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Die Verhaltensstörungen bei Kindern mit Cri-du-Chat-Syndrom unterscheiden sich nicht grundsätzlich von den Verhaltensstörungen anderer Kinder mit geistiger Behinderung. Deshalb sind die gleichen Verfahrensweisen des Umgangs angemessen.
Eine Verhaltensbeeinträchtigung ist mit einer Beeinträchtigung der Persönlichkeitsentwicklung der Betroffenen oder des sozialen Umfeldes, tritt längerfristig und unter unterschiedlichen Bedingungen und Situationen auf, kann von den Betroffenen nicht kontrolliert werden und bedarf besonderer pädagogischer Maßnahmen.
Die Formen sind unterschiedlich: Fremdaggressionen (kneifen, schlagen), alles in den Mund stecken, schlagen mit dem Kopf an etwas, Stereotypien, sich kratzen, sich auf den Boden werfen, T-shirt anknabbern u.a. Es kann in in unterschiedlichen Situationen (Familie - Schule) oder gegenüber unterschiedlichen Personen (Vater - Mutter) unterschiedlich stark auftreten. All das zeigt: Geistige Behinderung oder die Hirnschädigung ist nicht allein für die Entstehung von Verhaltensproblemen dieser Kinder und Jugendlichen verantwortlich.
Verhaltensprobleme können das Zusammenleben in der Familie sowie die Außenbeziehungen der Familie erheblich beeinträchtigen. Eltern in dieser Situation vermeiden es häufig, ihren Sohn oder ihre Tochter mit in die Öffentlichkeit oder mit zu Freunden und Bekannten zu nehmen, um deren Mitleid oder aggressive Äußerungen zu vermeiden. Bei schweren Verhaltensproblemen sehen sich die Eltern nicht selten gezwungen, die Betreuung ihres Kindes an ein Heim abzugeben.
Erst das Zusammenwirken von besonderen Lebensumständen in Verbindung mit unzureichend erworbenen Fähigkeiten zur Lösung von Problemen begünstigt die Entstehung von Verhaltensproblemen. Dies ist keine Schulzuschreibung an die Angehörigen. Es spielen Faktoren, die im sozialen Umfeld zu suchen sind und Faktoren, die in der betroffenen Person liegen, ebenso eine Rolle wie das Zusammenwirken beider. Auf die einzelne Person bezogene bzw. in ihr liegende Faktoren zu berücksichtigen.
Der organische Erklärungsansatz geht davon aus, dass Verhaltensprobleme durch organische Schädigungen (Sinnesschädigungen, Erkrankungen, starke oder andauernde Schmerzen) ausgelöst werden können, vor allem in Forme von selbstverletzendem Verhalten.
Nach dem entwicklungspsychologischen Ansatz kann es im Rahmen des Übens bestimmter Bewegungsabläufe zu Stereotypien und in der Folge zu Selbstverletzungen kommen, die aufgrund der retardierten Entwicklung weiterbestehen bleiben (z.B. alles in den Mund stecken).
Jeder Organismus benötigt ein mittleres Maß an Anregung von außen, um seine Funktionen und seinen Gesamtbestand sicherzustellen, durch Reize in allen Wahrnehmungsbereichen in Form von Stereotypien oder selbstverletzendem Verhalten verschaffen (Selbststimulation: Schlagen, Kratzen, Beißen, Haare ausreißen, Augenbohren oder Augenschlagen, Auf-das-Ohr-Schlagen, Schläge gegen Kinn oder Schläfe u.a.).
Verhaltensprobleme werden auch durch die Reaktionen von Bezugspersonen vor allen aus der Familie auf das unerwünschte Verhalten erlernt. Ein Beispiel für positive Verstärkung ist das Verhalten einer Bezugsperson, die sich dem Kind im Anschluss an ein unerwünschtes Verhalten zuwendet. Diese Zuwendung wird vom Kind positiv erlebt und es lernt, soziale Zuwendung durch Problemverhalten zu erwirken. Bei Fremdaggressionen, denen kein Widerstand entgegen gesetzt wird, erfolgt eine Verstärkung des aggressiven Verhaltens, weil es Erfolg hatte. Der Aggressor wird danach trachten, sich weitere Belohnungen zu holen. Problemverhalten kann auch dadurch unbeabsichtigt verstärkt werden, indem durch dieses Verhalten eine als unangenehm erlebte Situation vermieden werden kann Vermeidungslernen. Ein Beispiel ist die häufig zu beobachtende Ablehnung der Krankengymnastik. In diesem Falle verhält sich das Kind vor der Gymnastikstunde extrem auffällig und darf" dann nicht zu dieser eigentlich geplanten Therapiesitzung. Es lernt: Immer, wenn ich aggressiv bin, brauche ich nicht zu dieser blöden" Therapeutin. Modelllernen spielt vor allem bei fremdaggressivem Verhalten eine Rolle. Person A sieht, dass Person B durch Aggression Erfolg hatte und versucht, dieses Verhalten nachzuahmen und sich den gleichen Erfolg zu holen.
In vielen dieser Fälle lernt das Kind, mit Hilfe des Verhaltensproblems zu kommunizieren und bestimmte Wünsche durchzusetzen. Verhaltensproblems sind aus der Sicht des Kindes also grundsätzlich sinnvoll und nützlich.
Organische Ursachen müssen durch medizinische Diagnostik abgeklärt und durch medizinische Maßnahmen behandelt werden. pädagogisch- Maßnahmen nicht ausgeschlossen werden.
Förderungsmaßnahmen bestehen aus drei Komponenten:
An der Entwicklung und Durchführung von Förderungsmaßnahmen sollten möglichst alle Personen beteiligt werden, die unmittelbaren Umgang mit dem Kind oder Jugendlichen haben, um Konsequenz herzustellen. -
Bundesvereinigung Lebenshilfe (Hrsg.): »Der Friederich, der Friederich ... «? Verhaltensstörungen bei Kindern und Jugendlichen mit geistiger Behinderung. Marburg: Lebenshilfe-Verlag, 1999
Mühl, Heinz; Neukäter, Heinz; Schulz, Kerstin: Selbstverletzendes Verhalten bei geistiger Behinderung. Bern; Stuttgart; Wien: Haupt, 1996
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Mühl, Heinz: Einzelfallstudien zum pädagogischen Umgang mit Verhaltensstörungen bei Menschen mit geistiger Behinderung. Oldenburg: diz der C.v.Ossietzky Universität Oldenburg, 2002