Letzte Änderung: 11.01.2001
Körpereigene Kommunikationsformen sind alle Kommunikationsmöglichkeiten, die mit Hilfe des Körpers vollzogen werden können. Körpereigene Kommunikationsformen können z.B. sein:
Eine besondere Bedeutung im Bereich der körpereigenen Kommunikationsmöglichkeiten nimmt die Nutzung von Gebärden ein. Neben individuell entwickelten Systemen werden inzwischen vielfach die Gebärdensprache der Gehörlosen bzw. Abwandlungen dieser Gebärden eingesetzt.
Die Vorteile körpereigener Kommunikationsmöglichkeiten liegen darin, dass sie schnell, spontan und ortsunabhängig benutzt werden können, ohne dass ein Hilfsmittel herangezogen werden müsste. Im Umgang mit vertrauten Partnern/Partnerinnen sind körpereigene Kommunikationsmöglichkeiten häufig die effektivste Art der Verständigung.
Im Umgang mit unvertrauten Menschen und bei der Vermittlung komplexer Inhalte scheitert diese Form der Kommunikation jedoch sehr häufig.
Insofern ist es unverzichtbar, das Kommunikationssystem für einen "nichtsprechenden" Menschen um weitere Elemente zu ergänzen. Hier gewinnt die Nutzung von nichtelektronischen und elektronischen Kommunikationshilfen ihre Bedeutung (Kommunikationstafeln mit Bildern und Symbolen, elektronische Kompaktgeräte mit Sprachausgabe ...).
Betont werden soll aber die Notwendigkeit eines klaren und jederzeit reproduzierbaren "Ja"- und eines "Nein"-Zeichens für jeden nichtsprechenden Menschen. Diese körpereigenen Zeichen (z.B. Augen- oder Armbewegung) müssen mit dem Behinderten vereinbart werden. Dann können über gezielt gestellte "Ja" - "Nein"-Fragen Aussagen über Bedürfnisse, Wünsche etc. des in seiner Lautsprache eingeschränken Menschen gemacht werden. Diese Form der Kommunikation ist recht einseitig, da der "Nichtsprechende" immer der Reagierende ist und von sich das Gespräch nicht auf von ihm gewünschte Inhalte lenken kann. Doch in allen Notsituationen, in denen weiterführende Kommunikationsmittel nicht vorhanden oder benutzbar sind (defektes elektronische Kommunikationsgerät, verlorene Kommunikationsmappe, im Wasser, nach Unfällen etc.) ermöglichen diese körpereigenen "Ja"- "Nein"-Zeichen immer noch eine basale Verständigung.
Im Bereich der nichtelektronischen Kommunikationshilfen werden u.a. eingesetzt:
- Kommunikationskästen mit konkreten Objekten (z.B. Schuhkartons, in denen jeweils ein Gegenstand liegt, der eine Schulaktivität repräsentiert)
- Kommunikationstafeln (z.B. große Pappkarten mit einer Anzahl von Photos, Bildsymbolen oder Buchstaben/Wörtern)
- Kommunikationsbücher (z.B. Photoalben oder Münzsammelalben, in denen das für den Benutzer wichtige Vokabular thematisch geordnet von Photos oder Bildsymbolen dargestellt wird)
- Kommunikationsschürzen (Schürzen, an denen z.B. mit Hilfe von Klettband Bildsymbole angebracht wurden)
- zu Kommunikationstafeln umfunktionierte Schwimmbretter, die für die Kommunikation im Schwimmbad genutzt werden können
- Kommunikationsposter an den Wänden (z.B. beim Essplatz, auf der Toilette, am Wickeltisch)
- einzelne Bild- oder Wortkarten an einem Metallring, der z.B. am Gürtel befestigt werden kann.
Nichtelektronische Hilfsmittel haben viele Vorteile.
- sie sind robust.
- sie können leicht transportiert werden.
- sie sind relativ einfach herzustellen.
- sie sind leicht modifizierbar.
- sie sind preiswert.
- sie erfordern keine Computerkenntnisse.
- sie haben keine technischen Störungen.
Der größte Nachteil nichtelektronischer Hilfsmittel liegt jedoch darin, dass sie den Benutzer/die Benutzerin abhängig machen von der körperlichen Nähe und der totalen Aufmerksamkeit ihrer Partner/innen. Telefongespräche oder Gespräche in einer Gruppe sind nur mit Hilfestellung möglich. Zudem wird der Erfolg der Kommunikation zu einem großen Teil davon bestimmt, ob die Partner/innen "kokonstruieren" können. Damit ist u.a. die Fähigkeit gemeint, die angezeigten Bildsymbole richtig zu interpretieren und gegebenenfalls auch zu verstehen, dass das Symbol für "Schere" nicht nur auch "basteln" oder "Haare schneiden" bedeuten kann, sondern eventuell für "kaputt", "scharf", "spitz" oder sogar für "Dauerwelle" eingesetzt wird.
Mit einer nichtelektronischen Kommunikationshilfe ist es darüber hinaus nur sehr schwer möglich, Gesprächskontrolle auszuüben, also z.B. einen Partner zu unterbrechen oder eine Zwischenbemerkung zu machen.
Auch lassen sich kommunizierte Inhalte nicht festhalten drucken, speichern und damit später abrufen.
Zur Ergänzung eines individuellen Kommunikationssystems kann daher der Einsatz einer elektronischen Kommunikationshilfe unverzichtbar sein.