Bereits Anfang der 80er Jahre etablierte sich in den englischsprachigen Ländern nach und nach der Begriff "Augmentative and Alternative Communication" (AAC), also der ergänzenden und alternativen Kommunikation. In Deutschland hingegen konnte sich die Unterstützte Kommunikation erst seit 1992 durchsetzen.
KRISTEN definiert Unterstützte Kommunikation als "Oberbegriff für alle pädagogischen bzw. therapeutischen Maßnahmen, die eine Erweiterung der kommunikativen Möglichkeiten bei Menschen ohne Lautsprache bezwecken." (KRISTEN, 1997, S.15). Dieses bedeutet, dass Menschen, die sich mit ihren eigenen Mitteln nicht zufriedenstellend ihrer Umwelt mitteilen können, jedoch über ein Sprachverständnis verfügen, eine Möglichkeit aufgezeigt werden soll, wie sie ihre kommunikativen Kompetenzen im Alltag erweitern können. Verschiedene Hilfsmittel, Techniken und Strategien sollen eine Möglichkeit bieten, die Lautsprache zu ergänzen, bzw. zu ersetzen um so das Kommunikationsbedürfnis besser erfüllen zu können.
Die Unterstützte Kommunikation bezieht sich auf ein "multimodales Kommunikationssystem". Das bedeutet, dass in ihr alle Ausdrucksmöglichkeiten eines Menschen Berücksichtigung finden sollten. Zum multimodalen Kommunikationssystem gehören: Laute und Lautsprache, Blickbewegungen, Mimik, Gestik, Körperhaltung und -bewegung, Gebärden und nicht-elektronische, bzw. elektronische Hilfen.
Unterstützte Kommunikation ist somit als ein Ansatz der "totalen Kommunikation" zu verstehen. Dieses bedeutet, dass sämtliche Möglichkeiten zur Kommunikation je nach Fähigkeiten des nichtsprechenden Menschen ausgeschöpft werden sollten, um ihm somit ein auf ihn angepasstes Kommunikationssystem zur Verfügung zu stellen. "Das einzige maßgebliche Kriterium stellt ihre Effektivität für den jeweiligen Benutzer dar." (BRAUN, 1996, S.4)
Maßnahmen der Unterstützten Kommunikation können als ständige Hilfe (z.B. bei Dysarthrien), als vorübergehende Hilfen (z.B. bei Schädel-Hirn-Trauma) oder als Hilfe für den Spracherwerb betrachtet werden.
In der Vergangenheit wurde der Einsatz von alternativen Kommunikationsformen, v.a. von Gebärden, von vielen sogenannten "Oraldogmatisten" abgelehnt. Diese erkannten nur die Lautsprache als eine vollwertige Sprache an und behaupteten, dass der Einsatz von Alternativen angeblich die Sprachentwicklung eher behindere als fördere. Hierdurch wurde der Einsatz unterstützender Kommunikationsformen häufig erst nach jahrelanger erfolgloser Sprechtherapie akzeptiert. Erst wissenschaftliche Untersuchungen konnten dieses nach und nach widerlegen, wodurch diesem Mittel zunehmend mehr Bedeutung in der Sonderpädagogik zugesprochen wird (vgl. KRISTEN, 1997, S.62). So schreibt auch BRAUN: "Bisherige Praxisberichte und Untersuchungsergebnisse bieten demnach auch keinerlei Bestätigung der Befürchtung, dass der frühe Einsatz von Unterstützter Kommunikation dem Erwerb lautsprachlicher Fähigkeiten hinderlich sein könnte (vgl. Silvermann 1981)." (BRAUN, 1996, S.4). Vielmehr sollten sich Sprechtherapie und der Einsatz von Unterstützter Kommunikation gegenseitig ergänzen. Dieses geschieht v.a. dadurch, dass der nichtsprechende Mensch durch verschiedenste Hilfsmittel aus seiner "kommunikativen Not" (BRAUN, 1996, S.3) befreit werden kann, wodurch bisherige Frustrationen vermieden und somit eine neue Motivation für lautsprachliche Kommunikation erreicht werden könnte.
