TEACCH steht für „Treatment and Education of Autistic and related Communication handicapped Children“ (dt.: „Behandlung und pädagogische Förderung autistischer und in ähnlicher Weise kommunikationsbehinderter Kinder“).
Ein Forschungsprojekt an der Universität von North Carolina/USA, in Chapel Hill, war der Grundstein für die Entwicklung von TEACCH. Dabei ging es um die aktive Einbeziehung der Eltern in die Förderung ihrer autistischen Kinder.
Aus dem Forschungsprojekt ging 1972 auf Grund der Initiative vieler Eltern das TEACCH-Programm hervor. Dieses ist eine staatliche Einrichtung in North Carolina, die ein umfassendes und lebensbegleitendes System von Diensten und Hilfen für Betroffene, Angehörige und Fachkräfte umfasst. Kernpunkt dabei sind die neun TEACCH-Zentren, in denen Diagnose, Beratung, Ausbildung von Fachkräften und die Vernetzung aller beteiligten Einrichtungen stattfindet.
Während das TEACCH-Programm als staatliche Institution in North Carolina nahezu einzigartig ist, hat der dort entwickelte pädagogisch-therapeutische Ansatz weltweit Anerkennung und Verbreitung gefunden. Dieser „TEACCH-Ansatz“ ist mittlerweile in vielen europäischen Schulen und pädagogischen Einrichtungen bekannt, und oft werden Elemente davon praktisch umgesetzt.
Das ist beispielsweise das Prinzip der Strukturierung der Situation (structured teaching) und die Visualisierung, beides Aspekte die auch in Deutschland häufig mit TEACCH in Verbindung gebracht werden. Dies sind Elemente des TEACCH-Ansatzes und werden im Folgenden näher erläutert.
Beim strukturierten Unterrichten geht es um die Unterstützung beim Lernen. Es gibt Hilfen zur Erschließung von Bedeutungen, zur Verdeutlichung von Zusammenhängen und hilft bei der Vermittlung von Fähigkeiten, um im Alltag zurecht zu kommen.
Ein wesentlicher Aspekt ist hierbei die räumliche und zeitliche Strukturierung sowie die Gestaltung des Arbeitsmaterials. Dies wird nicht nur auf den Unterricht bezogen, sondern auf den gesamten Alltag. Es fördert das Gefühl von Sicherheit und Kompetenz, denn man kann sich besser auf neue Situationen einstellen, wenn man versteht, wann etwas passiert. In der pädagogischen Praxis unterscheidet man bei der Strukturierung von Abläufen Zeitpläne, Aufgabenpläne und Instruktionen. Diese sollten aber immer wieder auf ihre Notwendigkeit und Angemessenheit überprüft und gegebenenfalls reduziert werden.
Ortsbezeichnungen; Raumteiler (z. B. Regale); Teppiche, die bestimmte Bereiche markieren, Vorhänge; Linien auf Fußböden; Zuordnung von Gegenständen zu bestimmten Plätzen; Bilder und Beschriftungen
Klingel; Signale, Wörter; Anfangs- und Endroutine; Uhren; Zeitpläne im entsprechendem Abstraktionsniveau
Gestaltung der Arbeitsfläche; visuelle Instruktionen (Schablonen, Bildfolgen, Beispiele); Anordnung des Materials in gekennzeichneten Materialbehältern
Gerade Menschen mit Autismus (die ja bei der Entstehung von TEACCH die vorrangige Zielgruppe waren) haben oft erstaunliche visuelle Fähigkeiten. Der optische Sinn ist also der bevorzugte Verarbeitungskanal. Die Visualisierung ist außerdem beständiger und eindeutiger als Sprache und erfordert kein Verständnis sprachbegleitender (sozialer) Merkmale wie Mimik, Gestik, Tonfall. Neben dem Einsatz von Bildkarten reagieren Menschen mit Autismus häufig sehr gut auf den Einsatz von Gebärden, da auch dabei der visuelle Kanal angesprochen wird (N.B. Und wir wissen ja auch, dass „unsere“ Kinder mit Gebärden zurecht kommen können!).
Verdeutlichung der Funktion der Orte: im Raum durch visuelle Barrieren (z. B. Regale), welche die einzelnen Bereiche (Arbeiten, Pause etc.) abgrenzen; die einzelnen Bereiche durch Symbole oder Realgegenstände (z. B. Kopfhörer für Pausenbereich, Raumbeschilderung zur Orientierung im Schulhaus) kennzeichnen; Regale/Schränke mit Fotos/Symbolen beschildern (z. B. auch für Jacke, Schuhe, Mütze)
visuell anschaulich gestaltete Tagespläne erleichtern es, sich auf Abweichungen vom normalen Ablauf (z. B. Regenpause) einzustellen; Time-Timer (die verbleibende Zeit (z. B. für eine bestimmte Arbeit) wird durch eine immer kleiner werdende Fläche dargestellt)
visuell verdeutlichen, wo sich etwas befindet und/oder seinen Platz hat (z. B. Tisch-Set mit Teller-, Glas-, Besteck-Aufdruck als Orientierungshilfe zum Tisch decken); kurze Handlungen visuell verdeutlichen (z. B. die einzelnen Schritte des Händewaschens, Schuhe zubinden).
Wie bereits im Bericht über Hannah erwähnt, wird auch in ihrer Schule in Anlehnung an das TEACCH-Verfahren gearbeitet.
Die im Zeugnisbericht erwähnte „Kiste zum Abarbeiten“ ist eine Schachtel für jedes Kind (mit Namen drauf; den erkennen sie), worin sich speziell für dieses Kind vorbereitete Lernmaterialien befinden; nicht zuviel, sozusagen eine „Arbeitseinheit“. Das hat etwas von „Freiarbeit/Stillarbeit/Einzelarbeit“, aber unter Anleitung und Beobachtung der Lehrkräfte, damit auch das getan wird, was getan werden soll. Ist alles erledigt, wird die Kiste wieder aufgeräumt und es darf zur „Belohung“ etwas nach Belieben gemacht werden, z.B. ein Puzzle, oder ein Bilderbuch anschauen.
An einer Pinnwand hängen verschiedene Symbolkarten, die „unerwünschtes“ Verhalten bzw. Missachten von Regeln darstellen (z.B. eine Uhr für Trödeln, Unpünktlichkeit). Außerdem hat jedes Kind ein Namenskärtchen dort, sowie einen Marienkäfer (aus Karton) mit dem Namen drauf. Wenn jetzt ein Kind unmäßig trödelt, so kommt sein Name unter die entsprechende Symbolkarte mit der Uhr so wird dem Kind vor Augen geführt, was nicht in Ordnung war. Am Ende des Vormittags wird „abgerechnet“: die Kinder, deren Namen nicht unter ein Kärtchen gehängt werden mussten (sprich, die nicht getrödelt haben, oder was auch immer das Fehlverhalten war), bekommen zur Belohnung einen Punkt auf den Marienkäfer. Hat dieser seine 5 Punkte erricht, gibt es eine kleine Belohnung aus der „Schatzkiste“ (z.B. ein XXL-Gummibärchen).
Bei Hannah wirkt dieses „Vor-Augen-führen“ wie im Zeugnisbericht erwähnt wirklich gut; es kommt vor, dass sie schmollend aus der Schule kommt und erzählt „Ich hab keinen Punkt bekommen.“, und dann auf Nachfrage auch erklären kann, was los war: „Ich hab gebockt...“