Zeigetafel ausgewählt werden: z.B. im Morgenkreis oder in der Musikstunde und auch Zuhause während einer gemütlichen Viertelstunde... Dabei bekommt jedes Lied ein eigenes (verständliches) Symbol.
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| Auswahlkarten: Lieder, Aktivitäten | |
Für den Gaststättenbesuch kann eine bebilderte Karte angefertigt werden: Es müssen keine Bilder aus dem Computer sein! Dafür können genauso Bilder aus Katalogen und Zeitschriften ausgeschnitten und aufgeklebt werden.
Ein Tipp: Fotos der Firmen Eismann oder Bofrost und Co sind sehr natürlich abgebildet und alle beliebten Speisen kommen vor.
Für die Auswahl des Fernsehprogramms kann eine Seite mit ausgeschnittenen Bildern von beliebten Sendungen angefertigt werden.
Für manche Menschen kann eine Einkaufshilfe wichtig sein. Statt einem gewöhnlichen Einkaufszettel könnte auch eine kleine Tafel für bestimmte Wurstsorten oder bestimmte Backwaren angefertigt werden.
Auch jahreszeitliche Thementafeln können Interesse für ein Gespräch wecken (z.B. eine Tafel für Fastnacht, eine für die Osterzeit und den Frühling etc.)
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| Thementafeln "Jahreszeiten" |
Beim gemeinsamen Essen kann auch der Einsatz von Tischsets mit Symbolen zur Auswahl der Speisen und Getränke eine Hilfe sein. Außerdem unterstützt die Anordnung von Symbolen für Teller, Tasse und Besteck das Kind (den Jugendlichen oder den Erwachsenen) beim selbständigen Tisch decken.
Sie merken schon, der eigenen Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt! Es gibt unzählig viele Möglichkeiten und dies sind nur einige Beispiele. Die Anzahl der Abbildungen, die Größe der Abbildungen und die Größe der Tafel ist individuell anzufertigen und sollte den Nutzer weder unter- noch überfordern.
Dabei wird die Auswahl der Wörter (Vokabular) nie vollständig sein. Eine Tafel muss im Laufe der Zeit verändert oder ergänzt werden so wie sich die Interessen und auch die Fähigkeiten des Nutzers ändern können.
Besonderen Stellenwert hat auch die Überlegung, wo und wann im Alltag die nichtsprechende Person die Möglichkeit hat, etwas auszuwählen. Und sollte es noch keine Gelegenheiten geben, müssen diese geschaffen werden!
Spezielle Thementafeln können an verschiedenen Orten auch für mehrere Personen zum Einsatz kommen (in Wohngruppen z.B. im Bad, in der Küche oder auch in Therapieräumen, in der Schule, in den Räumen der Werkstatt, am Arbeitsplatz....).
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| Auswahlkarte: "Essen" | Themenkarte: "Wie geht es mir?" |
Schließlich können Bereiche wie Arztbesuch, Freundschaft, Sexualität, Tod und auch das Streiten und Versöhnen oder das Wetter für die nichtsprechende Person wichtige Themen darstellen und sollten bei Interesse über Kommunikationstafeln "diskutiert" werden können.
Wir (Eltern, Erzieher, Lehrer) müssen bei dem Erstellen von Kommunikationstafeln stets die individuellen Bedürfnisse der nichtsprechenden Person beachten und das entsprechende Vokabular mit großem Einfühlungsvermögen heraussuchen, damit die Förderung der Kommunikationsfähigkeit erfolgreich verlaufen kann.
Die erste Frage zu Beginn Unterstützter Kommunikation muss daher immer sein:
Außerdem ist es sehr empfehlenswert, ein individuelles multimodales Kommunikations-system, bestehend aus unterschiedlichen Bausteinen (=Kommunikationsformen) aufzubauen. Das Kind, der Erwachsene erfährt dabei, dass auch seine Laute und einfachen Zeichen (Blicke, Mimik, Gestik) ernst genommen werden. Und ein paralleler Einsatz von lautsprachunterstützenden Gebärden und Symbolen (Thementafeln und/oder Ich-Buch) ermöglichen dem Kind, Jugendlichen oder Erwachsenen nach einer gewissen Übungszeit in jeder Situation eigenständiger reagieren zu können.
Literatur zum Thema.
Ute Ringwald, Therapeutin für Unterstützte Kommunikation