Um dieses zu ermöglichen ist zuvor eine umfangreiche Diagnose und eingehende Beobachtung des nichtsprechenden Menschen notwendig, um somit einen individuellen Förderplan aufzustellen zu können. Hierbei sollten u.a. folgende Faktoren Berücksichtigung finden:
Welche Bewegungen sind zielgerichtet möglich? Welche Kommunikationshilfen können somit angeboten werden? Welche Hilfsmittel müssen evtl. zur Verfügung gestellt werden? Welche Sitz- oder Liegeposition ermöglichen die größtmögliche Bewegungsmöglichkeit?
Wie verhält sich die Person in bisherigen Kommunikationssituationen im Bezug auf Vokalisation, Blickkontakt, Mimik und Gestik, interaktiven Verhaltensweisen?
Wie groß ist das Sprachverständnis und die sprachliche Ausdrucksfähigkeit?
Wie hoch ist die Aufmerksamkeitspanne? Liegen Einschränkungen in den verschiedenen Wahrnehmungsbereichen (z.B. visuell, auditiv, taktil/kinästhetisch, sensomotorisch) vor? Wie hoch sind Leistungen des Gedächtnisses und des Symbolverständnisses?
z.B. Vorlieben? vertraute Personen und Orte?
Eine ausführliche Liste zur Bestandsaufnahme der gegenwärtigen kommunikativen Bedingungen, welche zur Erstellung eines Förderplanes hilfreich sein könnte, findet sich bei KRISTEN (1997, S.111ff.).
Diese ausführliche Informationserhebung durch Beobachtungen und Gespräche (auch mit Bezugspersonen) und eine genaue Planung des Einsatzes von unterstützenden Kommunikationshilfen ist in jedem Fall zu empfehlen, um dem nichtsprechenden Menschen erneute "kommunikative Frustrationen" zu ersparen.
Die hieraus resultierenden Informationen ermöglichen konkrete Überlegungen, inwiefern der Einsatz von Unterstützter Kommunikation ratsam und welche Methoden der Unterstützten Kommunikation, auf die ich im Folgenden eingehen möchte, der nichtsprechenden Person hilfreich sein könnten.
Die Methoden der Unterstützten Kommunikation lassen sich allgemein in körpereigene Kommunikationsformen und externe Kommunikationshilfen (hier: nichtelektronische und elektronische) unterteilen.
Zum einen kann Kommunikation über körpereigene Mittel ablaufen, also ohne externe Hilfsmittel. Hierzu zählen -neben der Lautsprache- Gestik, Mimik, Blickbewegungen, Körperhaltung und Gebärden.
Einem nichtsprechenden Menschen stehen somit andere körpereigene Mittel zur Verfügung, die ihm eine Kommunikation mit seiner Umwelt ermöglichen. Voraussetzung für den Einsatz ist jedoch eine ausreichende motorische Fähigkeit, diese umzusetzen. Ferner erfordern sie vom Gesprächspartner eine hohe Aufmerksamkeit und die Kenntnis über das verwendete Mittel.
Körpereigene Kommunikationsformen haben somit einen hochgradig individuellen Charakter, die u.U. nur von engen Bezugspersonen verstanden werden können. So können z.B. Ja-/Nein-Signale nicht wie gewöhnlich über Kopfnicken oder -Schütteln angezeigt werden, sondern je nach Fähigkeiten der Person über Augenbewegung, Hand- oder Fußzeichen, Lautierungen oder ähnliche Ausdrucksformen (vgl. BRAUN, 1996, S.4).
Die erwähnte Ja-/Nein-Kommunikation stellt laut BRAUN die einfachste Form der Unterstützten Kommunikation dar. Der sprechende Kommunikationspartner versucht durch andauerndes Fragen den Inhalt der Mittelung zu entschlüsseln. Diese Form ermöglicht u.U. ein Mitteilen von grundlegenden Bedürfnissen der nichtsprechenden Person, ist jedoch sehr zeitaufwendig und kann zu Missverständnissen und somit Frustrationen führen.
Ein weiteres Beispiel für ein alternatives körpereigenes Kommunikationsmittel ist der Einsatz von Gebärden, auf die wir im Folgenden etwas genauer auf eingehen möchten.
