Über den Vortrag von Prof. Dr. Etta Wilken beim Jahrestreffen 2007 in Olpe
„Sie sollten eine Sprachtherapie nie mit dem Ziel beginnen, dass Ihr Kind sprechen lernen soll“, warnte uns Prof. Dr. Etta Wilken beim Jahrestreffen 2007 in Olpe. Die Sonderpädagogin mit jahrzehntelanger Erfahrung in der Arbeit mit Down-Syndrom-Kindern vom Institut für Sonderpädagogik der Universität Hannover stellte uns in einem Vortrag und anschließendem Workshop die von ihr entwickelte Methode der Gebärden-unterstützten Kommunikation (GuK) vor. Dabei zeigte sie uns Möglichkeiten auf, unsere Kindern beim Sprechen lernen zu unterstützen, warnte aber auch vor überhöhten Erwartungen an Therapien und Methoden. (Mich hat ihr Ansatz so überzeugt, dass ich den Kartensatz Guk 1 gekauft habe und mit Arved einsetze. Dieser Beitrag soll eine kurze Übersicht über die von Etta Wilken entwickelte Methode geben, die ich größtenteils aus dem Begleitheft herausgezogen habe.)
GuK soll durch den begleitenden Einsatz von Gebärden die Kommunikation mit Kindern erleichtern, die nicht oder noch nicht sprechen. Dabei wird das Sprechen nicht ersetzt, sondern durch die Gebärde unterstützt. (Ich stelle mir vor, dass es meinem Kind hilft, so wie es mir hilft, Notizen zu machen, wenn ich etwas neues lerne!)
Die GuK-Gebärden sind aus umfangreicheren Gebärdensammlungen abgeleitet und vorwiegend an der Gebärdensammlung „Schau doch meine Hände an“ orientiert, die einfacher und damit für kleine Kinder geeignet sind. Nur der Grundwortschatz ist abgedeckt und für Körperteile gibt es zum Beispiel keine Gebärden hier wird das Kind auf seinen Körperteil zeigen. Der Kartensatz ist dreiteilig aufgebaut eine Bildkarte zeigt den zu gebärdenden Begriff, eine zweite zeigt, wie die Gebärde dazu auszuführen ist und eine dritte den geschriebenen Begriff. Andere Karten können mit Fotos der Bezugspersonen oder ähnlichem individuell gestaltet werden. (Arved hat sehr schnell die Gebärden für „Hase“, „Katze“ und „Maus“ gelernt, wobei bei Maus auch „Ma“ sagt.)
Für die Entwicklung von Fähigkeiten, so Etta Wilken, sei es wichtig, dass das Kind ihre Bedeutung erlebe und den Gebrauch als sinnvoll erfahre. Daher müssen wir in unterschiedlichen Situationen, bei gemeinsamen Handlungen und im Spiel mit dem Kind sprechen, um die „Weckfunktion“ der Lautsprache für die auditive Wahrnehmung und die lautsprachliche Orientierung zu erhalten, sowie das Kind zu eigenem Lautieren und differenzierter Übernahme der typischen Laute seiner Umgebungssprache anzuregen. Gebärden sollten deshalb nicht zu früh angeboten werden, um diese Entwicklung nicht zu gefährden. (Am besten klappt bei Arved „Mama“ und „Ball“, danach kommen „Papa“, „Wauwau“ und Tiergeräusche wie eine Art Schnarchen für Schwein. „Vogel“ ist für ihn anscheinend viel zu schwierig, das versucht er gar nicht, hat aber eine eigene Gebärde eingeführt er ahmt mit einer Hand den Flügelschlag nach, ohne dass ich ihm das mit oder ohne GuK beigebracht hätte. Für mich ist das aber eine Bestätigung, dass die Methode in die richtige Richtung zielt.)
Oft wird befürchtet, dass der Einsatz von Gebärden den Einsatz von Lautsprache verhindere. Das, so versicherte uns Etta Wilken auch in Olpe, sei aber erwiesenermaßen nicht der Fall. Besonders wichtig sei jedoch, so das Guk-Begleitheft, dass die Gebärden die Entwicklung basaler sprachlicher Strukturen förderten und damit die kognitiven Voraussetzungen für den Spracherwerb unterstützten: „Und wenn das Kind sich lautsprachlich hinreichend verständlich machen kann, wird es zunehmend mit dem Gebärden aufhören.“ (Da bin ich persönlich sehr gespannt, wie es weitergeht. Zur Zeit macht es mir und uns großen Spaß zu erleben, was Arved sich einfallen lässt, um sich verständlich zu machen und es ist sonnenklar, dass er kommunizieren will und da einen gewissen „Ehrgeiz“ hineinlegt).
Nähere Informationen zum GuK-System bietet das Deutsche Down-Syndrom InfoCenter unter HYPERLINK "http://www.ds-infocenter.de" oder Telefon 09123/ 98 21 21. Dort kann man den Kartensatz auch bestellen.
von Antje Hachenberg
Literatur zum Thema.