Letzte Änderung: 13.09.2008

Förderung Spracherwerb

5p- Info-Brief 1998/3

Bericht über einen Vortrag und Seminar von Frau Prof. Dr. Etta Wilken: "Möglichkeiten der Förderung des Spracherwerbs und der Sprachentwicklung bei behinderten Kindern", im März 1998.

Vita von Prof. Dr. Wilken:

Nach einer allgemeinen Einführung in das Thema Entwicklung und Förderung hat Frau Wilken zwei Bereiche näher erläutert: die Gebärden zur Unterstützung der Sprachentwicklung und das Früh-Lesen. Ihre Ausführungen in Stichpunkten:

Allgemeines zum Thema Entwicklung und Förderung:

Die Entwicklung wird durch zwei Faktoren bestimmt:

  1. das individuelle Potential
  2. die Bedingungen des Umfelds

Wenn die durch 1) gegebenen Voraussetzungen nicht günstig sind, ist es um so wichtiger, 2) möglichst positiv zu verändern.

Voraussetzungen und Entwicklungsstufen beim Kind


Motorisch-funktioneller Bereich

  • Primärfunktionen der Sprechorgane: Saugen, Kauen, Schlucken, Zungen- und Lippenbewegungen
  • Atmung (Mund- und Nasenatmung), Pusten, Schneuzen
  • Ausdrucks- und Funktionslaute
  • Motorik (Kopfkontrolle)
  • Hören, Sehen

Kognitiver und
sozio-emotionaler Bereich

  • Wahrnehmungsfähigkeit
  • Blickkontakte, Lächeln
  • Aufmerksamkeit, Interesse
  • Situationsverständnis
  • Nachahmung (unmittelbar, aufgeschoben)
  • Vorstellung, Erwartung
  • Symbolverständnis
  • Interaktives Handeln (turn-taking)
  • Sprachverständnis

zum Anfang

Worauf es ankommt:

Angestrebt wird die Unterstützung des Erreichens der nächsten Entwicklungsstufe (diese sind bei allen Kindern gleich). Dafür soll ein individueller Förderplan erstellt werden. Dieser muss darauf basieren, was das Kind kann/tut, nicht, was es (seinem Alter entsprechend) nicht kann. Maßstab ist der persönliche Entwicklungsstand des Kindes, nicht das Lebensalter.

Gutes Hören (oft nur geringfügig beeinträchtigt; wird nicht bemerkt) und Sehen ist Grundvoraussetzung! Dies sollte auch bei Spezialisten sichergestellt werden. Die einfachen Tests beim Kinderarzt genügen nicht.

Viel Erfahrung ("Tun") ist die Voraussetzung für Abstraktion (<= Basis für Sprachverständnis). Dies gilt v.a. im häuslichen Bereich: Das Kind muss im Tagesablauf lernen, Bedeutungen zu interpretieren ("Ding-ding" der Mikrowelle => Füttern). Wichtig sind differenzierte Erfahrungen mit 1 Sache; dann kann die nächste folgen (nicht ständig Neues anbieten, das überfordert). (siehe auch folgende Tabelle "Entwicklung von Verstehen und Mitteilen").

Hierbei sind Rollenspiele Voraussetzung für das Symbolspiel (Übertragung im Alltag: Staubsaugen mit dem Besenstiel oder Kleiderbügel). (vgl. hierzu Tabelle)

Kinder mit geringerer Sprachentwicklung zeigen weniger (freies) Symbolspiel; dazu ist Sprachverständnis nötig (daher ist Integration z.B. im Kindergarten sinnvoll, da die Kinder von anderen profitieren). (vgl. hierzu Tabelle)

Entwicklung von Verstehen und Mitteilen

Entwicklung von Verstehen

  • kontextgebundenes Verstehen
  • Gewohnheiten führen zu Erwartungen
  • Objektpermanenz (7/8 Monate)
  • Vorstellungen (Bsp. Mutter zieht sich an, das Kind nicht => Kind weiß: Mutter geht allein weg)
  • kontextgebundenes Verstehen von Anzeichen für Handlungen
  • Funktionssignale
  • Sachsymbole, Gestik, natürliche Symbolbildung
  • kontextgebundenes Sprachverständnis
  • Bilder als Abbildungen
  • Wortverständnis und einfache Sätze
  • allgemeines Sprachverständnis
  • Bildzeichen und Symbole

Entwicklung von Mitteilen

  • kontextbezogenes Verhalten
  • Ausdruckslaute
  • Verhalten zeigt Erwartung
  • Ausdrucksverhalten (Ablehnung / Zufriedenheit)
  • Lautdifferenzierung
  • Gestik und Mimik (Anpassung an eigene Möglichkeiten)
  • Bedeutungslaute, erste Wörter
  • nachahmendes Spiel
  • Variabilität von Objektbedeutung und Symbolspiel
  • Sätze (Grammatik)
  • bildhafte Darstellungen
  • Schreibzeichnen
  • Schreiben

zum Anfang

Gebärden zur Unterstützung der Sprachentwicklung:

zum Anfang

Früh-Lesen:

   Bild
Mutter
 Bild
Vater
 

Beispiel:
Ein konkreter Vorschlag für ein Kind, das zu Papa und Mama gleichermaßen "Baba" sagt, obwohl es "Mama" sagen kann (=>mangelnde Zuordnung).

  1. Zuordnen: "Das ist Papa / das ist Mama."
  2. Auswählen: "Gib mir Papa / gib mir Mama!"
  3. Benennen: "Was ist das?"

Dies geschieht zuerst mit Bildern, dann werden auf die Bilder Wortkarten gelegt, mit denselben Stufen. So lernt das Kind, Papa und Mama zu unterscheiden.

zum Anfang

Tips/Ideen/Hinweise:

Literatur zum Thema.

zum Anfang

Beate