Der Einsatz von lautsprachbegleitenden Gebärden (LBG), eine Vereinfachung der Deutschen Gebärdensprache (DGS), ermöglicht vielen nichtsprechenden Menschen, sich ihrer Umwelt mitzuteilen. Hierfür werden maßgebliche Elemente der Lautsprache von Gebärden begleitet und somit unterstützt. Die Gebärden stehen hierbei oft in einem engen Zusammenhang mit dem darzustellenden Begriff (z.B. "trinken" = Bewegung des Trinkens wird imitiert), sie sind somit leicht zu erlernen und größtenteils leicht zu entschlüsseln.
Dennoch gibt es einige Grundvoraussetzungen, die beim Einsatz der LBG erfüllt sein müssen: Die nichtsprechende Person muss ein Bedürfnis nach Austausch und Kommunikation mit seiner Umwelt haben. Ferner muss sie über ein Symbolverständnis und die Fähigkeit zur Nachahmung verfügen, um die Gebärden zu verstehen und erlernen zu können. Auch motorische Fähigkeiten und optisches und taktiles Unterscheidungsvermögen sind Grundvoraussetzungen für das Erlernen von Gebärden. Zudem bedarf der nichtsprechende Mensch Bezugspersonen, die Gebärden anwenden und deuten können (vgl. KRISTEN, 1997, S.62).
Gerade im Bereich der Förderung von geistig behinderten Menschen stellt diese Form eine vielversprechende Möglichkeit zur Kommunikation dar. Ihr Einsatz ermöglicht nicht nur eine Art sich mitzuteilen, sondern kann in vielen Fällen u.U. das Sprachverständnis und die Begriffsbildung positiv beeinflussen (vgl. BRAUN, 1994, S.5).
Neben den bereits erwähnten Vorteilen (z.B. im Bezug auf die Wortschatzbildung) stellt die ständige Verfügbarkeit wohl den größten Vorteil von körpereigenen Kommunikationsmitteln dar. Der Anwender ist unabhängig von Verfügbarkeit externer Hilfsmittel, sodass er in jeder Situation die Möglichkeit zur Kommunikation hat.
Nachteile der körpereigenen Mittel sind hingegen, dass die Kommunikation in jedem Fall sehr verlangsamt wird und häufig nur eine Mitteilung von Fakten möglich ist. Hierdurch ist eine hohe Aufmerksamkeit der Gesprächspartner und häufig auch große Geduld erforderlich. Aus diesen Gründen ist auch die Gefahr von Missverständnissen in einer Kommunikation recht hoch, was wiederum zu Frustrationen führen kann. Negativ ist auch, dass mit Hilfe von körpereigenen Mitteln nur wenige Kommunikationspartner erreichbar sind. Diese müssen mit dem jeweiligen Mittel vertraut sein und sich auf Kommunikation einlassen wollen. Ferner sind diesen Methoden der Unterstützten Kommunikation evtl. durch motorische Einschränkungen der nichtsprechenden Person Grenzen gesetzt.
Lässt sich eine zufriedenstellende Kommunikation aus bestimmten Gründen nicht mit körpereigenen Mitteln verwirklichen, kann der Einsatz von verschiedenen externen Kommunikationshilfen eine weitere Möglichkeit der Unterstützten Kommunikation sein.
Bevor ich genauer auf diese Mittel der Unterstützten Kommunikation eingehe, möchte ich zunächst einige grundlegende Informationen in Bezug auf das Vokabular und die verschiedenen Ansteuerungstechniken darstellen, die in den meisten Fällen einer externen Kommunikationshilfe Beachtung finden sollten.
Bei externen Kommunikationshilfen wird durch die Zusammenstellung von z.B. Bildern, Fotos, Symbolen, Wörtern oder Buchstaben ein individuelles "Vokabular" bereitgestellt, welches auf die persönlichen Möglichkeiten und Bedürfnisse der nichtsprechenden Person ausgerichtet ist. Bei der Auswahl der Kommunikationshilfen und der dabei verwendeten Abbildungen sollten Faktoren wie motorische Fähigkeiten, Wortschatz, Symbolverständnis, visuelle Wahrnehmung, aber vor allem das persönliche Mitteilungsbedürfnis der nichtsprechenden Person, Beachtung finden.
So können "käufliche Symbolsammlungen" (festgelegte Anzahl von Symbolen, kaum Möglichkeiten der Erweiterung, kaum Regeln zur Anwendung) "oder Symbolsysteme" (größeres Vokabular mit logischer Struktur, durch ergänzende Symbole erweiterbar) eingesetzt werden. Hier wären z.B. zu nennen:
Aber auch "Fotos und eigene Zeichnungen" können verwendet werden. Hier liegt der Vorteil darin, dass Fotos z.B. eine höhere "persönliche Note" haben und so in einem engeren Verhältnis zu der nichtsprechenden Person stehen. Auch können so Personen und eigene Alltagssituationen mit in das Gespräch eingebracht werden, was häufig einen motivierenden Kommunikationsanlass schafft. Eigene Zeichnungen können schnell aktualisiert werden, also den Erlebnissen der nichtsprechenden Person angepasst werden.
Je nach Ansprüchen und Bedürfnissen der nichtsprechenden Person ist es bei der Zusammenstellung einer externen Kommunikationshilfe häufig ratsam, verschiedene Systeme zu vermischen. Die Auswahl sollte immer unter Absprache mit der nichtsprechenden Person stattfinden, um deren Bedürfnisse optimal beachten zu können.
Nicht nur bei der Auswahl der Abbildungen sondern auch bei der "Auswahl des Vokabulars" sollten einige Faktoren beachtet werden:
Durch die Bereitstellung eines angemessenen Vokabulars auf einer externen Kommunikationshilfe wird dem nichtsprechenden Menschen die Möglichkeit zur Kommunikation gegeben. Die Kommunikation findet über das "Zeigen" (im weitesten Sinne) auf die jeweiligen Abbildungen statt. Dieses macht nicht nur ein individuell angepasstes Vokabular für eine erfolgreiche Unterstützte Kommunikation notwendig, sondern auch die Ermöglichung von "zielgerichtetem Zeigen", welches durch die Umwelt deutlich erkannt werden muss. Dieses wird jedoch häufig durch motorische Einschränkungen der nichtsprechenden Person erschwert.
Aus diesem Grunde ist es notwendig, eine möglichst stabile "Kommunikationsposition" für den betroffenen Menschen zu schaffen. Auch die Positionierung der Kommunikationshilfe muss sich nach den individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten richten. (vgl. BRAUN, 1996, S.7)
Motorische Einschränkungen machen u.U. auch den Einsatz von alternativen "Ansteuertechniken" notwendig. Kommunikationshilfen lassen sich entweder durch direkte Selektion oder durch Scanning- Verfahren ansteuern.
Bei der direkten Selektion zeigt der Anwender direkt auf das Symbol, was je nach Fähigkeiten durch verschiedene Körperteile oder über Hilfsmittel wie z.B. Stirnstab, Mundstab oder Lichtschreiber stattfinden kann. Auf diese Weise ist eine verhältnismäßig schnelle Ansteuerung der Kommunikationshilfe möglich.
Ist die nichtsprechende Person jedoch in ihren motorischen Fähigkeiten derart eingeschränkt, dass ihr die direkte Selektion nicht möglich ist, kann eine Ansteuerung über das Scanning-Verfahren stattfinden. Hierbei bietet der Kommunikationspartner (oder die elektronische Kommunikationshilfe) dem nichtsprechendem Menschen verschiedene Auswahlmöglichkeiten an, auf die dieser mit einem vereinbarten Ja-/Nein-Signal reagiert. Dieses Verfahren ist sehr zeitaufwendig und erfordert eine hohe Konzentration, bietet aber den Vorteil, dass es schon mit minimalen Bewegungsmöglichkeiten verwirklicht werden kann.
Zur Erhöhung der Kommunikationsgeschwindigkeit empfiehlt es sich, möglichst bestimmte Kodierungstechniken mit dem nichtsprechenden Menschen zu vereinbaren. Hierbei kann die Mitteilung in einem Code übermittelt werden (z.B. 2.3 bedeutet, dass das dritte Symbol in der zweiten Reihe der Kommunikationstafel gemeint ist).
Externe Kommunikationshilfen unterteilen sich in nichtelektronische und elektronische Hilfen, auf deren Beschreibung ich im Folgenden eingehen möchte.
Nichtelektronische Kommunikationshilfen können sehr vielfältig gestaltet sein. Zu nennen seien hier zum Beispiel:
Hier können die in Kapitel 2 beschriebenen Möglichkeiten zum Vokabular individuell verwendet werden.
Derartige Kommunikationshilfen können recht schnell und preiswert mit den verschiedensten Materialien aus dem Bürofachhandel (z.B. Ringbücher, Klarsichthüllen) hergestellt werden und somit sehr individuell auf den Anwender angepasst werden.
Durch Anzeigen der einzelnen Abbildungen auf seiner Kommunikationshilfe, durch direkte Selektion oder Scanning (vgl. Kapitel 2) kann der nichtsprechende Mensch seine Bedürfnisse mitteilen und so mit seiner Umwelt kommunizieren.
Nichtelektronische Kommunikationshilfen haben den Vorteil, dass man sie recht leicht und preisgünstig herstellen kann. Sie sind leicht transportabel und können sehr individuell gestaltet werden. Sie können sehr robust sein, wodurch sie in jeder Situation anwendbar sind (z.B. im Schwimmbad durch Verwendung von wasserdichten Folien oder Laminierung).
Ihr Nachteil ist jedoch, dass auch sie die unmittelbare Aufmerksamkeit des Gesprächspartners fordern und der Wortschatz u.U. nicht ausreicht, um alle Kommunikationsinhalte zufriedenstellend auszudrücken. Dem nichtsprechenden Menschen stehen ferner kaum Möglichkeiten zur Gesprächssteuerung oder eine Möglichkeit, den Inhalt der Kommunikation festzuhalten, zur Verfügung.
Elektronische Kommunikationshilfen können sowohl stationäre Computer oder handelsübliche Laptops oder Notebooks mit spezieller Software, als auch speziell für diesen Zweck entworfene transportable Geräte sein. Sie lassen sich unterscheiden in Geräte ohne und mit Sprachausgabe.
Geräte ohne Sprachausgabe
Hierunter fallen einerseits einfache Geräte, die über die Betätigung eines oder mehrerer Schalter die Auswahl eines bestimmten Feldes ermöglichen (z.B. Auswahltafeln, zu einer bestimmten Entscheidungssituation). Diese Geräte ermöglichen in den meisten Fällen jedoch keine befriedigende Kommunikation, da sie nur über ein sehr eingeschränktes Vokabular verfügen, können aber für eine Kommunikationsanbahnung, also für das Erlernen des Umgangs mit dem Medium Sprache, sehr hilfreich sein.
An dieser Stelle seien auch einfache Geräte wie elektronische Netzschaltadapter, in Verbindung mit einem Taster, erwähnt. Diese Geräte (z.B. Able Net: PowerLink 2) ermöglichen in Verbindung mit einer an die Bedürfnisse des Benutzers ausgerichteten Taste (z.B. Able Net: Tastschalter in verschiedenen Größen; Finger-, Nasen-, Kinn-, Zungenschalter; Saug-Blas-Schalter; Muskel- oder Lichtsensoren) die Bedienung eines beliebigen elektrischen Gerätes und können somit auch zur "Kommunikationsanbahnung" verwendet werden. Hierbei geht es in erster Linie darum, schwerst körperbehinderten Menschen, die aufgrund der Schwere ihrer Beeinträchtigung nicht fähig sind selbsttätig zu agieren, eine Möglichkeit zu einfachen Aktion-Reaktions-Handlungen zu ermöglichen. Erfahrungen in diesem Bereich sind Grundlage für den Spracherwerb und sollten somit immer Beachtung finden.
Neben diesen einfachen Geräten findet der PC in diesem Bereich immer mehr Einsatzmöglichkeiten. So wurde für körperlich stark beeinträchtigte Menschen zahlreiche Software und vielseitige Eingabehilfen (z.B. Prentke Romich: Head-Master, Trackball, Touchscreen, Tasten-Maus, etc.) entworfen, um handelsübliche Computer als Kommunikations- und Schreibhilfen nutzen zu können.
Handliche Laptops und Notebooks machen einen Einsatz dieser Hilfen an den meisten Orten möglich, was ein unumgängliches Kriterium für eine Kommunikationshilfe sein sollte, da eine ständige Verfügbarkeit des Hilfsmittels von großer Bedeutung ist.
Ein großer Nachteil elektronischer Kommunikationshilfen ohne Sprachausgabe ist jedoch, dass der nichtsprechende Mensch zur Kommunikation immer die direkte Aufmerksamkeit seiner Kommunikationspartner bedarf. Ihm stehen somit nur wenige Möglichkeiten der Gesprächssteuerung (z.B. Gespräch einleiten) zur Verfügung. Ferner ermöglichen diese Hilfen keine Kommunikation über eine größere Distanz (z.B. jemanden im Nebenraum rufen, Telefonate führen, etc.). Diese Nachteile können durch den Anschluss einer Sprachausgabe an den PC oder durch den Einsatz von Geräten mit Sprachausgabe, auf die ich im Folgenden eingehen möchte, in den meisten Fällen ausgeglichen werden.
Geräte mit Sprachausgabe
Diese Kommunikationshilfen ermöglichen eine akustische Wiedergabe der Mitteilung. Über eine Symbol-, Bild-, Buchstaben- oder Zahlencodierung können vorher gespeicherte Wörter oder Sätze in einer entsprechenden Situation aufgerufen werden.
Hierbei differenziert man Geräte mit natürlicher (digitalisierter) und synthetischer Sprachausgabe.
Bei einer "digitalisierten Sprachausgabe" werden über ein Mikrofon Sprachaufnahmen gespeichert. Dieses bietet den Vorteil, dass die Stimme individuell ausgewählt werden kann und die Wiedergabe meistens gut verständlich ist. Ein großer Nachteil ist hingegen, dass der Benutzer auf das eingespeicherte Vokabular beschränkt ist, da nur vorher gespeicherte Mitteilungen abgerufen werden können.
Geräten mit "synthetischer Sprachausgabe" sind dagegen in der Lage, einzelne gespeicherte Buchstaben in Sprachlaute umzusetzen, die dann wiederum zu Wörtern und Sätzen verbunden werden können. Hieraus ergibt sich für den Anwender ein fast uneingeschränktes Vokabular, da er nicht nur gespeicherte Inhalte abrufen kann, sondern sein Gerät praktisch als "sprechende Schreibmaschine" (KRISTEN, 1997, S.80) benutzen kann. In der Vergangenheit war ein großer Nachteil dieser Sprachausgabe häufig die sehr schlechte Klangqualität, welche sich jedoch in letzter Zeit sehr verbessert hat.
Auch im Bereich der Hilfen mit Sprachausgabe stehen einige Geräte zur "Kommunikationsanbahnung" zur Verfügung (z.B. Prentke Romich: BIGmack, AbleNet: One-Step-Communicator, Step-by-Step-Communicator). Diese kompakten Taster ermöglichen die einfache Aufnahme einer oder mehrerer kurzer Nachrichten, die der nichtsprechende Mensch in einer entsprechenden Situation durch einfaches oder mehrfaches Drücken abrufen kann. Der Anwender kann somit lernen, Sprache gezielt einzusetzen. Er kann z.B. Bedürfnisse äußern, Aufmerksamkeit erlangen, Erlebnisse selbstbestimmt berichten oder sich an immer wiederkehrenden Aussagen (z.B. Tischsprüche, Lieder in der Schule) aktiv beteiligen.
Wie bereits erwähnt, besteht einerseits die Möglichkeit, einen herkömmlichen "PC" (Laptop) mit einer Sprachausgabe zu erweitern. Dieses bietet den Vorteil, dass gegebenenfalls der Kommunikationsinhalt durch den Anschluss eines Druckers schriftlich festgehalten werden kann. Andererseits sind speziell entwickelte "tragbare Kommunikationshilfen" mit Sprachausgabe erhältlich. Diese kompakten Geräte verfügen je nach Möglichkeit der nichtsprechenden Person über eine unterschiedliche Anzahl von Feldern, mit denen eine natürliche und/oder synthetische Sprachausgabe aktiviert werden kann. Die Bedeutung der Felder oder der Feldkombinationen wird nach den Bedürfnissen des Anwenders ausgewählt und gespeichert (ganze Sätze oder Wörter). Die Felder können individuell mit Bildern, Fotos, Symbolen oder Buchstaben gekennzeichnet sein, um somit einen Hinweis auf den dahinterstehenden Begriff zu liefern.
Die Ansteuerung kann wie beschrieben über eine direkte Selektion, oder bei motorischen Einschränkungen, über verschiedene Eingabehilfen erfolgen. Die Auswahl und Anordnung des Vokabulars sollte sich auch hier nach den individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten des Anwenders richten.
Produktbeispiele für elektronische Kommunikationshilfen mit Sprachausgabe sind z.B. Chatbox, Alpha-Talker oder Delta-Talker (Prenke Romich). Diese Geräte verfügen über die patentierte "Minspeak-Kodierungsstrategie". Das bedeutet, dass jedes Symbol auf der Kommunikationshilfe in Kombination mit einem oder mehreren anderen Symbolen erst seine Bedeutung erhält. So kann z.B. das Symbol des Regenbogens unterschiedliche Bedeutungen oder Sätze tragen, die sich aus der Kombination ergeben (Regenbogen + Herz = rot; Regenbogen + Sonne = gelb). Aus diesem Kodierungssystem ergeben sich für den Anwender eine Vielzahl an Ausdrucksmöglichkeiten, obwohl die Anzahl der Symboltasten relativ gering gehalten werden kann. Anwendungsprogramme sind z.B. "Die Quasselkiste" (ca. 240 Aussagen Grundvokabular) oder "Die Deutsche Wortstrategie""" (Grundvokabular der deutschen Sprache auf Wortbasis, macht semantische Kodierung und somit grammatikalisch korrekte Sätze möglich).
Der Einsatz einer elektronischen Kommunikationshilfe, v.a. mit Sprachausgabe, weist einige deutliche Vorteile auf. So ist es dem nichtsprechendem Menschen hierdurch möglich, Einfluss auf den Verlauf eines Gespräches zu nehmen. Er kann spontane Aussagen machen, ein Gespräch beginnen oder auch beenden. Die gesamte Kommunikation steht nicht mehr unter der absoluten Aufmerksamkeit des Gesprächspartners, da der Anwender laut und deutlich seine Wünsche und Mitteilungen ausdrücken kann. Hierdurch kommt es u.U. auch zu weniger Missverständnissen, die bei anderen Methoden der Unterstützten Kommunikation recht häufig vorkommen können.
Der Kommunikationskreis der nichtsprechenden Person kann sich durch den Einsatz einer elektronischen Hilfe erheblich erweitern. So ist er nicht mehr darauf angewiesen, dass sein Kommunikationspartner über eine entsprechende Kenntnis des Mittels verfügt, sondern kann nun auch mit Fremden, Kindern oder anderen behinderten Menschen kommunizieren. Es ist davon auszugehen, dass das Umfeld überwiegend positiv auf eine solche Kommunikationshilfe reagiert, da sie sich mit dem gewohnten Medium Sprache konfrontiert sehen. Hierdurch könnte der Aufbau von sozialen Kontakten erleichtert werden. Ferner wird durch eine elektronische Kommunikationshilfe mit Sprachausgabe auch eine Kommunikation über eine Distanz ermöglicht (z.B. Telefonieren). Auch die Teilnahme an Gesprächen in einer größeren Gruppe ist möglich.
Negativ hingegen ist zu bemerken, dass elektronische Kommunikationshilfen relativ hohe Anschaffungskosten mit sich bringen. Obwohl die Geräte in den meisten Fällen schon recht leicht und kompakt sind, muss immer eine Transportmöglichkeit gefunden werden, die trotzdem einen spontanen Einsatz der Hilfe ermöglicht. Auch eine ständige technische Wartung der Geräte ist notwendig. Die Einführung einer elektronischen Kommunikationshilfe kann u.U. sehr lange dauern und muss didaktisch sehr gut vorbereitet sein. Dennoch könnten sich gerade bei Menschen mit einer geistigen Behinderung Probleme beim Erlernen des Umgangs mit diesen Mitteln ergeben. Die Erwartungen an ein solches Gerät sollten also nicht zu hoch angesetzt werden, um spätere Frustrationen zu vermeiden.
Auch im Bereich der Kommunikationsgeschwindigkeit muss man trotz gut ausgearbeiteter Strategien mit einer verlängerten Mitteilungsdauer rechnen, was u.U. eine hohe Geduld vom Kommunikationspartner fordert (vgl. BRAUN, 1996, S.40).
Literatur zu dieser Studienarbeit.